, 23.12.2018

Gestern war es wieder soweit: halb Spanien verfolgte gebannt die Ziehung der Weihnachtslotterie El Gordo, die seit dem Jahr 1812 Tradition hat. Wie auch im vergangenen Jahr betrug der Hauptpreis 4 Millionen Euro.

 

Es gibt kaum einen Spanier, der kein Los der Weihnachtslottiere kauft und auch in Deutschland ist El Gordo mittlerweile bei vielen Lottospielern beliebt. Die Ziehung der Lottozahlen beginnt an jedem 22. Dezember 9:00 Uhr morgens und wird von vielen Spaniern gebannt verfolgt. Die Zeremonie, bei der die Zahlen gezogen werden, ist einzigartig.

Die Ziehung – Stunden voller Magie

Aus zwei Trommeln, die unterschiedlich groß sind, fällt jeweils eine Kugel heraus. Die größere der beiden Trommeln enthält die Kugeln mit den Losnummern, die kleinere die Kugeln mit den Gewinnen. Damit repräsentieren die Kugeln, die jeweils aus den beiden Trommeln fallen, einerseits den Gewinner, andererseits zur selben Zeit den Gewinn. Spektakulär ist, wie die Zahlen genannt werden, denn statt einfach angesagt zu werden, werden sie von Kindern vorgesungen. Dabei handelt es sich um Schüler, die aus dem Colegio San Ildefonso in Madrid stammen. Die Ziehung endet, wenn alle Gewinne gezogen und besungen sind und zieht sich damit über Stunden hin.

Wie die spanische Weihnachtslotterie funktioniert

 

Für die Weihnachtslotterie gibt die Lotería Nacional (Seite auf Spanisch), die staatliche Lotterie Spaniens, bereits ab dem Sommer Lose mit fünf Ziffern aus. Insgesamt gibt es 100.000 Lose, deren Ziffern zwischen 00000 und 99.000 liegen. Ein ganzes Los hat einen Preis von 200 Euro. Da dies für einen einzigen Spieler einerseits sehr teuer ist, die Lose andererseits aber auch heiß begehrt sind, wird ein Los in Form eines DIN-A4-Bogens in 10 Teil-Lose aufgeteilt. Diese werden als Décimos bezeichnet.

 

Ein Décimo kostet dementsprechend 20 Euro und bietet die Chance, ein Zehntel des Hauptpreises von 4 Millionen Euro, also 400.000 Euro, zu gewinnen. Die Lose werden in Serien ausgegeben. In diesem Jahr gab es dabei jede der 100.000 Losnummern in 170 Serien. Jede Losnummer gab es dementsprechend 170 Mal. Der Hauptpreis wird jedoch nicht auf alle möglichen 170 Gewinner aufgeteilt, sondern jeder von ihnen erhält den entsprechenden Gewinn in voller Höhe.

 

Wird eine Losnummer gezogen, wird der jeweilige Gewinn also 170 Mal ausgeschüttet. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit einem Los gewinnt, liegt bei der spanischen Weihnachtslotterie bei 1:100.000. Damit die Gewinnchancen für alle Nummern gleichbleiben, werden die Ziffern der Kugeln mit Laser eingebrannt. So wird ausgeschlossen, dass Kugeln, deren Nummern mit Farbe aufgetragen werden, durch die unterschiedliche benötigte Farbmenge schwerer werden und damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie aus der Trommel fallen.

 

Die Kinder von San Ildefonso

 

Die Kinder, die traditionell die Gewinnzahlen und die Gewinne vorsingen, stammen aus dem Colegio de San Ildefonso, einer Schule, deren Wurzeln auf das 15. Jahrhundert zurückgehen. Wie der Historiker José del Corral beschreibt, wurde sie zu dieser Zeit als Waisenhaus für Kinder zwischen sieben und neun Jahren gegründet. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Schule, auch Kinder aufzunehmen, die keine Waisen waren, aber aus schwierigen familiären Verhältnissen stammten.

