, 06.07.2018

Deutsche Fußball Fans

Nicht nur auf der Fanmeile ist die Stimmung nach dem WM-Aus trüb (Bild: Kölner Rundschau)

Die Liste der aus dem Fußball-WM-Turnier bereits vor dem Viertelfinale ausgeschiedenen Top-Favoriten reicht von Deutschland über Portugal und Spanien bis Argentinien. Das sorgt nicht nur bei Fans und Mannschaften für Katerstimmung, denn auch Buchmachern, Wett-Freunden und Fanparty-Veranstaltern beschert das frühe Aus eine schlechte Laune.

 

Buchmacher: hohe Umsätze, aber auch Verluste wegen Ausscheiden der Deutschen

Je länger die Weltmeisterschaft dauert, desto größer wird das Wettfieber bei den Fans von Sportwetten. So werden allein in Großbritannien im Verlauf der WM über 2,5 Milliarden Pfund, und damit mehr als jemals zuvor, verwettet.

 

Doch die Freude der Buchmacher über die hohen Umsätze ist nicht ungetrübt, denn das überraschende Ausscheiden der deutschen Nationalelf hat für zahlreiche Verluste gesorgt. Die 0:2-Niederlage gegen Südkorea führte demnach zu hohen Auszahlungen an Wettfreunde; insbesondere in Südkorea selbst, wo viele Wetten auf das heimische Team abgegeben wurden.

 

Spätes Tor von Toni Kroos ein Schock für Anbieter und Spieler

Das deutsche Team machte es den Sportwetten-Anbietern während des gesamten Turniers nicht leicht. Allein das späte Siegestor von Toni Kross gegen Schweden sorgte dafür, dass Großbritanniens Buchmacher einen Verlust von vier Millionen Pfund erlitten.

 

Hätte die Partie vorher geendet und wäre die von den Anbietern bereits voreilig kalkulierte Niederlage eingetroffen, wären anstatt des Verlustes Gewinne in Höhe von etwa zwei Millionen Pfund aufgelaufen.

 

Twitter-Nachricht

Ärger über die verlorene Wette auf Twitter (Bild: Twitter)

Zumindest ein Spieler dürfte sich ebenfalls sehr über das Tor geärgert haben. Der Engländer hatte eine Kombi-Wette platziert, in der er neben zwei Treffern von Belgiens Romelu Lukaku gegen Tunesien und einem 2:1-Sieg Mexikos gegen Südkorea auf ein Tor von Toni Kroos getippt hatte. Bis hierhin verlief die Wette für den Spieler ideal und hätte ihm für fünf Pfund Einsatz einen Gewinn von 5.250 Pfund beschert.

 

Der Haken an der Wette war jedoch, dass auf ein Tor gewettet wurde, das außerhalb des Strafraums erzielt wurde. Bei der zusammen mit Marco Reus ausgeführten Freistoßvariante rollte der Ball allerdings ein paar Zentimeter hinter die Strafraumlinie, von wo aus ihn Kroos unhaltbar ins Tor beförderte. Diese wenigen Zentimeter kosteten den Briten knapp 6.000 Euro.

 

Fanmeilen-Organisator beklagt Zuschauerschwund

Die frühe Heimreise des deutschen Teams führt auch bei Veranstaltern von Fanfesten und Fanmeilen für Verdruss. Die Organisatoren großer Events in Deutschlands Städten beklagen massive Verluste durch das ausbleibende Besucherinteresse. Das Fanfest auf dem Hamburger Heiligengeistfeld wurde sogar bereits abgebaut, und auch in Metropolen wie Köln oder München herrscht vielfach Leere beim großen Public Viewing.

 

Von der mangelnden Resonanz ist auch die Berliner Fanmeile betroffen. Dort, auf der Straße des 17. Juni, wo sich bei den ersten Spielen der Deutschen Hunderttausende von Fans trafen und mit dem Team mitfieberten, herrscht zurzeit oftmals gähnende Leere. Anstatt eines schwarz-rot-goldenen Farbenmeers finden sich auf der Meile nur noch vereinzelt Anhänger der im Turnier verbliebenen Mannschaften.

 

Wo beim Achtelfinale zwischen Deutschland und Schweden im Jahr 2006 ca. 750.000 Menschen die Straße bevölkerten, verloren sich vor wenigen Tagen beim Achtelfinale zwischen Brasilien und Mexiko lediglich knapp 1.000 Besucher.

 

Der mangelnde Zuspruch ist ein Desaster für Händler und Gastronomiebetriebe, für die das Fest zu einem erheblichen Minusgeschäft zu werden droht. Nicht ganz so schlimm trifft es die Betreiber der unzähligen Sportbars, Kneipen und Restaurants, die in ihren Betrieben TV-Übertragungen der Spiele anbieten. Sie dürften das Aus der Nationalelf jedoch ähnlich zerknirscht mitverfolgt haben.

 

Vereinzelte Misstöne auch bei den erfolgreichen Teams

Doch auch für die im Turnier verbliebenen Teams läuft längst nicht alles rund. In Brasilien sind die Ausfälle ihres Top-Spielers Neymar ein Dauerthema. Seine teils theatralischen Abflüge sorgen selbst bei eingefleischten Fans für Verwunderung oder Verärgerung.

 

Doch die Brasilianer nehmen es locker: In unzähligen, millionenfach geklickten Youtube-Videos machen sich die Menschen in nachgestellten Szenen über den Fußballprofi lustig und veralbern ihn und dabei auch sich selbst ein wenig.

 

Trotz des Einzugs in das am Samstag in Sotschi stattfindende Viertelfinale gegen den Gastgeber Russland herrscht ebenfalls nicht nur Freude im kroatischen Team. Dieses wurde von der FIFA mit einer saftigen Geldstrafe belegt. Stein des Anstoßes war die Getränkeausgabe an Spieler während des Achtelfinales gegen Dänemark.

 

Zwar ist es bei den teils schwül-heißen Temperaturen von der FIFA ausdrücklich genehmigt, dass die Spieler ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Doch angesichts der strengen Werberichtlinien ist es dem Fußballweltverband nicht egal, was da in die Flaschen kommt. Darauf drängen schon allein die zahlreichen Sponsoren, die mit Millionensummen ihre Produkte ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit stellen möchten.

 

Die Kroaten gaben ihren Spielern allerdings Getränke, die nicht von den offiziellen Fifa-Sponsoren stammten. Für die Verwendung “nicht autorisierter Produkte” wurde der kroatische Fußballverband nun von der Disziplinarkommission der FIFA mit einer saftigen Geldstrafe von 70.000 Franken (umgerechnet etwa 60.500 Euro) belegt.

 

Die Teilnahme an den weiteren Spielen der KO-Runde ist somit kein Garant für ungetrübte Stimmung. Und bereits am Freitagabend werden die Fans von zwei weiteren Nationen nach Beendigung der Viertelfinalpartien Grund zur Trauer haben, wenn ihre Teams aus dem Turnier ausgeschieden sind.