, 05.10.2020

In einigen Teilen Australiens boomt das landbasierte Glücksspiel derzeit mehr denn je. Besonders gefragt bei australischen Glücksspielern sind dabei die Spielautomaten („Pokies“), die in Spielhallen, Restaurants und Pubs betrieben werden.

 

Wie der australische Nachrichtensender ABC News am Sonntag berichtet hat [Seite auf Englisch], seien die Zahlen im Bundesstaat Queensland besonders besorgniserregend.

Laut den jüngsten Zahlen der zuständigen Glücksspielbehörde hätten die Bürger des Staates im Juli insgesamt 293 Mio. AUD (umgerechnet 179 Mio. Euro) für das Automatenspiel ausgegeben. In ähnlicher Höhe hätten auch die Zahlen für August und September gelegen.

 

Im Vergleich zu den Monaten vor dem Lockdown sei dies ein dramatischer Anstieg (+80 %). So hätten die Ausgaben im Februar noch bei 162 Mio. AUD (umgerechnet 98,43 Mio. Euro) gelegen.

Aus der Staatskasse direkt ins Spielgerät

Laut Matthew Rockloff, Leiter der Glücksspiel-Forschungsstelle der Central Queensland University, trage die Regierung Mitschuld an dem Spielautomaten-Boom.

 

Bereits am 10. Juli seien rund 45.000 Spielautomaten im Bundesstaat wieder in Betrieb gewesen. Viele Menschen seien zu jener Zeit aufgrund von Zwangsurlaub oder Jobverlust noch immer auf die staatlichen Finanzhilfen angewiesen gewesen.

 

Angesichts des starken Anstiegs der Glücksspielausgaben liege es auf der Hand, dass viele Menschen ihre Sozialhilfen bzw. die Gelder aus dem temporären Rettungspaket für das Glücksspiel gebraucht hätten.

 

Der Ansicht sei auch Derek Tuffield, der Geschäftsführer der Glücksspielhilfe Lifeline. Er kommentiert:

Wenn Menschen unter Stress stehen und sie dann dank Fördergeldern, die eigentlich als Ansporn zur Arbeitssuche dienen, zu zusätzlichen Geldern kommen, neigen sie dazu, in Spielstätten zu gehen und zur Entspannung zu spielen. Sie hoffen auch, dass sie den einen großen Gewinn erzielen, der sie von all ihren finanziellen Sorgen befreit.

Der Regierung sollte dieses Phänomen längst bekannt sein, so Tuffield. Schließlich sei dasselbe auch nach vergangenen Naturkatastrophen und anderen Krisen beobachtet worden.

 

New South Wales verbannt Bargeld am Automaten

Südlich von Queensland, im Bundesstaat New South Wales, werden die politischen Maßnahmen gegen das Glücksspiel hingegen harscher. Wie die Zeitung The Sydney Morning Herald am Wochenende berichtet hat, wolle die Regierung des Staates nun ein Bargeld-Verbot an Spielautomaten einführen.

 

Um künftig an den Geldspielgeräten zu spielen, müssten Spieler eine personenbezogene Glücksspiel-Prepaid-Karte beantragen und diese dann jeweils mit Guthaben aufladen.

 

Die Karte solle mit dem nationalen Selbstausschluss-Register vernetzt werden, sodass gesperrte Spieler keinen Zugang zum Glücksspiel erhielten. Die Regierung müsse jedoch noch endgültig über den Vorschlag abstimmen.