Sonntag, 26. Juni 2022

BBC filmt Fußball­spieler bei Verab­redung von möglicher Spiel­manipulation

Szene BBC-Film über Spielmanipulation Die BBC filmte verdeckt Gespräche über Spielmanipulation (Bild: BBC)

Die Gefahr von Spielmanipulation und Wettbetrug ist auch im britischen Fußball gegeben. Wie ernst das Problem ist, zeigen Recherchen des Senders BBC. Diesem gelang es, Fußballspieler beim Gespräch über Spielmanipulation zu filmen [Seite auf Englisch].

Mehrere konspirative Treffen

Die BBC-Reporter hatten sich für ihre Undercover-Recherche mit Hermes N’Goy und seinem Bruder Emile N’Goy getroffen. Letzterer war in der Vergangenheit in Wales als Fußballspieler aktiv. Die BBC habe zuvor in Erfahrung gebracht, dass Hermes N’Goy in Aktivitäten rund um Wettbetrug involviert sei.

Bei der Kontaktaufnahme hätten sich die Journalisten Hermes N’Goy gegenüber als potenzielle Geldgeber ausgegeben. In dieser Rolle seien sie auf der Suche nach illegalen Investitionsmöglichkeiten. In Folge seien über 20 Monate hinweg vier Treffen vereinbart worden, bei denen die geheimen Filmaufnahmen entstanden seien.

Hermes‘ Bruder Emile N’Goy spielte in der Vergangenheit für die unterklassigen Vereine Llanelli Town AFC, Stranraer FC, Brechin City FC und Dorchester Town FC sowie Clubs in Portugal und Italien. Laut BBC ist er derzeit ohne Verein. Der Sender betont, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass einer dieser Vereine von Spielmanipulation betroffen sei.

Es gehe den Betrügern laut Hermes N’Goy nicht um „große Spielmanipulation“. Stattdessen seien es eher „unsichtbare“ Eingriffe ins Spiel, die von Kontrolleuren unbemerkt blieben.

Drei- bis vierstellige Summen

In dem nun online gestellten Clip beschreibt Hermes N’Goy das Geschäft mit der Spielmanipulation. Auf Nachfrage der Undercover-Journalisten bestätigt er, in der Vergangenheit Spiele verschoben zu haben.

Auch über die gezahlten Summen für bestimmte Manipulationen berichtet Hermes N’Goy:

500 Euro für so etwas wie einen Einwurf, eine Ecke oder Freistoß, 1.000 für eine gelbe Karte. Eine rote Karte liegt bei 2.000.

Für eine längere Zusammenarbeit sei laut Hermes N’Goy auch eine Pauschale von 20.000 bis 25.000 Euro pro Saison und je Spieler möglich.

Gespräche über Wettbetrug

In einem weiteren Videomitschnitt kommen die drei Fußballspieler Idris Laib, Jean-Francois Mbuba und Julien Vercauteren zu Wort. Diese seien von Hermes N’Goy ins Spiel gebracht worden, als es darum ging, über einen möglichen Wettbetrug zu verhandeln. Auch sie seien in unteren Spielklassen aktiv. Dort gebe es weniger Überwachung, so N’Goy zur Begründung.

Alle von ihnen verfügten über Erfahrung in dem illegalen Geschäft. So habe einer erst im letzten Jahr eine Manipulation durchgeführt. Dabei habe ihn ein Trainer während eines Spiels angewiesen, dieses zu verzögern. Grund sei der ausgeglichene Spielstand gewesen. Es sei dabei darum gegangen, das Unentschieden über die Zeit zu bringen.

Der ehemalige FIFA-Kontrolleur Terry Steans erklärte BBC gegenüber, dass Spielmanipulation in dieser Größenordnung nur sehr schwer zu ermitteln sei. Die Tatsache, dass die Spieler in einem Raum mit den möglichen Geldgebern über die illegale Praxis gesprochen hätten, sei jedoch ein Zeichen, wie ernst es Hermes N’Goy mit dem Geschäft sei.

Die BBC-Reporter hätten dann ein mögliches konkretes Projekt angesprochen. Dabei sei betont worden, dass niemand zu etwas „gezwungen“ werden solle. Die Spieler hätten daraufhin erklärt, trotzdem interessiert zu sein.

Eine Manipulation könne in jedem Spiel passieren, so die Sportler. Die Bezahlung müsse jedoch nach festen Regeln ablaufen:

Es gibt nur Bargeld. Nur Cash, ohne Spuren, ohne Nachverfolgung.

Nachdem die BBC Hermes N’Goy mit den Aufnahmen konfrontierte, bestritt er, dass er oder einer der gefilmten Spieler in Spielmanipulation verwickelt gewesen sei. Sein Bruder und die anderen drei Spieler, die ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten worden seien, hätten der BBC nicht geantwortet.