Sonntag, 22. Mai 2022

Starinvestor Buffett: US-Finanzmärkte werden zur Spielhölle

Warren Buffett US-Starinvestor Warren Buffett übt immer wieder Kritik an Trading-Apps. (Bild: Flickr/Javier; CC BY-NC-ND 2.0)

Am vergangenen Samstag hat die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway ihre Hauptversammlung erstmals seit 2019 wieder vor Publikum im US-amerikanischen Omaha abgehalten. Der Großinvestor und CEO des Unternehmens Warren Buffett und sein stellvertretender Vorsitzender Charles Munger klärten dabei nicht nur über ihre heiß ersehnten neuen Deals auf. Buffett warf der Wall Street auch vor, sie fördere das spekulative Verhalten an der Börse und verwandele sie in eine „Spielhölle“.

Die auch als „Woodstock für Kapitalisten“ bezeichnete Hauptversammlung von Berkshire Hathaway wurde insbesondere deshalb mit Spannung erwartet, weil das Unternehmen sein Geld im vergangenen Jahr immer wieder in Aktienrückkäufe statt in neue Investitionen gesteckt hatte. Grund hierfür seien mangelnde attraktive Übernahmeziele gewesen.

In diesem Jahr jedoch habe Berkshire im ersten Quartal ganze 41 Mrd. US-Dollar für Aktien ausgegeben. Allein 7 Mrd. US-Dollar seien in Aktien des Ölunternehmens Occidental geflossen, wodurch sich der Anteil an diesem auf über 14 % erhöht habe. Grund für die „außergewöhnlichen“ Aktivitäten, so erklärte Buffett Tausenden von Aktionären, seien ungewöhnliche Bewegungen an der Börse.

Machte die Pandemie den Börsenhandel zum Glücksspiel?

Während der Pandemie strömten viele einzelne Händler und Kleinanleger auf den Börsenmarkt und trieben die Aktienkurse in Rekordhöhe. Zielscheibe von Kritik vonseiten des 91-Jährigen wurden jedoch vor allem Investmentbanken und Broker. Buffett sagte:

„Die Wall Street verdient ihr Geld auf die eine oder andere Weise, indem sie die Krümel auffängt, die vom Tisch des Kapitalismus fallen. Sie [Broker und Investmentbanken; Anm. d. Red.] machen nur dann Geld, solange die Menschen etwas tun und sie einen Teil davon erhalten. Sie verdienen viel mehr Geld, wenn die Leute zocken, als wenn sie investieren.“

Große US-amerikanische Unternehmen seien zu „Pokerchips“ für Marktspekulationen geworden. Er verwies dabei auf den zunehmenden Einsatz von Call-Optionen, bei denen die Rechte erworben werden, eine Aktie in Zukunft zu einem bestimmten Basispreis zu kaufen. Mit diesen „Wetten“ würden Börsenmakler Buffett zufolge viel mehr Geld verdienen als mit herkömmlichen Investitionen.

Buffetts 98-jähriger Vize, Charles Munger, erklärte, es sei fast schon eine „Spekulationsmanie“:

„Wir haben Leute, die nichts über Aktien wissen, die von Börsenmaklern beraten werden, die noch weniger wissen. Es ist eine unglaublich verrückte Situation. Ich glaube nicht, dass irgendein kluges Land dieses Ergebnis wollen würde. Warum sollte man wollen, dass die Aktien eines Landes in einem Casino gehandelt werden?“

Munger zielte mit seiner Kritik der Financial Times zufolge vor allem auf Trading-Plattformen wie Robinhood ab. Diese geraten allerdings nicht zum ersten Mal ins Kreuzfeuer von Munger und Buffett. Schon im vergangenen Jahr kritisierte Buffett die Trading-Apps und warf ihnen Ähnlichkeiten mit Casinos vor.