, 27.07.2020

Das brutale Ende eines Frauenboxkampfes hat in den USA für einen medialen Aufschrei gesorgt. Die US-Amerikanerinnen Seniesa Estrada (28) und Miranda Adkins (42) waren am Freitag im Fantasy Springs Resort Casino in Indio, Kalifornien, gemeinsam in den Ring gestiegen.

 

Nach nur sieben Sekunden und fünf Schlägen hatte Estrada (19 Siege, 0 Niederlagen, 8 KOs) die unterlegene Adkins (5 Siege, 0 Niederlagen, 1 KO) k.o. geschlagen. Adkins blieb in der Folge sekundenlang benommen am Ringboden liegen.

 

Die Kürze des Kampfes und Adkins` Wehrlosigkeit hat in den Medien und in der Box-Szene eine Diskussion über sportliche Fairness und die Verantwortung von Organisatoren für die Kampfpaarungen hervorgerufen.

 

Haben Offizielle und Organisatoren versagt?

Das vorschnelle Ende im Kampf um den „World Boxing Council Silver Female Light Fly“-Titel hatte am Wochenende nicht nur Zuschauer überrascht, sondern auch zahlreiche Experten.

Die Buchmacher hatten den Klassenunterschied zwischen Estrada und Adkins erkannt. Estrada war bei den Sportwettenanbietern vor dem Fight die klare Favoritin mit Gewinnquoten zwischen 1,01 und 1,03. Für einen Sieg von Adkins wurden Außenseiterquoten zwischen 10,00 und 19,00 angesetzt.

Langjährige Box-Berichterstatter wie der Journalist Michael Rosenthal, fragten sich, wie ein Kampf dieser Art überhaupt hatte zustande kommen können.

 

Seiner Meinung nach hätten die Sportaufsicht der California State Athletic Commission, der Promoter Golden Boy und der Streamingdienst DAZN den Fight nie erlauben dürfen. Die Gründe hierfür lägen auf der Hand. Adkins sei 42 Jahre alt und habe mit dem Boxen erst vor drei Jahren angefangen. Vier ihrer letzten fünf Gegnerinnen seien unerfahren gewesen und hätten gegen Adkins ihr Profi-Debüt gefeiert.

 

Estrada hingegen sei 14 Jahre jünger, talentiert, erfahren und habe bereits gegen die Olympia-Siegerin Marlen Esparza gewonnen. Rosenthal zufolge sei Adkins von Offiziellen und Organisatoren „vor einen fahrenden Zug“ geworfen worden. Sie hätten die Schutzpflichten gegenüber der Kämpferin missachtet, schrieb Rosenthal in USA Today [Link auf Englisch]:

„Jemand mit gesundem Menschenverstand hätte vorher laut schreien sollen: ‚Wartet mal eine Sekunde! Wir bringen diese Frau in eine Situation, die unangemessen gefährlich ist. Das dürfen wir nicht’. Niemand hat das gemacht. Und Adkins hat dafür zahlen müssen. Sie hatte Glück, dass sie ohne Hilfe den Ring verlassen konnte.“

Das schnelle und brutale Ende des Kampfes schien sogar Estrada überrascht zu haben. Sie unterließ es, ihren Sieg im Ring zu feiern.