, 01.10.2020

Die Anhörungen vor dem U-Ausschuss um die Ibiza-Affäre sind am Mittwoch fortgesetzt worden. Dabei ging es um die mutmaßliche Einflussnahme des Glücksspiel-Konzerns Novomatic auf die österreichische Glücksspiel-Gesetzgebung. Geladen waren der ehemalige Fußball-Torwart vom SK Rapid Wien, Peter Barthold, sowie Bernd Oswald, Aufsichtsratschef der Novomatic.

 

Oswald berief sich mit Verweis auf die anwaltliche Schweigepflicht und die Pflicht der Wahrung der Geschäftsgeheimnisse auf sein Aussageverweigerungsrecht und beantwortete die meisten Fragen der Abgeordneten des Untersuchungsausschusses nicht. Als umso redseliger erwies sich jedoch der Zeuge Barthold.

Nach seinem Karriereende betrieb Barthold mehrere Glücksspielstätten in Kooperation mit Novomatic. Dabei soll der ehemalige Spitzensportler Millionen verdient haben. Als 2015 das Verbot des Kleinen Glücksspiels in Wien beschlossen wurde, musste Barthold Konkurs anmelden.

 

Allerdings soll ihm Novomatic die Fortführung seiner Geschäfte bis 2024 zugesagt und einen Betrag in Millionenhöhe bezahlt haben. Als Barthold seine Spielstätten aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen doch nicht betreiben konnte, ging der Ex-Keeper vor Gericht. Seine Klage wurde allerdings abgewiesen.

Bestechung: Schwerer Vorwurf gegen Novomatic

Im Rahmen der Befragung vor dem Ausschuss erklärte Barthold, dass er zu den Vorgängen von Ende 2017 bis Ende 2019 nichts beitragen könne. Dafür sei es ihm aber möglich, Einblicke im Hinblick auf Verbindungen zwischen der Politik und der Glücksspiel-Branche geben.

Mit seiner Aussage, dass Novomatic ihm Geld für abgestimmte Aussagen vor dem Ausschuss angeboten haben soll, sorgte Barthold für Aufsehen. So soll er von einem Mittelsmann von Novomatic eine Liste mit den gewünschten Antworten auf bestimmte Fragen erhalten haben. Im Gegenzug soll ihm Unterstützung bei der Konkursbereinigung zugesagt worden sein.

 

Novomatic reagierte sofort und dementierte Bartholds Aussage. Es sei lebensfremd anzunehmen, dass das Unternehmen jemandem Geld anbiete, mit dem es seit Jahren im Rechtsstreit liege.

Novomatic-CEO Johann Graf habe laut Barthold Ehepartnern von Politikern, die mit dem Konzern in Verbindung gestanden haben sollen, Beträge in Millionenhöhe zukommen lassen. Mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen wurden die Namen der Öffentlichkeit nicht preisgegeben.

 

„Da hört wenigstens niemand zu“ 

Ermittler sollen indes brisante Chat-Konversationen zwischen dem ehemaligen Novomatic-Chef Harald Neumann und Finanzminister Gernot Blümel, einem engen Vertrauten von Kanzler Kurz, auf Neumanns Smartphone sichergestellt haben. Die Informationen auf dem Handy sollen Blümel schwer belasten.

 

Aus den Protokollen soll laut dem Nachrichtenmagazin Zack Zack hervorgehen, dass Blümel von einem Deal zur umstrittenen Berufung des FPÖ-Politikers Peter Sidlos in den CASAG-Vorstand zumindest Kenntnis gehabt habe.

 

So heißt es in einer Nachricht vom 25. Januar 2019 von Neumann an Blümel:

Alles geklärt, sollte auf jeden Fall durchgehen.

Im Chat-Verlauf sei diese Nachricht als „gelesen“ gekennzeichnet gewesen. Als Blümel vom U-Ausschuss zum Sidlo-Deal befragt wurde, soll er sich nicht mehr daran erinnert haben.

 

Nachdem die Ibiza-Affäre im Juni 2019 aufgeflogen war, soll es ein Treffen zwischen Neumann und Blümel im Novomatic-Forum gegeben haben. Als Blümel dem von Neumann vorgeschlagenen Termin zugestimmt habe, soll der damalige Novomatic-Chef geschrieben haben:

Bei uns im Forum! Da hört wenigstens niemand zu!

Was dort besprochen worden sein könnte, ist bis heute nicht bekannt.

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