, November 8, 2018

Am Dienstag stimmten die Bürger Floridas per Referendum mehrheitlich für ein künftiges Verbot von Windhundrennen im Sonnenstaat. Bis zum Jahr 2021 sollen die elf Rennstrecken geschlossen werden und tausende Windhunde ein neues Zuhause bekommen.

 

Ein kleiner Sieg für den Tierschutz

Das Ergebnis des Referendums um den Zusatzartikel 13 zum Verbot von Windhundrennen in Florida hätte klarer nicht ausfallen können. So stimmten 68,92 % für das Verbot und nur 31.08 % dagegen. Gezählt wurden dabei die Stimmen von insgesamt 7.691.840 Wahlberechtigten des Staates.

 

Für Hundeliebhaber und Tierschützer ist dies ein bedeutsamer Sieg, wenn auch die tatsächliche Umsetzung noch etwas über zwei Jahre auf sich warten lassen wird. Langfristig gesehen jedoch sind weitreichende Auswirkungen zu erwarten, denn mit 11 von insgesamt 17 Windhundrennstrecken ist der Staat an der Ostküste mit großen Abstand der Hauptaustragungsort der Rennen.

 

Windhundrennen

Wetten bei Windhundrennen sehr beliebt (Bild: pixabay)

Das Platzieren von Sportwetten bei Windhundrennen ist in Florida bereits seit 1931 legal und Buchmacher verdienen durch die offiziellen Rennen jährlich Millionen von Dollar. Letzte offizielle Zahlen belegen Einnahmen von umgerechnet mehr als 76 Mio Euro im Jahr 2016.

 

Zwar konnte seit 2006 ein stetiger Rückgang der Einnahmen verzeichnet werden, doch sind nach wie vor die finanziellen Interessen der Branche gigantisch. Mit Eintritt des Verbots ab 2021 wird also ein großer Einnahmezweig wegbrechen.

 

In 40 US-Bundesstaaten waren die Rennen jedoch bereits gesetzlich verboten. Florida war einer der letzten 10 Staaten, die bisher an dem Traditionssport festhielten. Von diesen 10 Staaten verfügten allerdings nur sechs über entsprechende Rennstrecken.

 

Das Amendment 13 [Seite auf Englisch] wurde nun in der Verfassung Floridas sowohl zu Artikel 10 als auch Artikel 12 hinzugefügt. Beide Artikel beinhalten sowohl Gesetze zum Glücksspiel als auch zu Umwelt, Tier- und Gesundheitsschutz.

In Florida gibt es seit 1977 die Florida Constitution Revision Commission (Kommission für Verfassungsänderungen), welche sich alle 20 Jahre trifft, um konkrete Gesetzesänderungen der staatlichen Verfassung zu besprechen. Florida ist dabei der einzige US-Bundesstaat, in dem vorgeschlagene Änderungen per Referendum an die Bevölkerung weitergeleitet werden. Ab einer mehrheitlichen Fürsprache von 60 % ist das Referendum gesetzlich bindend.

Der Wahlkampf um Amendment 13 war ein kostenaufwendiges Wettrennen für sich. Die größten Befürworter waren die Tierschutzorganisationen „Protect Dogs (Yes on 13)““ und das Komitee für den Schutz von Windhunden (Committee to Protect Greyhounds).

 

Gemeinsam gaben die Organisationen umgerechnet rund 2,07 Millionen Euro für ihre Kampagnen aus. Spenden wurden unter anderem von Stiftungen wie der Doris Day Animal League und der GREY2K USA entgegengenommen.

 

Größter Gegner des Amendments war das „Committee to Support Greyhounds“. Mit dem Slogan „Love Greyhounds? – Vote No on 13“ und dem Statement, dass Windhunde nur dafür geboren seien, um zu rennen, kämpfte die Gruppe gegen das Amendment.

 

Das Committee to Support Greyhounds ist dabei einer der größten Veranstalter der Rennen und finanziell von den Rennen und den damit zusammenhängenden Wetten abhängig.

 

Spenden wurden unter anderem von der Mardi Gras Greyhound Foundation und der Iowa Greyhound Association angenommen – beides Organisationen, die in die Veranstaltung der Rennen involviert sind.

 

Was passiert mit den Hunden?

Eine der wichtigsten Fragen zum Thema wurde sowohl von Befürwortern als auch Gegnern gestellt. Was soll mit den Tausenden von Hunden geschehen, die ab 2021 „arbeitslos“ sein werden?

 

Schätzungen zufolge werden in Florida derzeit zwischen 5.000 und 7.000 Windhunde für die Rennen eingesetzt. Bisher wurden Tiere, die zu alt für die Teilnahme an den Rennen geworden waren, landesweit weitervermittelt, um in Familien oder auf Farmen ihren Lebensabend zu verbringen. Einige der Tiere werden jedoch auch gezielt zur Nachzucht eingesetzt.

 

Adopt dog

Tausende von Hunden werden ein Zuhause brauchen (Bild: pixabay)

Die Tierschutzgegner argumentieren damit, dass also Tausende Hunde gleichzeitig ein neues Zuhause benötigen werden und die Hunde und die Zucht somit ihren Zweck verlieren würden.

 

Während die Denkweise, dass der „Zweck“ von Tieren grundsätzlich von menschlicher Nutzung abhängen würde in diesem Fall auf politischer Ebene keinen großen Zuspruch gefunden hat, so wurde dennoch die hohe Zahl der „arbeitslosen“ Hunde sowie die vielen Personen, deren Berufsleben in der Branche verankert ist, berücksichtigt.

