, 25.01.2019

Ein Mystery Shopping Test in Irland zeigt, dass mehr als ein Drittel der Minderjährigen Rubbellose in einer Lottoverkaufsstelle erwerben könnte. Dies berichteten irische Medien am vergangenen Mittwoch.

 

Der Mystery Shopping Test, bei dem Testkäufer sich als normale Kunden ausgaben, wurde im Juli 2018 durchgeführt. Hierfür hatte der Regulator der National Lottery (RNL) das Marktforschungsunternehmen Ipsos MRBI beauftragt.

Die irische Regulierungsbehörde: Regulator of the National Lottery (RNL)

 

Die unabhängige Regulierungsbehörde der staatlichen Lotterie der Republik Irland wurde per Gesetz im Rahmen des National Lottery Act 2013 eingerichtet. Der National Lottery Act hatte es der irischen Regierung ermöglicht, die Lizenz für die nationale Lotterie zu verkaufen.

 

Als Reaktion auf Irlands Finanzkrise hatte die Regierung im Jahr 2011 angekündigt, die Lizenz für die Staatslotterie für 20 Jahre gegen eine Vorabzahlung vergeben zu wollen. Nachdem der National Lottery Act dies möglich gemacht und zugleich die Einführung der Regulierungsbehörde bestimmt hatte, ging die Lizenz zu einem Preis von 405 Millionen Euro an Premier Lotteries Ireland (PLI).

 

Die Regulierungsbehörde hat seitdem die Aufgabe, die Durchführung der irischen Nationallotterie zu überwachen. Zu diesem Zweck hat sie unter anderem einen Verhaltenskodex festgelegt und nimmt Überprüfungen vor.

Der Mystery Shopping Test wurde in dieser Form zum ersten Mal in Irland durchgeführt.

 

Einsatz von minderjährigen Testkäufern

 

Die Erhebungen wurden in 510 Einzelhandelsstätten von Testpersonen mit einem Alter von 15, 16 oder 17 Jahren durchgeführt. Die Jugendlichen sollten versuchen, in einer Lottoverkaufsstelle Rubbellose im Wert von einem Euro zu kaufen.

Rubbellose sind das erste Lotterieprodukt gewesen, das die nationale irische Lotterie (National Lottery) vertrieb, als sie 1987 ihre Tätigkeiten aufnahm. Im Jahr 2017 betrugen die Einnahmen für Rubbellose und für Online-Sofort-Gewinnspiele in Irland 241 Millionen Euro. Das war mehr als ein Viertel der Gesamteinnahmen der Nationallotterie, die sich auf 800 Millionen Euro beliefen.

Wurde die Testperson nach ihrem Alter gefragt, gab sie das wahre Alter an. Wollten die Verkäufer eine Altersbescheinigung sehen, sagten sie, sie trügen keine bei sich.

 

Erklärten sich die Verkäufer bereit, den Jugendlichen ein Rubbellos zu verkaufen, wurde der Test abgebrochen. Während der Testdurchführung wurde von den als Testpersonen eingesetzten Minderjährigen demnach kein Lotterieprodukt gekauft.

 

Nach Angaben des Regulator of the National Lottery zeigten die Ergebnisse der Untersuchung, dass die regulatorischen Bestimmungen nicht ausreichend eingehalten wurden. Carol Boate vom Regulator of the National Lottery Ireland sagte:

“Die Ergebnisse der von meinem Büro in Auftrag gegebenen Untersuchung zeigen, dass die Einhaltung der Richtlinien im Verkaufssektor noch nicht gut genug ist. Ich habe die Untersuchung in Auftrag gegeben, als das Verkaufsnetzwerk expandierte und Premier Lotteries Ireland gerade ein verbessertes Überwachungssystem entwickelte. Ich arbeite mit PLI zusammen, um sicherzugehen, dass rasch Maßnahmen eingeleitet werden, damit alle Verkaufsstellen ihre Verpflichtungen erfüllen.“

Die regulatorischen Richtlinien besagen, dass Minderjährige in Irland keine Lotterie-Produkte erwerben dürfen. Zudem sind Beschilderungen und Informationen erforderlich, die auf ein Mindestalter von 18 Jahren für den Kauf von Rubbellosen hinweisen.

 

Die Ergebnisse des Mystery Shopping Tests

 

Aus den Ergebnissen des Mystery Shopping Tests geht hervor, dass 73 Prozent der Lottoverkaufsstellen das obligatorische Hinweisschild zur Teilnahme ab 18 ausgestellt hatten. In 27 Prozent der Fälle fehlte ein solcher Hinweis.

 

Irlands Regionen

In der Region Munster hatten drei Viertel der Geschäfte auf die Teilnahme ab 18 hingewiesen. (Bild: Wikipedia)

Am häufigsten fehlte der Hinweis in städtischen Verkaufsstellen. In Dublin beispielsweise wurde er in nur 65 Prozent der besuchten Verkaufsstellen gesichtet.

 

Auf dem Land dagegen war der Hinweis auf die Teilnahme ab 18 häufiger zu finden. In der Region Connaught/Ulster hatten 77 Prozent, in Munster 76 Prozent der Geschäfte die Hinweisschilder ausgehängt.

 

Die jungen Testkäufer wurden zu 63 Prozent auf ihre Kaufversuche angesprochen. So wurden sie beispielsweise nach ihrem Alter gefragt oder aber dazu aufgefordert sich auszuweisen. In mehr als einem Drittel (37 Prozent) der Fälle jedoch hätten die Jugendlichen den Kauf unhinterfragt durchführen können.

 

Die Verkäufer, die nach dem Alter gefragt haben, haben sich zu 95 Prozent geweigert, ein Los an die Minderjährigen zu verkaufen. Somit war der Kaufversuch in insgesamt 62 Prozent der Fälle erfolglos. In 38 Prozent der Fälle jedoch hätten die Jugendlichen ein Los kaufen können.

 

Nicht nur Lotto in Irland betroffen

 

Der Verkauf von Lotterieprodukten an Minderjährige gerät in diesem Jahr nicht zum ersten Mal ins Kreuzfeuer der Kritik. So hatte im Januar in Spanien ein 15-jähriger Schüler beim Lotto 200.000 Euro gewonnen.

 

Das Los, so hatte der Teenager angegeben, habe er mit dem Geld gekauft, das er zuvor bei der spanischen Weihnachtslotterie „El Gordo“ gewonnen hatte. Als Minderjähriger hätte das Los jedoch eigentlich gar nicht kaufen dürfen.

 

Der Jugendliche hatte zwar die Erlaubnis seines Vaters, das Lotterielos zu kaufen. Der Verkäufer der Lottoannahmestelle jedoch hätte den Verkauf nicht durchführen dürfen. In diesem Fall hatte es jedoch eine Ausnahme gegeben, weil der Vater beim Kauf ebenfalls anwesend war.

 

Während der jugendliche Lottogewinner aus Spanien sich über seinen Gewinn freut, sieht die britische Gewinnerin des EuroMillion-Jackpot, Jane Park, den Verkauf von Lotterieprodukten an Minderjährige eher kritisch.

 

Jane Park hatte im Alter von 17 Jahren ein Los gekauft, das sie im Jahr 2013 zur Millionärin gemacht hatte. In Großbritannien liegt das Mindestalter hierfür bei 16 Jahren. Damit war der Kauf legal. Jane Park allerdings hat das Geld mit vollen Händen für sinnlose Käufe und Schönheitsoperationen ausgegeben. Wie die Welt berichtete, ist sie überzeugt davon, dass der Gewinn ihr Leben ruiniert habe.

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