, 11.10.2020

Schon seit Jahren haben Spieler in Australien die Möglichkeit, sich für Pokies zu sperren. In der Realität scheint der Selbstausschluss jedoch kaum Wirkung zu zeigen, denn Automaten-Betreiber lassen die Betroffenen vielfach weiter an den Geräten zocken. Dies förderte eine am Freitag veröffentlichte Recherche der Online-Newsseite ABC Australia [Seite auf Englisch] zutage.

 

ABC zufolge müssten die Betreiber keine Konsequenzen fürchten, wenn sie sich über den Selbstausschluss hinwegsetzten, der die Spieler vor ihrem problematischen Glücksspielverhalten schützen soll. So sei es bisher erst einmal vorgekommen, dass ein Geschäft wegen eines Verstoßes zur Rechenschaft gezogen wurde.

Im Dezember 2012 war eine Mitarbeiterin des Freemasons Hotels in der nördlich von Brisbane gelegenen Kleinstadt Gympie zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 440 AUD (umgerechnet knapp 270 Euro) verurteilt worden. Sie habe einen Gast nicht am Pokie-Spiel gehindert, obwohl er sich zuvor selbst gesperrt hatte.

Bis auf diese eine Verurteilung habe es in ganz Australien keine weiteren Sanktionen der Glücksspielaufsicht gegen Pokie-Betreiber gegeben, so ABC. Nicht in der Statistik berücksichtigt sei New South Wales. Das liege daran, dass der Bundesstaat noch immer keine Strafe für Vergehen gegen die Selbstausschluss-Bestimmungen ins Gesetzbuch übernommen habe.

 

Kritik: Niedrige Geldstrafen nicht ausreichend

Ob ein Gesetz helfen könnte, die Zahl der Verstöße zu reduzieren, dürfte nach Meinung von Spielerschützern fraglich sein. Sie monieren, dass eine niedrige Geldstrafe nicht ausreiche, um die Betreiber der Automaten davon abzuhalten, gesperrte Kunden weiter an die Pokies zu lassen.

 

So erklärte Tim Costello von der Organisation Alliance for Gambling Reform:

Wir hören immer wieder von Menschen, dass das Selbstausschluss-System absolut unwirksam ist, und dies beweist es. Eine Geldstrafe von 440 Dollar in 15 Jahren in sieben Bundesstaaten und Territorien sagt alles. Die gesamte Branche sollte sich dafür schämen.

Untermauert werden die Vorwürfe von Universitätsforschern. So deckte eine Studie der Central Queensland University im Frühjahr auf, dass der Selbstausschluss mangelhaft kontrolliert werde. Zu den Schwachpunkten zählten demnach veraltete Register und Probleme bei der Identifikation gesperrter Spieler durch das Personal.

 

Auch dies führe laut ABC dazu, dass ein Großteil der von den Reportern interviewten Problemspieler trotz Sperre weiterhin an den Pokies zocke.