Sonntag, 22. Mai 2022

Rückblick: COVID-19 und die Auswirkungen auf die Glücksspiel­industrie

Roulette Coronavirus COVID-19 hat die Glücksspiel-Branche in Deutschland schwer erschüttert. (Bild: pixabay.com, uihere.com, casinoonline.de)

Die COVID-19-Pandemie hat die Weltmärkte stark beeinflusst. Auch die Glücksspiel-Branche war von den Auswirkungen der Restriktionen nicht ausgenommen. Die im März 2020 eingeführten Lockdown-Maßnahmen führten zu einer erheblichen Reduzierung des Angebots an terrestrischem Glücksspiel.

Spielhallen und Casinos mussten ebenso schließen wie Wettbüros und Buchmacher auf den Pferderennbahnen. Die Bevölkerung in Deutschland und in vielen weiteren Staaten verlagerten ihre Aktivitäten vornehmlich auf die eigenen vier Wände, da auch Geschäfte, Freizeiteinrichtungen und Sportstätten geschlossen waren.

Viele Arbeitnehmer mussten ins Home-Office geschickt werden. Das führte dazu, dass die Menschen erheblich mehr Zeit im Internet verbrachten. Suchtexperten und Vertreter der Politik befürchteten, dass der Lockdown zu einem erheblichen Anstieg der Beteiligung am Online-Glücksspiel führen werde und dass insbesondere vulnerable Gruppen vermehrt von pathologischem Spielverhalten betroffen sein könnten.

Terrestrischer Markt ist viel größer als das Online-Geschäft

Laut Statista war im Jahre 2020 der Online-Glücksspielmarkt gemessen an den Bruttospielerträgen noch deutlich kleiner als das terrestrische Glücksspiel-Business. Während im Jahre 2016 die Bruttospielerträge der landbasierten Spielstätten weltweit einen Umsatz von 324 Mrd. Euro auswiesen, lagen die Einnahmen der Online-Glücksspiel-Anbieter nur bei 40 Mrd. Euro, allerdings mit steigender Tendenz. 2020 wurden online bereits 55 Mrd. Euro generiert.

Corona-Krise sorgt für Verluste in der deutschen Glücksspiel-Branche

Die terrestrische Glücksspiel-Branche in Deutschland hat im Jahre 2019 vor der Corona-Pandemie insgesamt über 46 Mrd. Euro erwirtschaftet. Doch am 27. Januar 2020 wurde der erste Corona-Fall in Deutschland offiziell bekannt. Am 16. März 2020 beschloss die Regierung unter Angela Merkel den ersten Lockdown, der am 22. März 2020 in Kraft trat.

Alle nicht systemrelevanten Branchen musste ihren Betrieb einstellen. Sportstätten, Schulen, Kitas, Kinos, Theater, Gaststätten sowie die gesamte terrestrische Glücksspiel- und Sportwetten-Branche wurden geschlossen.

Erst am 4. Mai öffneten die Schulen wieder. Auch Friseursalons konnten ihren Betrieb wieder aufnehmen. Es folgte die Gastronomie am 11. Mai. Allerdings galt dies in weiten Teilen Deutschlands nicht für den Glücksspielsektor.

Die Entscheidung, ob Spielhallen und Wettbüros wieder öffnen dürften, oblag den Ländern. Einzig im Saarland konnten Spielhallenbetreiber am 4. Mai wieder öffnen. In anderen Bundesländern mussten sich die Unternehmen bis Anfang Juni gedulden.

Der Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft, Georg Stecker, erklärte in einer Pressemitteilung vom 6. Mai 2020:

Das heutige Treffen der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder hat die Türen weit aufgemacht für eine bundesweite Wiedereröffnung der rund 9.000 staatlich konzessionierten Spielhallen in Deutschland. Die Länder müssen ihre Entscheidungskompetenzen nun konsequent nutzen – zum Schutz der Unternehmen der Automatenwirtschaft und zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Stecker mahnte, dass die Spielgäste in ausländische Online-Casinos oder in illegale Glücksspielveranstaltungen abwandern könnten. Für die Kanalisierung sei es entscheidend, dass das regulierte Glücksspiel wieder verfügbar sei, so Stecker. Die Menschen müssten dort spielen können, wo sie geschützt seien.

Neben dem Spielerschutz merkte Stecker auch die wirtschaftlichen Probleme der Branche an. Von den rund 70.000 Angestellten habe sich ein Großteil in Kurzarbeit befunden. Zudem trage die Branche mit rund 2,5 Mrd. Euro zur Finanzierung der Haushalte bei. Insbesondere die Kommunen hätten unter den ausbleibenden Steuern zu leiden, so Stecker.

„Lockdown light“ trifft deutsche Glücksspiel-Branche hart

Nachdem sich die Branche nach der Wiedereröffnung Anfang Juni 2020 in den Sommermonaten etwas hatte erholen können, kam es im November zu einem erneuten Rückschlag.

Aufgrund der erneuten Ausbreitung von COVID-19 in Deutschland entschied die Regierung sich für einen temporären „Lockdown light“, der auch als „Wellenbrecher-Shutdown“ bezeichnet wurde. Man hoffte, so weitreichende Beschränkungen zur Weihnachtszeit vermeiden zu können.

Erneut kam es zu Schließungen, die wieder die Glücksspiel-Branche betrafen. Als die beschlossenen Kontaktbeschränkungen den erwünschten Erfolg nicht erreichten, kam es wieder zu einem harten Lockdown, der zunächst bis zum 10. Januar 2021 andauern sollte.

Da die Infektionszahlen weiterhin anstiegen, wurden die Maßnahmen verlängert. Nach fast sechs Monaten endete der zweite Lockdown schließlich im Mai 2020. Für Branche hatten die Maßnahmen verheerende wirtschaftliche Folgen.

Laut den Daten [Dokument auf Englisch] von Statista und der European Casino Association hätten die Verluste für die 65 terrestrischen Casinos in Deutschland pro geschlossenen Tag knapp 2 Mio. Euro betragen.