, 11.10.2020

Im Februar 2019 verschwand der Isländer Jon Jonsson, nachdem er nach Irland gereist war, um am alljährlichen Dublin Poker Festival teilzunehmen. Nun soll es neue Hinweise in dem Fall geben. Irische Medien berichten von einem Informanten, demzufolge Jonsson „versehentlich“ getötet worden sei, weil er sich bei einer illegalen Pokerrunde verzockt habe. Die Familie des Vermissten widerspricht der Berichterstattung.

 

„Komplett erfunden“?

 

Das letzte Lebenszeichen von Jon Jonsson stammt vom Samstag, dem 9. Februar 2019. Überwachungsaufnahmen zeigen, wie der passionierte Pokerspieler gegen 11 Uhr vormittags sein Hotel im nördlichen Dublin verlässt. Seither suchen Behörden und Angehörige nach Hinweisen zum Verbleib des vierfachen Vaters.

 

Nun meldet sich die Familie des Vermissten erneut zu Wort. Auf einer für die Suche nach Jon Jonsson eingerichteten Seite [Seite auf Englisch] widersprechen die Angehörigen vehement Medienberichten, nach denen der Isländer in Folge angeblicher Verbindungen ins kriminelle Milieu zu Tode gekommen sei:

Unsere Kontakte bei der irischen und der isländischen Polizei haben Familienmitgliedern gegenüber bestätigt, dass sie weder die im Artikel beschriebenen Informationen erhalten, noch solche an den Reporter weitergegeben haben (…) Die Geschichte basiert also bestenfalls auf Informationen aus unzuverlässiger Quelle oder ist im schlimmsten Fall komplett erfunden.

Informationen aus dem Knast

 

Unter anderem hatten der irische Independent und der Dublin Herald berichtet, dass sich ein derzeit in Island inhaftierter Mann im Fall Jonsson an die Behörden gewandt habe. Er wisse, so der Informant, dass der Vermisste seine Teilnahme an einem illegalen Pokerspiel in Dublin mit dem Leben bezahlt habe.

Jon Jonsson hatte am 8. Februar 2019 ins Bonnington Hotel Conference Centre eingecheckt. Dort wollte er an einem Turnier im Rahmen des vom 7. bis 17. Februar stattfindenden Dublin Poker Festivals teilnehmen. Am Morgen des 9. Februar soll der 41-Jährige das Hotel nach einem Streit mit seiner Verlobten überstürzt und ohne Papiere, Handy und Gelbeutel verlassen haben.

Bei der Pokerrunde in der Nacht vor seinem Verschwinden habe Jonsson über 4.000 Euro verloren, die ihm nicht gehört hätten. Angeblich habe er das Geld für einen isländischen Kriminellen verwahrt. Die Summe sei als Antrittsgeld für mehrere Spieler beim Dublin Poker Festival gedacht gewesen.

 

Der Informant habe erklärt, dass sich der zuvor nie strafrechtlich in Erscheinung getretene Jonsson am nächsten Tag mit dem wütenden Besitzer des Geldes getroffen habe. Dabei sei es zur „versehentlichen“ Tötung des 41-Jährigen gekommen. Um wen es sich bei dem angeblichen Täter handeln soll, ist nicht klar.

 

Die Behörden haben sich bislang nicht öffentlich zur Sache geäußert. Es soll jedoch weiterhin aktiv im Fall Jonsson ermittelt werden.