Montag, 03. Oktober 2022

E-Sport nach COVID-19: Weiterer Boom oder Rückkehr zum klassischen Sport?

DOTA 2 Turnier in Arena

Das Coronavirus hat in den letzten paar Monaten einen Großteil der weltweiten Industrie und Wirtschaft lahmgelegt. Nur wenige Branchen haben kaum oder gar keine Einbußen erfahren, noch weniger scheinen gestärkt die Krise zu überstehen.

Der E-Sport jedoch scheint zu den eindeutigen Gewinnern zu zählen. Die Branche, die sich zuvor mit Mühe Anerkennung in der Welt des Sportes zu verschaffen versuchte, wurde fast über Nacht zum einzigen noch ausübbaren Profi-Sport.

Mit dem Einbruch der globalen Sportbranche ist auch ein Großteil der Geschäfte der Buchmacher eingebrochen. Viele rückten als Notlösung  E-Sportwetten oder nicht auf Sport basierende Wetten (bspw. Politik- oder Wirtschaftswetten) in den Fokus. Viele Glücksspiel-Unternehmen erklärten in den letzten Wochen, seit Beginn der Corona-Krise Verluste von zwischen 50 und 80 % gemacht zu haben. E-Sportwetten hätten diese nicht ansatzweise kompensieren können.

Bei auf E-Sport spezialisierten Buchmachern scheint sich jedoch ein anderes Bild abzuzeichnen. Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Forbes [Seite auf Engisch] enthüllte der E-Sportwetten-Anbieter LuckBox, der seinen Hauptsitzt auf der Isle of Man hat, seine jüngsten Geschäftszahlen.

Laut dem Geschäftsführer Quentin Martin, hat sich der Umsatz des Unternehmens seit November 2019 verdreizehnfacht.

Die Spielereinsätze hingegen hätten sich im selben Zeitraum verzehnfacht. Besonders gestiegen seien diese seit Februar, als die Ausbreitung von COVID-19 den Status einer weltweiten Pandemie erreichte. Der durchschnittliche Wetteinsatz pro Kunde und Wette habe sich seither fast verdoppelt.

Werden neue Fans dem E-Sport treu bleiben?

Laut Martin sei nicht nur seitens der Wettkunden das Interesse am E-Sport gestiegen. Auch Investoren sähen den E-Sport als eine zukunftsweisende und krisensichere Branche.

Zwar sei es auch innerhalb des E-Sports zu Absagen von Events und Turnieren gekommen, doch habe man in den meisten Fällen auf das Internet ausweichen können, auch wenn dies aufgrund der höheren technischen Fehleranfälligkeit im Vergleich zu LAN-Verbindungen keine Dauerlösung sei.

Martin zeigt sich zudem zuversichtlich, dass der E-Sport während der Corona-Krise langfristig neue Fans gewonnen haben könnte:

Ich vermute, dass die Wachstumsrate nicht so bleibt, aber der Auftrieb schon. Viele Fans traditioneller Sportarten haben zum ersten Mal die Spannung des E-Sports kennengelernt und hoffentlich mögen sie, was sie sehen, und werden es weiterhin verfolgen.

Er lenkt ein, dass wahrscheinlich viele neue E-Sport-Zuschauer nach COVID-19 wieder zu ihren gewohnten Sportarten zurückkehren würden, der E-Sport aber ohne Zweifel einen neuen Stellenwert erreicht habe.