, 15.12.2020

Der US-Supreme Court hat gestern ein zuvor aufgehobenes Todesurteil erneut in Kraft gesetzt. George Russell Kayer (66) war 1997 zur Höchststrafe verurteilt worden, weil er seinen Bekannten Delbert L. Haas nach einem Casinobesuch erschossen hatte. Hintergrund für die Tat sollen Schulden gewesen sein, die der spielsüchtige Mann bei seinem Opfer gemacht hatte.

 

Bipolar und suchtkrank

 

Mit dem gestrigen Urteil hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Entscheidung eines Berufungsgerichts aus dem vergangenen Jahr auf. Dieses hatte festgestellt, dass George Kayer im Prozess von 1997 nicht angemessen juristisch vertreten worden sei. Dies habe zur Folge gehabt, dass entlastende Details zur psychischen Verfassung des Mannes nicht ausreichend gewürdigt worden seien.

 

So sei in das Todesurteil weder eingeflossen, dass Kayer unter einer bipolaren Störung leide noch dass er im Zeitraum der Tat unter massiven Suchtproblemen gelitten habe. Die Erkrankungen bestritt auch der Supreme Court nicht, stellte in seiner Urteilsbegründung [Seite auf Englisch] jedoch fest:

Vernünftige Juristen könnten jedoch darüber diskutieren, inwieweit diese Faktoren seine Fähigkeit, die Unrechtmäßigkeit seines Verhaltens einzuschätzen oder sich zum Zeitpunkt des Mordes gesetzeskonform zu verhalten, erheblich beeinträchtigten.

Mord nach Casinobesuch

 

Der Mord hatte sich 1994 ereignet, als sich Kayer mit seiner damaligen Freundin Lisa K. und dem späteren Opfer Delbert Haas auf einem Glücksspiel-Trip in Nevada befunden hatte. Um im südlich von Las Vegas gelegenen Laughlin spielen zu können, hatte sich der damals 30-Jährige Geld von Haas geliehen.

Laughlin verfügt nach Las Vegas und Reno über die drittgrößte Casino-Dichte Nevadas. Benannt ist die 7.500 Einwohner-Stadt nach dem Glücksspiel-Mogul Don Laughlin (89), der hier 1966 das Riverside Resort gründete.

Nachdem er die nicht näher bezifferte Summe binnen kurzer Zeit verloren hatte, so Lisa K. später der Polizei gegenüber, habe ihr Freund ihr erklärt, Delbert nun „wohl umbringen zu müssen“.

 

Als das Opfer den Wagen bei der Rückfahrt kurz verlassen habe, sei Kayer ihm gefolgt und habe ihn mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet. Daraufhin habe er dem Toten Portemonnaie und Schlüssel abgenommen und später Geld, Wertgegenstände und Waffen aus dessen Haus gestohlen.

 

Lisa K. hatte sich zehn Tage nach der Tat an die Polizei gewandt und Kayer angezeigt. Dem Schritt soll ein Streit vorausgegangen sein, weil Kayer das komplette Diebesgut beim Glücksspiel verloren hatte.

 

Nach wenigen Monaten als „Lebenslänglicher“ [Seite auf Englisch] im Arizona State Prison geht es für George Kayer nun zurück in die Einzelhaft im Todestrakt, in der er bereits über 20 Jahre verbracht hat. Wann das Urteil vollstreckt werden könnte, ist nicht bekannt.