, May 15, 2019

Der Buchmacher William Hill hat sich Ärger mit der britischen Werbeaufsicht, der Advertising Standards Authority (ASA), eingehandelt. Eine Anzeige des Sportwettenanbieters auf der Datingplattform Tinder habe eine unzulässige Verbindung zwischen Glücksspiel und Erfolg in sexuellen Belangen hergestellt, befanden die Ordnungshüter, und untersagten die Werbemaßnahme.

 

Raus aus der „Friend-Zone“

 

Seit der Legalisierung des britischen Glücksspielmarktes engagieren sich die Behörden im Vereinigten Königreich verstärkt für den Spielerschutz beim Glücksspiel. Besonders im Fokus stehen dabei Werbebemühungen der Anbieter, die Kunden mit irreführenden Anreizen zum Spiel verlocken könnten.

 

Nun ist der Buchmacher William Hill über eine seiner Werbemaßnahmen auf der Datingplattform Tinder gestolpert.

 

William Hill Ad Tinder

Raus aus der Freundschaftszone? William Hill auf Tinder (Quelle:ASA/PA)

 

Ein User hatte bei der ASA offiziell Beschwerde gegen eine Werbenachricht des Anbieters auf Tinder vom 11. März eingelegt. In dieser stellte das börsennotierte Unternehmen sexuellen Erfolg in Aussicht, falls man sich an Pferdewetten des Anbieters beteilige:

In der Freundschaftszone gefangen? Nicht mehr lange, wenn du dieses kostenlose Cheltenham Wettangebot nutzt.

Das unter der Aufforderung verlinkte Angebot: Ein Gutscheincode, mit dem der User bei Einzahlung von 10 Pfund Sterling vier weitere Wetten in selber Höhe geschenkt bekäme.

 

Unzulässige Verknüpfung von sexuellem Erfolg und Glücksspiel

 

Für die ASA ein klarer Fall: Man erkenne an, dass William Hill die Werbung bereits entfernt habe, so die Werbeaufsicht in ihrer Stellungnahme.

 

Dennoch suggeriere der Text, dass Personen, die Glücksspiel betrieben, mit höherer Wahrscheinlichkeit aus einer freundschaftlichen Beziehung eine sexuelle Beziehung machen könnten – im Gegensatz zu Nicht-Spielern. Das Glücksspiel werde so unzulässigerweise mit sexuellem Erfolg verknüpft.

Im UK Code of Broadcast Advertising (BCAP Code) legt die Selbstregulierungsorganisation der Werbebranche Großbritanniens ASA unter anderem fest (Seite auf Englisch), was im Rahmen der Glücksspielwerbung rechtens ist.

 

Die Unterpunkte des Abschnitts 17 verbieten unter anderem Werbung, die zu kriminellem Verhalten ermutigt, die Unwissenheit und besondere Verletzlichkeit Minderjähriger ausnutzt oder das Glücksspiel am Arbeitsplatz verherrlicht.

 

Unter Punkt 17.3.7 verbietet der Code explizit Werbung, die Glücksspiel mit Verführung, sexuellem Erfolg oder gesteigerter Attraktivität verknüpft.

Alles eine Frage der Interpretation

 

Der Buchmacher selbst äußerte sich zurückhaltend reuig zum Thema. Man habe keineswegs die Intention gehabt, eine Verbindung zwischen besseren Aussichten im sexuellen Bereich und dem Glücksspiel herzustellen.

 

Dennoch könne man nachvollziehen, dass diese spezielle Art der Ansprache verschieden interpretiert werden könne.

 

Welche alternativen Interpretationen das Unternehmen erkannt haben könnte, ließ es offen.

 

Die Datingplattform Tinder, auf der das Werbeangebot veröffentlicht worden war, hatte indes keine Probleme mit der Werbung gesehen.

 

Man habe die Werbung vor Veröffentlichung gründlich geprüft. Da sie weder gesellschaftlich unverantwortlichen oder beleidigenden Inhalts gewesen sei, noch Minderjährige in den Fokus genommen habe, sei sie veröffentlicht worden.

 

„Verzweifelte Art von Werbung”

 

Nicht ganz so locker sieht es Dr. Alan Smith, Bischof des Bistums St. Albans und Mitglied des Oberhauses des britischen Parlaments. Der Geistliche plädiert bereits seit langem für eine strengere Regulierung der Glücksspielwerbung.

 

In einem Statement erklärte er, der Tinder-Vorgang könne möglicherweise nur Symptom eines neuen Umgangs der Glücksspielindustrie mit den offiziellen Vorgaben der ASA sein:

Mir fehlen die Worte für diese verzweifelte Art von Werbung. Die Einstellung der Glücksspielindustrie zur Selbstregulierung wird zur Farce, denn immer mehr solcher Werbungen erscheinen. Ich fürchte, dass so manche Wettanbieter mittlerweile mit einer „Lass Dich nicht erwischen“-Mentalität vorgehen. Die Industrie sollte die rigorosen Maßnahmen der ASA als einen Weckruf verstehen.

Alle großen Buchmacher betroffen

 

Tatsächlich beschäftigt sich die Werbeaufsicht ASA in jüngster Zeit immer wieder mit Beschwerden, die die Werbestrategien der britischen Buchmacher zum Thema haben.

 

William Hill Shop

Nicht nur William Hill hat sich den Ärger der ASA zugezogen. (Quelle:BillyMcCrorie, licensed under CC BY-SA 2.0)

Erst im März erging deshalb ein Verbot gegen einen TV-Spot des Sportwettenanbieters Sky Bet.

 

Der Buchmacher habe bei einer Werbung für Kombinationswetten im Fußball suggeriert, der Erfolg der Wette hinge vom Sachverstand des Spielers ab, so die Feststellung der ASA.

 

Dies sei ein klarer Verstoß gegen die Richtlinien der Werbeaufsicht, die festschreiben, dass das Glücksspiel in der Werbung klar als solches benannt werden müsse und nicht verschleiert werden dürfe.

 

In der vergangenen Woche traf es dann Wettanbieter Paddy Power. Dem Unternehmen wurde die Ausstrahlung eines Werbeclips untersagt, in dem die Regulatoren eine unrealistische Glorifizierung des Glücksspiels ausgemacht hatten.

 

Mit der jüngsten Entscheidung in Bezug auf William Hills versuchte Kundenakquise auf Tinder sendet die britische Werbeaufsicht erneut ein deutliches Zeichen an die nationale Glücksspiel- und Sportwettenindustrie. Inwieweit sich diese langfristig von Verwarnungen und Verboten beeindrucken lässt, wird sich zeigen.