, 21.11.2019

Das britische Online-Glücksspiel-Unternehmen 32Red hat 590.000 GBP (ca. 689.000 Euro) an den ehemaligen Arbeitgeber einer Betrügerin erstattet.

 

Eine 44-Jährige aus dem nordirischen Derry hatte im Oktober 2019 vor einem Gericht in Derry eingeräumt, das Geld von ihrem Arbeitgeber gestohlen und damit auf der Internetseite des Online Casino-Anbieters gespielt zu haben.

 

Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft bezeichnete die Erstattung der Gelder am Dienstag als „besondere Zuwendung“.

 

Wie kam es zu dem Betrugsskandal?

 

In dem Betrugsverfahren gegen die ehemalige Angestellte des nordirischen Technologie-Zulieferers S3 Alliance geht es nicht nur um gestohlene Geldsummen, sondern um Vertrauensbruch.

 

Vor Gericht hatte die Frau letzten Monat gestanden, Zugang zu mehreren Kreditkarten ihres Arbeitgebers gehabt zu haben. Die American Express und Bank of Ireland Karten habe sie ab Januar 2016 verwendet, um damit Einzahlungen bei Online Casinos vorzunehmen.

Großbritannien streitet über Geldkarten und Glücksspiel

In Großbritannien ist die Nutzung von Kreditkarten und Debitkarten zur Einzahlung bei Online Casinos bereits seit Monaten ein anhaltendes Streitthema.

 

Glücksspiel-Regulatoren und Suchtpräventionsexperten fordern, die Verwendung von Kreditkarten einzuschränken. Sie befürchten, dass Verbraucher bei der Nutzung von Geldkarten schnell den Überblick über die Höhe der erlittenen Spielverluste verlieren könnten. Zudem können sich durch die Verwendung von Kreditkarten hohe Schulden anhäufen.

 

Erste Finanzinstitute sind den Argumenten der Spielschutzbefürworter bereits gefolgt. So haben die HSBC Bank und die Halifax Bank erst vor wenigen Tagen angekündigt, eine Sperrfunktion für Glücksspiel-Transaktionen zur Verfügung stellen zu wollen. Diese soll Bankkunden mit problematischem Spielverhalten die Möglichkeit bieten, Überweisungen an Online Casinos und Online Buchmacher zu unterbinden.

Bei einem einmaligen Ausrutscher blieb es dabei nicht. Wie im Rahmen des Schuldgeständnisses bekannt wurde, hatte die reuige Angeklagte bis zum April 2017 insgesamt 590.000 GBP von den Firmenkonten gestohlen.

 

Der gesamte Betrag sei dabei an 32Red, ein Online Casino des Glücksspielkonzerns Kindred Group geflossen.

 

Angeklagte verliert alles

 

Um das genaue Ausmaß des finanziellen Schadens beziffern zu können, hatte die Verteidigung mehrere Buchhalter engagiert, die überprüfen sollten, wohin genau das gestohlene Geld überwiesen wurde. Darüber hinaus sollten die Experten feststellen, ob tatsächlich alle eingezahlten Gelder verloren gingen. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus.

 

Gegenüber dem zuständigen Richter in Derry, Philip Babington, äußerten die Verteidiger der Frau:

„Sie hat alles Geld durch Betrug an sich genommen und es komplett bei der Glücksspielseite verloren.”

Weitere Informationen über den Fall seien der britischen Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission zugegangen, die die Ergebnisse der Untersuchung bestätigten sollen. Die Angeklagte, die sich in sechs Anklagepunkten schuldig erklärte, ist unterdessen auf Kaution frei. Sie muss am 20. Dezember 2019 zu einer weiteren Anhörung vor Gericht erscheinen.

 

Ist die Zahlung wirklich eine „besondere Zuwendung“?

 

Obgleich sich das geschädigte Unternehmen über die Rückzahlung der verspielten Firmengelder freuen dürfte, ist fraglich, ob die Erstattung tatsächlich aus Kulanz erfolgte.

 

Die Oberseite einer Kreditkarte

Kreditkartenzahlungen bei Online Casinos beschäftigen derzeit die britische Politik. (Quelle: Pixabay)

Bisher scheint nicht geklärt, wie die Frau unbemerkt über Monate hinweg Hunderttausende von Euro bei 32Red verspielen konnte.

 

Britische Glücksspielanbieter sind durch die Lizenzbedingungen zur Intervention verpflichtet, wenn sie glauben, dass ein Spieler ein pathologisches Spielverhalten aufweist. Hierzu gehört auch das Spielen mit außerordentlich hohen Beträgen.

 

Auch im aktuellen Betrugsfall könnten womöglich fehlende Überprüfungen eine Rolle gespielt haben. Nach den aktuellen Standards der britischen Anti-Geldwäsche- und Anti-Terrorfinanzierungsgesetze müssen die Unternehmen bei auffälligen Transaktionen genau kontrollieren, woher die Geldmittel eines Kunden stammen.

 

Bereits im Juni 2018 erließ die UK Gambling Commission gegen die Marke 32Red wegen Vernachlässigung des Spielerschutzes einen Bußgeldbescheid in Höhe von 2 Millionen GBP (ca. 2,30 Millionen Euro). Ein Kunde hatte mehr als 758.000 GBP (ca. 884.000 Euro) auf die Glücksspielseite eingezahlt, ohne dass eine Überprüfung der finanziellen Verhältnisse des Mannes stattgefunden hatte.

 

Eine Kontrolle der UK Gambling Commission (Link auf Englisch) könnte nun zeigen, ob 32Red wirklich alles Notwendige getan hat, um die Frau an ihrer Straftat zu hindern.

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