, 19.07.2020

Während des Covid-19-bedingten Lockdowns hat in Großbritannien die Zahl derjenigen erheblich zugenommen, die aufgrund von Glücksspielproblemen nach Hilfe suchen. Dies zeigen die Daten der britischen Anti-Spielsucht-Organisation Gordon Moody Association.

 

Nach Aussage der karitativen Organisation sei sie im Zeitraum zwischen April und Juni pro Monat von durchschnittlich 1.000 britischen Problemspielern kontaktiert worden. Damit sei die Zahl der Personen, die wegen ihrer Spielsucht um Hilfe baten, im Vergleich zu den Monaten vor dem Lockdown um das bis zu Dreißigfache gestiegen.

Die gemeinnützige Gordon Moody Association [Seite auf Englisch] betreibt mehrere Einrichtungen zur Behandlung von Spielsüchtigen. Darüber hinaus kümmern sich die Betreuer auch nach Beendigung der meist dreimonatigen stationären Behandlung um die Betroffenen. Zudem bietet die Organisation weit über 100 Therapieangebote, die in mehreren Sprachen verfügbar sind.

Wie schwerwiegend die Fälle seien, zeige sich daran, dass auf der Höhe der Covid-19-Krise durchschnittlich fünf Personen am Tag bei der Organisation angerufen hätten, weil sie aufgrund ihrer Glücksspielprobleme Selbstmordgedanken hegten.

 

Entwickelt sich ein „großer Sturm“ der Probleme?

Vertreter der Anti-Spielsucht-Initiative erklärten, dass ein Großteil der Anrufe von Betroffenen gekommen sei, die überlegten, sich in eines der Behandlungszentren einweisen zu lassen. Zudem sei die Organisation von vielen Ex-Patienten kontaktiert worden, die einen Rückfall in die Spielsucht befürchteten.

 

Matthew Hickey, Vorsitzender der Gordon Moody Association, befürchtet in einem Statement, dass die Covid-19-Krise einen „großen Sturm“ an Problemen ausgelöst haben könne. Als Indiz dafür nannte er die wachsende Zahl der Hilfesuchenden in den letzten Wochen:

Wir hatten das Gefühl, dass wir aufgrund der Coronavirus-Krise wahrscheinlich einen schweren Sturm erleben würden, und jetzt glauben wir, dass diese Zahlen möglicherweise schon die ersten Anzeichen des Sturms sind. Jetzt, wo wir uns im zweiten Quartal 2020 befinden, sehen wir definitiv einen Anstieg der Zahlen.

Zugleich betonte Hickey, dass insbesondere die Zahl junger Menschen und von Frauen, die sich nach dem Behandlungsangebot erkundigten oder um Ratschläge zur Bekämpfung der Spielsucht baten, zugenommen habe.

 

Er hoffe, dass das gesteigerte öffentliche Bewusstsein dazu beitragen könne, die gesellschaftliche „Stigmatisierung“ der Spielsucht aufzuheben. Diese trage noch immer dazu bei, dass Betroffene vor Hilfsangeboten zurückschreckten, obwohl sie diese dringend benötigten.