, 01.11.2020

Spielsucht-Experten in Sydney wünschen sich attraktive Alternativen, um Problemspielern die Abstinenz zu erleichtern. Im Rahmen des Programms Libraries After Dark sollen nun Büchereien ihre Öffnungszeiten verlängern und Betroffenen in den Abendstunden Angebote zur Freizeitgestaltung bieten.

 

Alternativen zu Alkohol und Glücksspiel

 

Die Wiedereröffnung der Spielangebote nach dem Corona-bedingten Lockdown bei gleichzeitig anhaltenden Vorsichtsmaßnahmen stellt die Suchthelfer in New South Wales seit Juni vor neue Herausforderungen.

 

Laut Marie Saliba vom Sozialdienst Core Community Services, litten insbesondere Familien mit niedrigem Einkommen und/oder Migranten unter der mit den Maßnahmen einhergehenden Isolation.

 

Das Programm Libraries After Dark könne dabei helfen, den Fokus von problematischen Beschäftigungsmöglichkeiten wie dem Glücksspiel abzulenken:

Abgesehen von Alkohol und Glücksspiel gibt es nicht besonders viele Möglichkeiten für Familien und wir hoffen, dass wir mit der Nutzung bereits bestehender Infrastruktur in der Region, einfach dadurch, dass wir den Büchereien erlauben, etwas länger geöffnet zu bleiben, eine Alternative für Menschen bieten können, die sich isoliert fühlen.

Zuvor hatten die Spielerschützer im australischen Bundesstaat New South Wales ihren Traum für einen kurzen Zeitraum erfüllt gesehen. Im Zuge der COVID-19-Prävention hatte die Regierung unter anderem den Betrieb der „Pokies“ genannten Spielautomaten untersagt. Rund drei Monate lang hatten Spielhallen und Co. ihre Pforten geschlossen halten müssen.

 

Vorreiter Victoria

 

Libraries After Dark war 2017 im Bundesstaat Victoria ins Leben gerufen worden. Seither bleiben die Büchereien in Melbourne und Umgebung donnerstags bis 22 Uhr geöffnet.

 

Susan Rennie ist Bürgermeisterin des Verwaltungsgebiets Darebin und langjährige Aktivistin im Kampf für mehr Spielerschutz. Sie sieht das Programm, das auch in ihren Bezirk zum Einsatz kommt, als vollen Erfolg. Während des vergangenen Jahrzehnts hätten die Büchereien einen großen Wandel vollzogen. So gehe es nicht mehr primär um Bücher, sondern vielmehr um Austausch, beispielsweise im Rahmen von Gesprächs- und Bastelgruppen oder Filmabenden.

Laut der verantwortlichen Victorian Local Governance Association (VLGA) diene Libraries After Dark insbesondere dazu, Risikogruppen Angebote zu Freizeitgestaltung und sozialem Miteinander zu machen. Finanziert wird die Unternehmung von der staatlichen Spielerschutzorganisation Victorian Responsible Gambling Foundation.

Marie Saliba gab an, sie hoffe, dass sich auch die Regierung von New South Wales zur Finanzierung von Libraries After Dark bereiterkläre. Gemeinsam mit weiteren Akteuren habe sie einen Brief an die Verwaltung aufgesetzt, in dem sie um die Unterstützung für ein entsprechendes Pilotprojekt bitte.

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