Dienstag, 29. November 2022

Österreich: Ungenügender Spielerschutz beim Online-Glücksspiel?

Roulette-Rad

Das Salzburger Institut für Glücksspiel und Abhängigkeit hat vom 28. Mai bis 29. Juni 2021 das Spielangebot der Casino-Plattform Win2Day der Österreichischen Lotterien GmbH (ÖLG) getestet. Auf einer Pressekonferenz in Wien legte der Institutsvorsitzende Roman Neßhold die Ergebnisse vor, berichtete die Kronen-Zeitung am Donnerstag.

Die Überprüfung sei erfolgt, nachdem sich negative Medienberichte und Beschwerden über mangelnden Spielerschutz gehäuft hätten. Im Fokus hätten daher insbesondere die implementierten Spielerschutzelemente gestanden. Die Testreihe habe hervorgebracht, dass mehrere Schutzvorrichtungen bei der Win2Day-Plattform verbesserungswürdig seien.

Neßhold sagte:

Wir wollen nicht schimpfen, wir wollen den Spielerschutz weiterentwickeln.

Schlechte Noten für den Spielerschutz

Win2Day bietet neben Lotterien und Sportwetten auch 72 Casinospiele an. Jeder Nutzer kann maximal 800 Euro wöchentlich einsetzen. Für den Spielerschutz soll die Software namens „Mentor“ sorgen. Das Programm soll erkennen können, wenn es zu abweichendem Spielverhalten kommen sollte.

Allerdings habe sich im Rahmen der Tests gezeigt, dass Mentor standardmäßig deaktiviert sei. Zudem sei es schwer gewesen herauszufinden, wie das Schutzprogramm aktiviert werden könne.

Auch das Einsatzlimit habe sich als wenig effizient erwiesen. So sei es kein Problem gewesen, mehrere Nutzer-Accounts unter Angabe derselben Adresse zu erstellen, um so dieses Limit zu umgehen.

Dies gelte auch für die obligatorische „Cool-Down“-Phase bei Erhöhung der Limits. Durch die Erstellung mehrerer Spielerkonten sei es möglich, die Abkühlphase zu umgehen und monatlich bis zu 7.000 Euro zu verspielen.

Dazu sagte Neßhold:

Das ist natürlich fatal, wenn man bedenkt, dass gerade Menschen, die Probleme mit dem Spielen haben, nach solchen Möglichkeiten suchen, die Limits auszureizen, mehr und länger zu spielen.

Auch seien die zulässigen Höchsteinsätze viel zu hoch angesetzt. Bei einem Versuch hätten die Casino-Tester bei einem Einsatz von 25 Euro pro Spielrunde in nur drei Minuten 500 Euro verspielt.

Empfehlungen des Instituts für Glücksspiel und Abhängigkeit

Neßhold empfiehlt eine Verringerung der zulässigen Höchsteinsätze oder die Verlängerung der Spieldauer. So sei eine Spielrunde, die drei Sekunden dauere, weniger suchtgefährdend als ein Spiel, das nur eine Sekunde dauere.

Weiterhin seien die standardmäßige Aktivierung von Mentor und die Unterbindung der Nutzung mehrerer Konten notwendig, um die Spieler besser schützen zu können. Problematisch sei auch die Verrechnung von Glücksspiel und Sportwetten über dasselbe Spielerkonto, da die Gesetzgebung unterschiedlich sei.

Zudem empfiehlt Neßhold eine Staffelung der maximal möglichen Einsatzhöhe je nach Vermögenssituation und Einkommen der Spieler:

Das pauschale Einzahlungslimit von 800 Euro pro Woche erscheint uns angesichts des Durchschnittseinkommens eines Arbeitnehmers von 2100 Euro im Monat nicht nachvollziehbar.“

Insgesamt sei eine Reform der Glücksspielgesetzgebung mit strengeren Regeln notwendig, um besseren Spielerschutz zu gewährleisten, urteilte Neßhold abschließend.

Casinos Austria räumt Fehler zum Teil ein  

Patrick Minar, Pressesprecher der Casinos Austria, habe indes der APA gegenüber bestätigt, dass Mentor standardmäßig deaktiviert sei. Im Rahmen eines Updates im September soll dieses Problem behoben werden.

Dass die Nutzung von mehreren Spielerkonten im Rahmen der Testspiele möglich gewesen sei, liege an einem bedauerlichen Fehler im Kundencenter. Das Computersystem könne doppelte Konten problemlos erkennen.

Die Kritik an der gemeinsamen Nutzung eines Spielerkontos für Glücksspiel und Sportwetten hingegen sei für Minar nicht nachvollziehbar. Auf diese Weise gelte das Einsatzlimit schließlich auch für Sportwetten, während es für ausländische Anbieter keine Limits gebe.