Donnerstag, 29. September 2022

Bildungs-Chancen-Lotterie wird eingestellt

Lottokugeln in einer Trommel||Das Logo der Bildungs-Chancen-Lotterie

Die deutsche Soziallotterie „Bildungs-Chancen-Lotterie“ steht vor dem Aus. Dies teilten die Betreiber den Los-Abonnenten am Dienstagnachmittag via Email mit.

Das Logo der Bildungs-Chancen-Lotterie

Die Bildungs-Chancen-Lotterie mit dem Losverkauf unterstützt Bildungsprojekte. (Quellen: https://blog-foerdermittel.de)

Die im Juli 2018 erstmals ausgespielte Lotterie, welche mit dem Verkauf von Glückslosen deutschlandweit Bildungsinitiativen fördert, wird am 27. August 2019 zum voraussichtlich letzten Mal stattfinden.

Wie der Deutschlandfunk berichtete, sei das „Geschäftsmodell hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“

Hohe Marketing-Ausgaben und die Konkurrenz auf dem umkämpften Glücksspielmarkt seien Faktoren, die das Projekt scheitern ließen.

Glücksspiel für die Bildung

Als Initiatoren der Bildungs-Chancen-Lotterie verfolgten die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die SOS-Kinderdörfer weltweit und der Stifterverband das gemeinsame Ziel, Bildungsprojekte durch die Einnahmen einer neu konzipierten Soziallotterie zu fördern.

Die wöchentlichen Ziehungen versprachen Losinhabern eine attraktive Kombination aus gemeinnützigem Handeln und der Chance auf einen Jackpot in Höhe von 2 Millionen Euro. Um am Loswettbewerb teilzunehmen, konnten Spieler aus zwei Spielschein-Varianten wählen, einem Solo-Los und einem Team-Los. Mindestens 30 % der durch die Lose generierten Einnahmen sollten direkt an karitative Bildungsinitiativen fließen.

Noch zum Start der Bildungs-Chancen-Lotterie umriss Geschäftsführer Roland Mlynek, welche Kunden der soziale Lotteriebetreiber mit seinem Konzept erreichen wolle:

„Die Bildungs-Chancen-Lotterie verbindet so eine innovative Spielmechanik mit dem einzigartigen Förderzweck Bildung. Unser Bestreben ist es, sowohl bildungsaffine Zielgruppen als auch klassische Lotteriespieler anzusprechen und ein unvergleichliches Spielerlebnis zu vermitteln.“

Die jetzige Einstellung der Soziallotterie beweist womöglich, wie schwierig es ist, die Gruppe dieser bildungsgeneigten Lottospieler zu erreichen. Wie Moritz Kralemann vom Stifterverband dem Deutschlandfunk mitteilte, spielten derzeit nur etwa 8.000 Privatpersonen die Bildungs-Chancen-Lotterie via Abonnement. Zusätzlich habe die Initiative 10.000 Lose an Unternehmen verkauft.

Unterm Strich sei dies zu wenig, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Um die Lotterie in die Gewinnzone zu führen, so Kralemann, bräuchte es 40.000 bis 50.000 regelmäßige Spieler.

Ein fremdes Geschäft

Ein Grund für das Scheitern der Bildungs-Chancen-Lotterie könnte nicht zuletzt die fehlende Erfahrung im Lotterie-Geschäft gewesen sein. Auf dem Lotto-Markt konkurrieren Lotterie-Betreiber aktuell nicht nur mit den Anbietern sogenannter „Zweitlotterien“, sondern müssen viel Geld in Marketing und Spielerwerbung investieren.

Deutschland und die Soziallotterien

Obgleich die Bildungs-Chancen-Lotterie die erste Soziallotterie ist, die ihren Schwerpunkt auf die Förderung von Bildungsprojekten legt, gibt es in Deutschland zahlreiche Lotterien, die sich für karitative Zwecke einsetzen. So unterstützt die Aktion Mensch, die größte Soziallotterie der Bundesrepublik, unter anderem Projekte für Personen mit Behinderungen.

Für den Umweltschutz engagiert sich Bingo!-Die Umweltlotterie. Sie fördert Natur- und Umweltprojekte an Schulen in Norddeutschland.

Gegen die Kürzungen staatlicher Vereinsgelder engagiert sich die VereinsLotterie, die dem Vereinswesen bei der legalen Durchführung von Lotterien hilft.

Diese Faktoren könnten die Organisatoren der Bildungs-Chancen-Lotterie bei ihrer Arbeit unterschätzt haben. Komplizierte Vertriebsfragen und der langwierige und kostspielige Aufbau von Markenbekanntheit seien laut Kralemann verkannt worden. Expertenmeinungen und Marktanalysen hätten das Projekt im Vorfeld auf einen „optimistischeren Weg“ geführt, als er in der Realität zu beschreiten gewesen sei.

Es soll weitergehen

Obgleich die Bildungs-Chancen-Lotterie in ihrer jetzigen Form am Ende ist, wollen alle drei Betreiber an der Idee einer Soziallotterie festhalten. In Zukunft plant die Gruppe die Zusammenarbeit mit einem im Glücksspielsektor erfahrenen Vermarktungsunternehmen, welches die Angebote der Lotterie einem breiteren Spielerkreis zugänglich machen soll.

Bevor eine Neuvariante einer Soziallotterie an den Start gehen kann, müssen die Initiatoren allerdings erneut eine Glücksspiellizenz beantragen. Sollte die Erlaubnis genehmigt werden, könnte die neue Lotterie schon im Januar 2020 erste Ziehungen veranstalten.

Dies wäre sicherlich ein Gewinn für gemeinnützige Bildungsinitiativen. Seit ihrem Bestehen sammelte die Bildungs-Chancen-Lotterie bereits ca. 450.000 Euro für diese Projekte.