, October 7, 2019

US-Strafverfolgungsbehörden sind in der vorigen Woche mit Razzien gegen illegale Glücksspiel-Operationen in den US-Bundesstaaten Kalifornien und New York vorgegangen.

 

Joseph Profaci im Portrait

Joseph Profaci gilt als Gründer der Colombo Mafia-Familie. (Quelle: Wikipedia, licensed under public domain)

In der Nacht zum Donnerstag durchsuchte die Polizei mit Sondereinsatzkräften einen illegalen Glücksspiel-Betrieb im San Fernando Valley (Kalifornien) und nahm dabei mehrere Personen vorrübergehend in Gewahrsam.

 

Eine Bande vermeintlicher Verbrecher ist den Ermittlern zur selben Zeit in Staten Island (New York) ins Netz gegangen.

 

Wie die Behörden am Donnerstag mitteilten, wurden bei polizeilichen Maßnahmen 20 Personen festgenommen.

 

Den New Yorker Verdächtigen wird neben Kreditwucher, Erpressung und Nachstellung auch der Versuch der Manipulation eines NCAA-College-Basketballspiels zur Last gelegt.

 

Elf der Beschuldigten sollen der berüchtigten Colombo Mafia-Familie angehören.

Kann die New Yorker Mafia nicht die Finger von illegalen Sportwetten lassen?

Sollte sich im Laufe der Ermittlungen herausstellen, dass der Colombo-Clan einen Teil des illegalen Glücksspiels in New York kontrolliert, wäre es ein weiteres Indiz dafür, wie langwierig der Kampf gegen das illegale Glücksspiel und die Mafia im Big Apple tatsächlich ist.

 

Erst im Januar dieses Jahres nahm die Polizei des Ostküstenbundesstaats drei vermeintliche Mafiosi wegen illegalen Glücksspiels und Korruption fest. John Adriello (65), Marco Minuto (60) and Brian Levine (48) sollen für verbotene Wetten auf Amateur- und Profi-Football-Spiele geworben haben.

 

Im Mai 2019 musste sich Eugene „Boobsie“ Castelle vor einem Gericht in Manhattan wegen illegaler Buchmacherei verantworten. Castelle steht unter Verdacht, ein Fußsoldat der Luchese Mafia-Familie zu sein. Nach der Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 1 Millionen US-Dollar wurde der 59-Jährige bis zum Prozessende aus der U-Haft entlassen.

New Yorker Nachwuchspolitiker im Fadenkreuz der Ermittler

 

Obgleich die Mafia in den letzten Jahrzehnten intensiv bekämpft wurde, versuchen die Organisationen anscheinend noch immer eigene Wettkundschaft anzulocken und Einfluss auf die Spiele der US-Sportligen zu nehmen.

 

Nicole Malliotakis im Portrait

Nicole Malliotakis stellte Bifalco ein. (Quelle: Nicole Malliotakis by Gage Skidmore, licensed under CC BY-SA 3.0)

Dies zumindest geht aus Berichten der New York Post (Link auf Englisch) hervor. Wie die Zeitung am Donnerstag meldete, hätten mindestens zwei der in New York verhafteten Personen, die Manipulation von College-Basketballspielen geplant.

 

Einer der Beschuldigten, Benjamin Bifalco (25), soll versucht haben „Tausende von Dollar an mehrere Mitglieder“ nicht-identifizierter NCAA-Teams zu zahlen, sei damit allerdings gescheitert.

 

Besonders brisant an der Personalie: Bifalco war seit September 2019 Mitarbeiter der amtierenden New Yorker Senatsabgeordneten Nicole Malliotakis und soll die Manipulationen gemeinsam mit dem Sohn eines New Yorker Mafiabosses vorbereitet haben.

 

Als Direktor für Gemeindeangelegenheiten begleitete Bifalco einen wichtigen Posten. Dementsprechend schockiert zeigten sich Amtsträger und Medien über die mögliche Verbindung zwischen Politik, illegalem Glücksspiel und organisierter Kriminalität.

 

Malliotakis, die Bifalco nach der Festnahme umgehend entließ, äußerte sich in einem Pressestatement enttäuscht über ihren ehemaligen Mitarbeiter:

„Er war in der Kommunalpolitik aktiv und plante eine Bewerbung für ein Jurastudium. Eine Reihe von Leuten empfahl ihn mir. Ich bin schockiert und traurig über diese Nachricht. Ich habe keinerlei Toleranz für kriminelle Aktivitäten.“

 Kalifornische Behörden beschlagnahmen Computer

 

Während an der Ostküste hochrangige Mafiosi Bekanntschaft mit dem Gesetz machten, kontrollierte die Polizei im San Fernando Valley vorige Woche ein illegales Glücksspielgeschäft und beschlagnahmte mehrere Computer.

 

Die Besucher des Etablissements waren nach dem Anrücken der Sicherheitskräfte auf das Dach des Hauses geflohen und mussten anschließend mit Leitern geborgen werden. Laut Medienberichten seien bei der Razzia mehr als ein Dutzend Personen vorrübergehend in Gewahrsam genommen und später entlassen worden.

 

Anders als in New York scheinen in Kalifornien keine Anhaltspunkte für schwere Straftaten vorgelegen zu haben. Der Kampf gegen das illegale Glücksspiel entpuppt sich wieder einmal als Jagd auf kleine Fische und große Haie.

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