Dienstag, 28. Juni 2022

US-Justizministerium verklagt Casino-Mogul Steve Wynn wegen China-Beziehungen

Wynn-Casinos Steve Wynn ist Gründer des gleichnamigen Casino-Konzerns (Bild: Flickr/Jake Przespo, CC BY 2.0)

Der US-amerikanische Casino-Mogul Steve Wynn sieht sich in seinem Heimatland mit juristischen Schwierigkeiten konfrontiert. Das US-Justizministerium wirft dem 80-jährigen Glücksspiel-Milliardär Lobby-Tätigkeiten für die chinesische Regierung vor. Da Wynn sich bisher weigere, sich aufgrund seines Engagements als „ausländischer Agent“ registrieren zu lassen, sei am Dienstag Anklage gegen ihn erhoben worden.

Stein des Anstoßes sei dem Ministerium zufolge das Engagement Wynns für chinesische Regierungsstellen im Jahr 2017 gewesen. Damals habe sich der Gründer und ehemalige Chef des Casino-Konzerns Wynn Resorts auf Ersuchen Chinas an die US-Regierung gewandt.

Auslieferung von missliebigem Chinesen gefordert

Steve Wynn soll unter anderem mit dem damaligen Präsidenten Trump zusammengekommen sein, um die Ausweisung eines in den USA lebenden Exil-Chinesen zu erwirken. Dabei sei es um den Geschäftsmann Guo Wengui gegangen, der aufgrund von Korruptionsvergehen und weiterer krimineller Delikte in China auf der Fahndungsliste gestanden habe.

Anfragen dieser Art seien als Lobbyismus für eine ausländische Regierung zu werten, so das Justizministerium. Dafür müsse Wynn sich öffentlich registrieren. Schließlich habe Wynn umfassende Schritte eingeleitet, um die US-Regierung zu überzeugen.

In einem Statement erklärt das Justizministerium:

Steve Wynn unternahm diese Bemühungen auf Ersuchen von Sun Lijun, dem damaligen Vizeminister des Ministeriums für öffentliche Sicherheit. Herr Wynn übermittelte die Bitte direkt an den damaligen Präsidenten bei einem Abendessen und per Telefon, und er führte mehrere Gespräche mit dem damaligen Präsidenten und hochrangigen Beamten im Weißen Haus und im Nationalen Sicherheitsrat.

Der stellvertretende Justizminister Matthew Olsen erklärte, dass die Bevölkerung ein Recht habe zu wissen, wenn US-Bürger für eine ausländische Macht tätig seien.

Klage nach mehrjährigen Anfragen

Seine Behörde habe Wynn vier Jahre lang darum gebeten, diesem Schritt nachzukommen. Der aufgrund von Anschuldigungen zu sexueller Belästigung 2018 vom Vorstandsposten des Casino-Konzerns zurückgetretene Wynn habe sich jedoch geweigert. Aus diesem Grund habe sich das Ministerium nun zur Erhebung einer offiziellen Anklage entschlossen.

Die Zukunft der Macau-Casinos von Wynn sind derzeit alles andere als sicher. Die vor wenigen Wochen verlängerte Lizenz läuft Ende des Jahres aus. In den kommenden Monaten müssen sich alle Anbieter um eine neue Betriebsgenehmigung bewerben. Erst im Herbst wird voraussichtlich feststehen, ob Wynn Resorts weiter Casinos in Macau betreiben darf.

Wynn selbst bestreitet sein Engagement nicht. Er sei dem Ersuchen der chinesischen Behörden nachgekommen, um seine geschäftlichen Interessen in der Region zu schützen.

Die Anwälte des Milliardärs erklärten, dass sie die Anklage anfechten werden. Ihr Mandant habe „niemals als Agent der chinesischen Regierung“ gehandelt. Aus diesem Grund sehe er keinen Anlass, sich als chinesischer Lobbyist zu registrieren.