, 14.08.2021

Während die deutsche Pferderenn-Saison in diesem Jahr bislang ohne Zwischenfälle auskommt, sorgt in den USA derzeit ein Doping-Skandal für Schlagzeilen. Der bekannte Pferdetrainer Jorge Navarro habe zusammen Kristian Rhein, dem Leiter einer Tierklinik, zahlreiche Rennpferde „systematisch“ gedopt.

 

Am Mittwoch habe Navarro die Anschuldigungen vor einem Gericht bestätigt, berichtet das US-Justizministerium auf seiner Webseite [Seite auf Englisch]. Rhein habe sich bereits am 3. August für schuldig erklärt.

 

Missbrauch mit mehreren unzugelassenen Medikamenten

Die beiden hätten gestanden, Rennpferde gezielt gedopt zu haben, um sich persönlich durch erfolgreiche Rennen und Pferdewetten zu bereichern. Betroffen sei beispielsweise der Wallach XY Jet, der 2019 den Golden Shaheen in Dubai gewonnen habe und im Januar 2020 plötzlich an Herzversagen gestorben sei.

 

Ihm und anderen Rennpferden seien Medikamente verabreicht worden, die von der FDA (Food and Drug Administration) nicht zugelassen gewesen seien. Eines davon sei das bronchienerweiternde Mittel Clenbuterol gewesen, welches die Sauerstoffaufnahme im Blut erhöht und somit die Leistung steigern kann.

 

Des Weiteren sei einigen Pferden das Medikament SGF-1000 verabreicht worden. Dieses enthalte Wachstumshormone, die durch gewöhnliche Drogentests nicht entdeckt werden könnten.

 

In seiner Funktion als Tierarzt habe Rhein die Medikamente unter falschem Label und in Unwissenheit der Besitzer und Jockeys verabreichen können. Bei der Gerichtsverhandlung am Mittwoch fand der US-Staatsanwalt Audrey Strauss harsche Worte für die Angeklagten:

Kristian Rhein und Jorge Navarro repräsentieren sowohl die Dealer- als auch die Kunden-Seite im Bereich der leistungssteigernden Mittel, die einen Großteil der Pferderennindustrie korrumpiert haben. Wie Navarro heute selbst zugegeben hat, war er in der Tat ein kaltblütiger Betrüger, dessen Scheinerfolg allein auf dem systematischen Missbrauch der Tiere unter seiner Kontrolle ruht.

Rhein hingegen habe seinen Eid als Tierarzt skrupellos gebrochen und den Tieren Leid zugefügt, statt ihnen zu helfen, so Strauss weiter. Beide Männer sollen im Dezember dieses Jahres verurteilt werden.

 

Navarro habe bereits eingewilligt, eine Summe von 25,8 Mio. USD und damit seine durch den Betrug erzielten Profite, zurückzuzahlen. Gleichwohl könnte ihn eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren erwarten, mutmaßen US-amerikanische Medien.

 

Pferdewohl auch in Deutschland ein Thema

Obwohl der deutsche Pferdesport schon seit längerem keinen großen Doping-Skandal hervorgebracht hat, sorgen sich auch hierzulande Tierschützer um das Wohl der Rennpferde. Die Tierschutzorganisation PETA beispielsweise hat für den morgigen Sonntag einen Protest vor der Düsseldorfer Galopprennbahn angekündigt.

 

Dort soll der jährliche Große Preis der Sparkasse Düsseldorf ausgetragen werden, der in diesem Jahr mit einem Preisgeld von 35.000 Euro dotiert ist. Wie bereits vor zwei Jahren wollten die Tierschützer nach eigener Aussage dafür protestieren, dass die Nutzung von Peitschen im deutschen Pferderennsport verboten wird.

Laut einer Studie der University of South Australia aus dem Jahr 2020 bietet der Einsatz von Peitschen Jockeys keinerlei Vorteile. Dennoch ist diese Praxis in vielen Ländern heute noch immer üblich. Auch in Großbritannien und Australien fordern Tierschützer seit Jahren ein Peitschen-Verbot. Die British Horse Racing Authority hat die Nutzung der Peitschen mittlerweile eingeschränkt, aber nicht abgeschafft. In den USA hat bislang allein der Bundesstaat New Jersey ein Peitschen-Verbot bei Pferderennen verhängt.

Ob der Protest am Renntag die Freude über das beliebte Rennen vor Ort trüben wird, bleibt abzuwarten. Insgesamt erwarten Zuschauer am Sonntag in Düsseldorf neun spannende Rennen.

 

Auch in Saarbrücken finden am Sonntag zehn niedrig dotierte Rennen statt, die von verschiedenen Sparkassen des Bundeslandes Saarlands gesponsert werden. Insgesamt hält die Rennsaison 2021 in den kommenden Monaten noch einige lang erwartete Rennen bereit.