 

Anfangs befand sich die Schule in der Straße „Carrera de San Francisco“, zog im Jahr 1883 aber

Colegio San Ildefonso Madrid

Die Kinder des Colegio de San Ildefonso in Madrid singen die Gewinnzahlen vor. (Bild: Wikipedia)

in die Straße „Redondilla“, wo sie sich noch heute befindet. Die besondere Beziehung zwischen der spanischen Weihnachtslotterie und dem Colegio de San Ildefonso begann im Jahr 1771, als zum ersten Mal ein siebenjähriger Junge namens Diego López ein Lotterielos zog und die Nummer sang.

 

Die Schule finanzierte sich zu dieser Zeit durch Spenden und die Kinder sangen auf verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen. Für Diegos Teilnahme an der Lotterie erhielt die Schule damals 500 spanische Reale für die zur Verfügung gestellten Dienste. Heute wird die Schule von der staatlichen Lotterie sowie von der Stadt Madrid subventioniert.

 

Zunächst war das Colegio de San Ildefonso eine reine Jungenschule. Als erstes Mädchen wurde hier erst 1984 Carolina Hidalgo zugelassen, die sich noch heute an ihre erste Zeit in dieser Schule erinnert:

„Es war wie eine große Familie. Ich kam von einer Mädchenschule und fand mich inmitten von Jungen wieder. In der Pause lud mich ein Junge ein, mit ihm zu spielen und von da an wurde ich sehr gut akzeptiert.“

In ihrem ersten Jahr sang Carolina Hidalgo noch nicht für die Lotterie. Diese Ehre war Monica Rodríguez zuteilgeworden. Doch im folgenden Jahr begann Carolina, am Gesang der Ziehung teilzunehmen und blieb für insgesamt fünf Jahre dabei.

 

Geschichtsträchtige Verkäufe und Gewinne

 

El Gordo ist mittlerweile fest in der Kultur Spaniens verankert und die Lose sind nicht nur bei Einzelpersonen und Familien beliebt, sondern es ist auch Tradition, Spielergemeinschaften zu bilden, beispielsweise unter Arbeitskollegen.

Sort

In der katalanischen Stadt “Sort” (Glück) werden besonders viele Lose verkauft. (Bild: Wikipedia)

Verkauft werden die Lose jährlich in unzähligen Verkaufsstellen sowie online. Geschichtsträchtig ist hinsichtlich des Losverkaufes die katalanische Stadt Sort, deren Name aus dem Katalanischen übersetzt „Glück“ bedeutet. Auf den symbolischen Namen setzen beim Losverkauf unzählige Spanier und pilgern eigens in die rund 2100 Einwohner umfassende Stadt, um hier ihr Los zu erwerben. Dementsprechend oft haben Lose, die in Sort gekauft wurden, bereits gewonnen. Auch im vergangenen Jahr hatte einer der Hauptgewinner sein Los in Sort gekauft.

 

Zum Teil gewinnen bei der Weihnachtslotterie El Gordo ganze Dörfer und Regionen. Im Jahr 2017 gingen mehr als 522 Millionen Euro nach Vilalba, einer kleinen Gemeinde in Galicien, wo in einer Bar 130 Serien der Gewinnnummer 71198 verkauft wurden und wo sich das Personal einer Schule 109 Décimos dieser Nummer teilt.

 

Für Aufsehen sorgte auch das Dorf Sodeto, in dem 2011 alle Familien ein Los gekauft hatten und damit jeweils mindestens 100.000 Euro erhielten. Insgesamt landeten in Sodeto mehr als 100 Millionen Euro. Wie hoch der Betrag genau war, ist öffentlich nicht bekannt. Die Lose waren vom örtlichen Hausfrauenverein verkauft worden. Viel Geld habend die Bewohner von Sodeto nach ihrem Gewinn in die Landwirtschaft gesteckt, neue landwirtschaftliche Anlagen errichtet und alte erneuert.

 

Durch den Lottogewinn und die damit verbundene Finanzspritze ist es dem Dorf gelungen, auch ihren Nachwuchs im Ort zu halten, der früher in Städte wie Huesca oder Saragossa abwanderte. Nun ist eine neue Siedlung für junge Familien entstanden und es gibt auch wieder mehr Kinder in Sodeto.