, June 11, 2019

Am vergangenen Wochenende starben auf der kalifornischen Rennstrecke Santa Anita in Arcadia erneut zwei Vollblutpferde. Nachdem die Rennstrecke im März bereits wegen zahlreicher Todesfälle temporär geschlossen werden musste, fordert das California Horse Racing Board (CHRB) nun eine erneute sofortige Unterbrechung der Saison.

 

Euthanasie und Herzinfarkt

Pferderennen haben im US-Bundesstaat Kalifornien seit Jahrhunderten Tradition und die dazugehörigen Pferdewetten bilden im sonst eher glücksspielfeindlichen Staat seit jeher eine Ausnahme. Santa Anita ist dabei eine der berühmtesten Rennstrecken und wird bereits seit 1934 betrieben.

 

Pferd fällt verletzt

Pferde werden nach Frakturen oft euthanasiert (Bild: Wikipedia)

Doch der sonst gute Ruf der Pferderennbahn musste im Verlauf des letzten halben Jahres enorm leiden, denn Negativschlagzeilen über verunglückte Pferde dominierten die Medienberichte rund um den kalifornischen Pferdesport.

 

Und an diesem Wochenende kam es erneut zu zwei Todesfällen im Rahmen der am Wochenende abgehaltenen Rennen. Der erste Unglücksfall betraf ein vier Jahre altes Rennpferd namens Formal Dude, welches bei einem 1-Meile-Rennen am Samstag „falsch aufgekommen“ sei.

 

Bei den folgenden Untersuchungen haben die Veterinäre herausgestellt, dass sich das Pferd bei seinem Sturz das Becken gebrochen habe. Daraufhin sei der Wallach eingeschläfert worden.

 

Ebenfalls am Samstag starb ein zweites Rennpferd, welches den Namen Truffalino trug. Das drei Jahre alte Stutenfohlen brach zusammen, nachdem der Jockey nach dem Rennen von ihm abstieg. Die Veterinäre vermuten, dass das Fohlen einen Herzinfarkt erlitten hatte.

 

California Horse Racing Board fordert Unterbrechung

Für das California Horse Racing Board, welches sich bereits seit 1933 für die Integrität des Pferdesportes in Kalifornien einsetzt, scheinen die jüngsten Unglücke des Wochenendes das i-Tüpfelchen zu sein.

 

Santa Anita Rennstrecke Unwetter

Hat schlechtes Wetter für die vorherigen Unglücke gesorgt? (Bild: Flickr)

Nachdem seit der Wiedereröffnung der Rennstrecke im März bereits weitere sieben Zuchtpferde gestorben waren, fordert die Vereinigung angesichts des achten und neunten Unglücks eine sofortige Unterbrechung der Rennsaison.

 

Die CHRB drängt, dass für mindestens die nächsten sieben Tage eine Pause eingelegt werden solle, damit die Sicherheitsmaßnahmen zur Gesundheit der Pferde erneut analysiert und verbessert werden können. Mäßiges Training dürfe während der Unterbrechung weiterlaufen.

 

Als die Rennstrecke im März für gleich mehrere Wochen schließen musste, wurden in erster Linie die Oberflächen der Strecken untersucht. Es wurde dabei von mehreren Seiten vermutet, dass die ungewöhnlich starken Regenfälle in jener Periode für unsichere Bodenverhältnisse gesorgt hätten.

 

Angesichts der jüngsten Fatalitäten jedoch zeigen Tierärzte vermehrt mit dem Finger auf die gängigen Trainingsmethoden der Pferde. Dr. Rick Arthur, der ärztliche Direktor der veterinärmedizinischen Hochschule Kaliforniens, sagte gegenüber National Public Radio:

Die Rennen sind mit der Zeit immer kompetitiver geworden. Die Pferde werden stärker angetrieben und es gibt weniger passende Pferde, die für die geplanten Rennen zur Verfügung stehen. Die Pferde stehen also unter größerem Druck und müssen häufiger rennen.

Die Veterinäre der Tierschutzorganisation PETA betonen darüber hinaus, dass der Körperbau der Pferde selbst ein unvermeidliches Risiko darstelle. Die massiven Körper würden nur von dünnen Beinen getragen, welche der wiederholten extremen Belastung durch Training und Rennen schlicht nicht standhalten könnten.

So komme es oft zu kleinen Haarrissen und zunächst unsichtbaren Verletzungen, die später dann bei einem ungünstigen Sprung in einem vollständigen Knochenbruch resultieren können.

 

Saison soll dennoch weitergehen

Doch trotz der Warnung des CHRB und dem verstärkten Aufschrei von Tierschutzorganisationen verkündeten die Rennstreckenbetreiber, die Saison planmäßig bis zum 23. Juni zu Ende zu führen.

 

Die Betreiber betonen, dass seit den Unfällen im März zahlreiche Verbesserungen im Bereich Sicherheit erzielt worden seien. Zunächst seien vor allem die verschiedenen Oberflächen der Rennstrecke genauestens analysiert und daraufhin aufgebessert worden.

 

Auch habe man die Grenzen für die Vergabe von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern heruntergesetzt, um die Probleme der Pferde früher sehen zu können. So habe man seit März die Anzahl der Verletzungen mit Todesfolge während der Rennen um 50 % und während des Trainings um 84 % senken können.

 

In einem Statement der Rennstreckenbetreiber liest sich:

Seit wir umfangreiche Neuerungen in Santa Anita eingeführt haben, haben sich die tödlichen Verletzungen deutlich verringert im Vergleich zum Saisonbeginn. Um das klarzustellen, es gibt für uns keine akzeptable Anzahl von Todesfällen und wir arbeiten jeden Tag daran, keine gravierenden Verletzungen mehr zu sehen.

Nicht nur für die Pferde, sondern auch für den Fortbestand von Santa Anita selbst ist dieses Ziel von allergrößtem Interesse.

 

So ziehen nämlich die Veranstalter des berühmten Breeder Cups [Bericht auf Englisch] derzeit in Erwägung, das Event auf die Rennstrecke Churchill Downs in Kentucky zu verlegen, statt wie geplant auf der Rennstrecke in Santa Anita abzuhalten. Klar ist also, dass es vieler weiterer Verbesserungen und Sicherheitsmaßnahmen bedarf.