 

Genau aus diesem Grund gibt man den Veranstaltern mehr als zwei Jahre Zeit, sich entsprechend anzupassen und sich frühzeitig um eine neue Unterbringung der Tiere zu kümmern. Einige Rennstreckenbetreiber haben jedoch angekündigt, zunächst in vollem Umfang weiterzumachen wie bisher.

 

Tierschützer sprechen von Leid, Tod und Doping

Aus Perspektive der Tierschützer ist keines der Gegenargumente Stichhaltig. Zwar käme eine große Zahl nötiger Adoptionen auf einmal auf den Staat zu, doch würde man durch ein Stoppen der Nachzucht diese Zahlen im Vorfeld absenken können. Des Weiteren sei damit zu rechnen, dass einige der teilnehmenden Tiere wie bisher nicht lebendig aus den Rennen gehen.

 

So seien laut der „Humane Society“, einer der größten US-Tierschutzorganisationen, seit 2013 insgesamt 493 Hunde auf den Rennstrecken gestorben. Von diesen seien 94 % erst drei Jahre alt oder jünger gewesen. Die Society bezeichnete Windhundrennen dabei als „eine Industrie, die auf dem Leid von Tieren gegründet worden ist“.

 

Kitty Block, die Vorsitzende der Humane Society, äußerte sich sehr erfreut über das Amendment:

Dank der Entscheidung von Millionen von Wählern in Florida werden Windhunden die Schmerzen und das Leid, welches Sie in der Rennindustrie erfahren, erspart bleiben. Wir danken von ganzem Herzen allen freiwilligen Helfern, den Kampagnenmitgliedern, den Koalitionspartnern und sonstigen Unterschützern, die zu diesem historischen Kampf zusammenkamen, um die Grausamkeit der Windhundrennen zu beenden.

Auch die Anwältin und Politikerin Pam Bondi kämpfte mit für die Durchsetzung des Amendments. Ihren Recherchen zufolge gäbe es zahlreiche Fälle, in welchen die Hunde verletzt oder missbraucht worden seien. Auch habe man bei 419 Windhunden illegale Drogen im Blut gefunden, darunter sogar Kokain.

 

Die Briten halten am Windhundrennen fest

Die USA sind nicht das einzige Land mit einer festverankerten Windhundrennen-Tradition. In Großbritannien reicht die Geschichte der offiziell organisierten Windhundrennen bis ins 18. Jahrhundert zurück.

 

Noch heute gibt es zahlreiche Events auf den verschiedenen Rennstrecken des Landes und da laut der britischen Glücksspielgesetzgebung das Wetten auf Windhundrennen legal ist, erzielen Buchmacher jedes Jahr gigantische Einnahmen durch den Sport.

 

Coventry Stadium

Rennbahn im Coventry Stadion (Bild: Geograph)

Aktuell gibt es 21 aktive registrierte Greyhound Racetracks im Land, 20 davon in England und eine in Schottland. In Wales und Nordirland gibt es hingegen keine. Die registrierten Strecken werden durch das „Greyhound Board of Great Britain“ (GBGB) reguliert.

 

Das GBGB selbst ist einer der größten Verfechter des Traditionssports und weist bisher jegliche Vorwürfe von Tierquälerei und Missbrauch von sich. In der Tat befindet sich auf der Website der Behörde ein ausführlicher Artikel mit dem Titel „Die Wahrheit über das Rennen“ (The Truth about Racing), in welchem der Sport verherrlicht wird und die „Mythen“ der Tierschützer widerlegt werden.

 

Seine Gelder erhält das GBGB durch die veranstalteten Rennen sowie in Teilen von diversen Buchmachern. Die GBGB gesteht im gleichen Zug zwar ein, dass es einige Fälle von Verletzungen und Missbrauch gäbe, dies aber nicht repräsentativ für die Branche sei. Tierschützern sind aber diese „Einzelfälle“ genug, um auch in Großbritannien gegen den Sport zu kämpfen.

 

Wetten auf Windhundrennen in Deutschland verboten

Auch in Deutschland werden Windhundrennen veranstaltet, jedoch in einem ganz anderen Maße als in Großbritannien oder den USA. Als reiner Hobbysport gibt es von Frühling bis Herbst Events, bei denen Privatpersonen ihre Hunde gegeneinander antreten lassen. Das beschränkt sich dabei nicht spezifisch auf Windhunde, wenn auch diese meist als Sieger hervorgehen.

 

In Deutschland gibt es den offiziellen Windhundzucht- und Rennverband, bei welchem rund 4.000 Hundebesitzer und rund 1.200 Hunde registriert sind. Über die gesamte Bundesrepublik verteilen sich dabei 25 Anlagen für die Hunderennen.

 

Während man in Großbritannien und anderen Ländern bei den Events offizielle Wetten platzieren darf, ist dies in Deutschland jedoch komplett illegal. Die Wettgesetze sowie die Tierschutzgesetze unseres Landes verbieten professionelle und kommerzialisierte Rennen und dementsprechend auch das Wetten.

 

Glücklicherweise stören sich weder die Züchter noch die Hundebesitzer daran. Somit bleiben Hunderennen in Deutschland ein vergleichsweise harmloser Hobbysport, was sicherlich für die Tiere am besten ist.