, 17.10.2020

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat in dieser Woche die Neuauflage ihres Fachheftes „Expertise zur Suchtprävention 2020“ veröffentlicht. Dieses soll allen im Bereich der Suchtprävention Tätigen aktuelle Erkenntnisse an die Hand geben. Unter anderem stellt der Band effektive Strategien gegen die Glücksspielsucht heraus.

 

Ziel der aktualisierten Auflage der „Expertise zur Suchtprävention 2020“ sei es, wie die Autoren erläutern, angewandte Präventionsformen zu und Strategien zu beurteilen. Im Fokus stünden dabei sämtliche Handlungsfelder: Familie, Schule und Hochschule, Gesundheitssystem, Medien und gesetzliche Rahmenbedingungen.

Die Methode

 

Für die aktualisierte Auflage wurden Publikationen ausgewertet, die zwischen 2012 und 2017 erschienen sind. Die Literaturrecherche, durchgeführt in internationalen Datenbanken wie Pubmed und Psyndex, hat dabei 1275 Treffer ergeben, aus denen 62 Arbeiten ausgewählt wurden. Darunter befanden sich 40 Metaanalysen und 20 narrative Reviews.

Die Studie der BzGA weist allerdings darauf hin, dass es nur so wenige Übersichtsarbeiten zur Prävention von Glücksspielsucht gebe, dass der Bericht hierzu handlungsfeldübergreifend erfolge. Spezifische Aussagen zur Präventionsarbeit beispielsweise speziell in Schule oder Familie seien demnach nicht möglich.

 

Publikationen haben an Aussagekraft gewonnen

 

Im Vergleich zur vorherigen Publikation, die sich auf Literaturauswertungen aus den Jahren 2006 bis 2013 bezog, seien in der neuen Analyse aussagekräftigere Veröffentlichungen identifiziert worden. So lasse sich auf Basis der Literatur nun eine Empfehlung für die Präventionsarbeit mit Jugendlichen geben.

 

Das Spielverhalten lasse sich demnach mit Programmen beeinflussen, die

Wissen über den Zufall vermitteln, die Fehleinschätzung von Gewinnchancen korrigieren und die Illusion der Kontrolle über das Glücksspiel hinterfragen sowie Entscheidungs-, Problemlösekompetenz und Selbstkontrolle üben.

Es habe sich gezeigt, dass diese Programme insbesondere die Einstellung gegenüber dem Glücksspiel beeinflussen konnten. Verhaltensänderungen seien jedoch nicht berichtet worden.

 

Insgesamt gebe es derzeit nur wenige Programme, die eine derartige Präventionsarbeit bei Jugendlichen leisteten. Zudem weise Dr. Toula Kourgiantakis, die auf soziale Arbeit spezialisiert ist, darauf hin, dass Kinder und Jugendliche aus Familien, die „glücksspielbelastet“ sind, ein erhöhtes Risiko hätten, selbst ein problematisches Glücksspielverhalten zu entwickeln. Es konnte jedoch kein einziges Programm hierzu gefunden werden.

 

Hier gebe es sowohl in der Forschung als auch in der Praxis eine große Lücke. Eine wichtige Aufgabe sei es, spezielle Präventionsprogramme für Kinder zu entwickeln, deren Eltern ein problematisches Glücksspielverhalten aufweisen.