, 20.02.2018

Schiedsrichter auf dem Platz

Der Videobeweis im Fußball ist heftig umstritten. (Bild: dfb.de)

Der Videobeweis im Fußball, im Englischen VAR (Video Assistant Refereeing) genannt, ist seit jeher ein heißes Thema bei Fans und Experten. Die Diskussion hat nun auch die Glücksspielwelt erreicht. Der britische Buchmacher Paddy Power hat als erster Sportwettenanbieter in Großbritannien ein neues Auszahlungssystem für VAR-Fälle eingeführt.

 

Für den bevorstehenden FA Cup, die englische Variante des DFB-Pokals, erhalten Spieler ihre Wette auch dann ausgezahlt, wenn ein Tor per VAR entschieden wird. Dabei erkennt Paddy Power auch Tore an, die per VAR für ungültig erklärt wurden. Auf diese Weise soll die Bereitschaft der Spieler, Livewetten zu platzieren, gefördert werden.

 

Der Videobeweis ist in der Fußballwelt schon lange ein kontroverses Thema. Veranstalter argumentieren mit einem gerechteren Spielablauf, Fans befürchten hingegen den Charakter- und Identitätsverlust des Spiels.

 

Tore werden entgegen VAR ausbezahlt

Das Angebot gilt zunächst nur für Tipps auf den ersten Torschützen des Spiels sowie für den Markt, dass ein bestimmter Spieler irgendwann im Verlauf des Spiels auf jeden Fall trifft.

Ein Paddy Power Sprecher erklärte:

„Völlig egal, ob Sie der Meinung sind, dass VAR Fußball rettet oder ruiniert: Wir zahlen aus. […] Wir wissen, dass viele Fußballfans frustriert sind, wenn sie ihre Wette verlieren, nur weil ein Tor nicht anerkannt wurde. Deshalb haben wir uns gedacht, wir drehen das Ganze einfach um und zahlen […] bei den Märkten erster Torschütze und Torschütze insgesamt auch dann aus, wenn diese Tore per VAR für ungültig erklärt wurden.“

Aktionsspiel sorgt für Lacher

Kurioserweise kam es in einem an der Aktion teilnehmenden Spiele bereits zu einer viel zitierten VAR Kontroverse, als die Spielfeldlinien von der Technikerfirma ungerade gezeichnet waren. Um ein Tor nach Abseits zu entscheiden, war die Kalibrierung des Spielfelds auf den Bildschirmen eingeblendet worden, doch die Linien sahen mehr handgemalt als technisch aus. Die verspottete Firma erklärte die Grafik mit einem technischen Fehler und betonte, der Schiedsrichter habe die korrekte Auflösung vorliegen gehabt.

 

Marktforscher sehen VAR Angebote auf dem Vormarsch

Auch wenn es sich bei der Paddy Power Aktion zunächst um eine einmalige Sache gehandelt hat, so kann doch davon ausgegangen werden, dass derartige Sonderangebote in Zukunft öfter zum Einsatz kommen werden. Die Experten von Abelson Info, einem Zulieferer von Wettstatistiken und Quoten, haben bereits prognostiziert, dass britische Buchmacher zukünftig vermehrt auf VAR Aktionen setzen werden, um Spielern die Angst vor Livewetten zu nehmen.

 

Videobeweis seit Herbst 2017 auch in der Bundesliga

Videoassistent im Studio

Videoassistent im Studio (Bild: zeit.de)

Seit der Saison 2017/2018 gibt es den umstrittenen Videobeweis auch im deutschen Fußball. Dann sitzt in einem Kölner Studio pro Spiel ein VA (Videoassistent) und kann sich bei strittigen Situationen mehrere Videoaufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen lassen. Bei den Videoassistenten handelt es sich um die aktuellen 23 Bundesliga-Schiedsrichter, die in besonderen Schulungen auf ihre neue Aufgabe vorbereitet wurden.

 

Unterstützt werden die VAs bei ihrer Entscheidung von mindestens einem Supervisor. Die Entscheidung von VA und Supervisor auf Basis des Videobeweises wird dabei als bloße Empfehlung an den Schiedsrichter vor Ort angesehen, da dieser auch entgegen der Einschätzung aus Köln entscheiden kann.

Der Videobeweis kann für die folgenden Situationen angefordert werden:

  • Tor
  • Elfmeter
  • Rote Karte
  • Spielerverwechslung

Missverständliche Situationen kann sich der Schiedsrichter außerdem am Spielfeldrand auf einem Tablet oder fest installierten, für die Spieler aber nicht einsehbaren, Monitor selbst ansehen.

 

50 Entscheidungen bei Bundesliga Hinrunde korrigiert

Laut einer ersten Meldung des DFB vom Januar dieses Jahres konnten mit dem neuen Videobeweis bereits 1.041 ungenaue Spielsituationen in 153 Spielen untersucht werden. Dabei kam es zu insgesamt 50 Handlungsempfehlungen aus Köln, wovon 48 angenommen wurden und es zu einer anderen Entscheidung des Unparteiischen auf dem Platz kam.

 

Innerhalb von ca. 40 Sekunden soll die Empfehlung des VA auf dem Platz ankommen. Der Schiedsrichter erhält diese per Funk.

 

Videobeweis bei der WM 2018 noch ungewiss

Ob der Videobeweis auch bei der diesjährigen Fußball-WM zum Einsatz kommt, ist noch ungewiss. Im März will die FIFA entscheiden, ob die Technik es auf den Platz schafft. Im Gegensatz zur FIFA ist der europäische Verband UEFA dem Videobeweis gegenüber alles andere als offen und hat eine Einführung bisher immer abgelehnt.

 

Zum Start der WM können sich Buchmacher zudem, wie auch schon bei der EM 2016, auf ein stark erhöhtes Wettaufkommen freuen.