Dienstag, 28. Juni 2022

Kurioser Roulette-Betrug im Casino Luzern – Anklage und Urteil ungewiss

Grand Casino Luzern Vier Männer sollen das Casino um 30.000 CHF betrogen haben (Bild: Grand Casino Luzern, Pressefotos)

Ein Schweizer Gericht beschäftigt sich derzeit mit einem kuriosen Betrugsfall im Grand Casino Luzern. Im April 2019 sollen vier Männer das Casino dank eines filmreifen Komplotts um 30.000 CHF betrogen haben, berichtete die Zeitung Zentralplus am Mittwoch. Der Casino-Sicherheitschef habe den Vorfall zwar im Detail rekonstruieren können, rein rechtlich gesehen sei dieser jedoch keineswegs eindeutig.

Der geschickt manipulierte Roulette-Kessel

Laut Sicherheitschef und Staatsanwaltschaft hätten die vier Männer einen Roulette-Kessel im Casino mechanisch manipuliert. Der betroffene Tisch sei für den Tag bereits geöffnet gewesen, aber es habe noch kein Spiel stattgefunden. Einer der Männer habe „unauffällig und blitzschnell“ transparente schwarze Metall-Blättchen auf den Zahlen 8, 11, 17, 24, 26 und 29 platziert.

Anschließend habe er das Casino verlassen. Zwei seiner Komplizen hätten eine Stunde später kontrolliert, ob die Manipulation geglückt sei. Die Aufgabe des vierten Mannes sei dann das Wetten auf die richtigen Zahlen gewesen. Die Metall-Blättchen hätten die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Roulette-Kugel auf den manipulierten Zahlen liegen bleibe.

Roulette-Kessel von oben

Sechs Zahlenfelder wurden mit Metall-Blättchen manipuliert (Bild: Pixabay)

Der vierte Mann habe seine Wetten jedoch nicht am manipulierten Tisch platziert. Stattdessen habe er einen der Spielautomaten im Casino genutzt, über welche man „aus der Ferne“ auf die Tischspiele im Casino wetten könne. Um den Betrug zu verschleiern, habe er nicht nur auf die manipulierten Zahlen, sondern auch auf andere gewettet.

Hohe Einsätze auf die manipulierten Zahlen

Insgesamt habe er an jenem Tag 255-mal auf das Roulette-Spiel gewettet. Bei den unwahrscheinlicheren Zahlen habe er jedoch nur sehr kleine Beträge gesetzt. Nachdem er dank hoher Wetteinsätze auf die manipulierten Zahlen 30.000 CHF kassiert habe, habe er das Casino verlassen.

Anschließend seien zwei der Männer in die Spielbank zurückgekehrt, um die Metall-Blättchen ebenso unauffällig wieder zu entfernen. Während einer von ihnen den Croupier abgelenkt habe, habe der andere die Blättchen mithilfe eines Magneten schnell wieder eingesammelt.

Das Casino Luzern ist derzeit das umsatzstärkste Casino der Schweiz. Wie die Aktionäre der Kursaal-Casino AG Luzern bei ihrer Generalversammlung am Dienstag bekannt gaben, habe das Casino ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 verbucht. Insgesamt habe die Spielbank ihren Umsatz auf 92,89 Mio. CHF steigern können. Aktuell liege der Fokus der Geschäftsleitung auf der Erneuerung der Spielbanken-Konzession. Zudem strebe die Kursaal-Casino AG einen weiteren Casino-Standort sowie den Einstieg ins Online-Glücksspiel an.

Mangel an Beweisen und Fehler bei der Anklage?

Nach ihrem erfolgreichen Beutezug hätten die Männer versucht, mit einem Auto das Land zu verlassen. Bei der Grenzkontrolle habe die Polizei dann das ungewöhnliche „Werkzeug“ und die hohe Bargeldsumme entdeckt. Daraufhin sei der Anklagepunkt „betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage“ erhoben worden.

Tatsächlich könnte dieser Anklagepunkt jedoch dazu führen, dass die Männer freigesprochen werden, so Zentralplus. Schließlich hätten die Angeklagten nicht den Spielautomaten manipuliert, sondern den Roulette-Kessel. Die Definition einer „Datenverarbeitungsanlage“ lasse sich nicht weit genug dehnen, dass diese für den Kessel angewendet werden könne.

Strafrechtlich handle es sich vielmehr um eine „arglistige Täuschung“. Dieser Vorwurf sei jedoch kein Anklagepunkt gewesen. Die Verteidigung halte daher einen Freispruch für unabwendbar. Zudem sei die Beweislage dünn. Schließlich gebe es keinen eindeutigen Beweis, dass die gefundenen Werkzeuge tatsächlich im Casino zur Anwendung gekommen seien.

Ob Videoaufzeichnungen die Männer belasten könnten, geht aus der Berichterstattung nicht hervor. Nun liege es an der zuständigen Richterin, eine Entscheidung zu fällen. Das Urteil werde sie in Kürze schriftlich bekannt geben. Der Casino-Sicherheitschef erklärte indes, dass die Spielbank neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen habe, damit ein Betrug dieser Art kein weiteres Mal vorkommen könne.