, 27.04.2021

Die mafiösen Vereinigungen Italiens sind heute in aller Welt bekannt. Innerhalb Italiens jedoch haben die Polizeibehörden vermehrt auch mit Mafia-Clans nicht italienischen Ursprungs zu kämpfen. Für Schlagzeilen sorgen derzeit die Aktivitäten der nigerianischen Mafia „Black Axe“. Im Fokus stehen Geldwäsche, Bitcoin-Betrug, Internet-Betrug, Prostitution und Drogenhandel.

 

Wie italienische Medien berichten, sei der Anti-Mafia-Einheit der Polizei in der Region Abruzzen am Montag nach knapp drei Jahren intensiver Ermittlungen ein erfolgreicher Schlag gegen einige der Mitglieder gelungen. Bei einer Großrazzia in 14 verschiedenen Provinzen sei es zu 30 Festnahmen gekommen; insgesamt 1.000 Personen gälten als verdächtig.

Die Mitglieder der Black Axe sind seit einigen Jahren auch in Deutschland vermehrt aktiv. Das ZDF berichtete Ende Januar in einer Dokumentation über die kriminellen Aktivitäten der Black Axe in Deutschland. Insbesondere Menschenhandel und Zwangsprostitution seien dem Bericht zufolge hierzulande ein wachsendes Problem. Opfer seien meist junge Mädchen und Frauen, die aus Nigeria illegal nach Deutschland eingeschleust würden.

Millionenschwerer Bitcoin-Handel im Darknet

Der Bande würden insgesamt rund 100 Vergehen vorgeworfen. Neben „traditionellen“ Mafia-Aktivitäten wie Drogenhandel, Menschenhandel und Prostitution habe sich Black Axe insbesondere mit Online-Kriminalität beschäftigt. Neuartig sei laut der italienischen Polizei eine Form des Bitcoin-Betruges.

 

Die Clan-Mitglieder hätten die Kryptowährung günstig erstanden und diese im Darknet gegen gestohlene Kreditkarteninformationen eingetauscht. Mit den  Zahlungsdaten hätten sie Online-Einkäufe im Wert von mindestens einer Million Euro getätigt. Vor allem Handys, Computer, Markenkleidung und Flugtickets hätten auf der Einkaufsliste gestanden.

 

Die kriminellen Machenschaften werden moderner

Laut dem Anti-Mafia-Staatsanwalt von Aquila, Michele Renzo, modernisierten sich mafiöse Organisationen wie Black Axe zunehmend. Dies haben auch frühere Ermittlungen gegen Mafia-Clans in Italien gezeigt, die sich immer häufiger auf moderne Online-Glücksspiel-Kriminalität spezialisieren. Auf der gestrigen Polizeipressekonferenz sagte Renzi:

Wir haben heute die langwierigen Ermittlungen gegen ein Netzwerk der nigerianischen Mafia zu einem vorläufigen Ende gebracht. Es handelt sich um eine mafiöse Vereinigung mit einigen Besonderheiten. Wir haben es hier mit einer Art Evolution der Mafia zu tun, die sich durch Wirtschaftskriminalität mit modernen Mitteln auszeichnet.

Der Fall sei jedoch auch im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsdiskussion politisch hochbrisant, so Renzi weiter.  So sei der ebenfalls verhaftete Anführer der kriminellen Vereinigung, ein 35-jähriger Nigerianer, im Jahr 2014 als Flüchtling auf einem kleinen Schleppkahn von Libyen nach Italien eingereist und zunächst in einem Flüchtlingslager in Aquila untergekommen.

 

Anschließend habe er in einer Mietwohnung gewohnt und ein unscheinbares Dasein geführt. Auf die Spur gekommen seien die Ermittler ihm und den anderen Clan-Mitgliedern dann aufgrund ungewöhnlicher Transaktionen über das Geldinstitut Banca d’Italia sowie die italienische Post.

 

Die Zahlungsströme seien sehr diffus und schwer nachzuverfolgen gewesen. Viele führten in andere EU-Länder sowie Länder außerhalb der Union. Welche Strafe die bislang verhafteten Personen nun erwartet, ist offen. Die Ermittlungen gegen die Black Axe in Italien sollen jedoch intensiviert werden.

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