, 11.04.2020

Ein Londoner Gericht verurteilte in dieser Woche einen Betrüger zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Gemeinsam mit einem Komplizen hatte Herito Marquez Fremde auf der Straße davon überzeugt, das Gewinnerlos eines Millionenjackpots erhalten zu können, wenn sie dafür in Vorleistung träten.

 

„Er wirkte ehrlich“

 

Herito Marquez (42) erklärte sich in dieser Woche vor dem Isleworth Crown Court des Betrugs in 11 Fällen für schuldig. Der Mann aus den englischen Midlands hatte zwischen August 2016 und Mai 2018 knapp ein Dutzend Personen um ihre Ersparnisse gebracht, indem er sich ihre Hilfsbereitschaft und die Hoffnung auf schnellen Reichtum zunutze gemacht hatte. Der Schaden soll sich auf umgerechnet rund 376.000 Euro belaufen.

 

Vor Gericht erklärte einer der ermittelnden Beamten:

Marquez wusste genau, was er tat. Er hatte keine Skrupel, den Opfern große Geldsummen und Schmuckstücke abzunehmen. Er wirkte und klang ehrlich.

Die Masche war perfide: Auf der Straße sprach Marquez` Mittäter, ein alter, ärmlich gekleideter Mann, das potenzielle Opfer an. Scheinbar nicht der englischen Sprache mächtig, vermittelte er wild gestikulierend große Verzweiflung.

 

Die Adressaten, meist ältere Menschen mit Migrationshintergrund, versuchten ergebnislos zu verstehen, was das Problem des sich mutmaßlich in Not befindlichen Fremden sein könnte.

 

Tausch: Ersparnisse gegen Jackpot

 

Nachdem sich die Sorge verfestigt hatte, betrat Marquez die Szenerie. Als unbeteiligter Passant, der zufällig die Sprache des aufgebrachten Alten sprach, „übersetzte“ er die Problematik:

 

Der Mann habe einen Millionenjackpot geknackt, könne den Gewinn aufgrund seines Aufenthaltsstatus jedoch nicht reklamieren. Sowieso sei er krank und wolle nur in sein Heimatland zurück. Deshalb sei er bereit sein Los, das unterdessen von Marquez verifiziert worden war, weit unter Wert abzugeben.

Seit Ende 2017 fahndete die britische Polizei öffentlich (Seite auf Englisch) nach den Betrügern und warnte eindringlich davor, Fremden Geld auszuhändigen. 2018 konnte Herito Marquez festgenommen werden.

Zögerte das Opfer, erklärte Marquez, die Chance nutzen zu wollen, was die Idee einer einmaligen Gelegenheit verfestigte. Mindestens 11 Personen waren nach der Räuberpistole bereit, dem Alten aus seiner Not zu helfen und so selbst in den Besitz der angeblichen Millionen zu gelangen.

 

Ein Opfer beschrieb nachher, dass der aufgebaute Druck so hoch gewesen und alles so schnell gegangen sei, dass es in der Situation nicht klar habe denken können. Nachdem sie gegen die Abgabe des wertlosen Loses Geld und Wertsachen erhalten hatten, waren die Betrüger stets so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht waren.

 

Das Gericht verurteilte Herito Marquez zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren. Sein Komplize konnte bis heute nicht identifiziert werden.

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