, 31.10.2018

Der ehemalige Nationalspieler und derzeitige DFB Integrationsbeauftragte Cacau sprach am Dienstag erstmals öffentlich über Integration im deutschen Fußball, persönlich erfahrene Anfeindungen und den Fall Özil.  Im Interview mit der FAZ und SkySport wich er dabei keiner Frage aus.

 

Nationalhymne und klare Leitlinien

Das Thema Integration im deutschen Amateur- und Profifußball ist allgegenwertig und sorgte insbesondere in diesem Jahr für aufgeladene Diskussionen mit einem oft bitteren Beigeschmack.

 

Seit November 2016 besetzt der ehemalige Nationalstürmer Cacau (37), eigentlich Claudemir Jerônimo Barreto, den Posten des Integrationsbeauftragten des Deutschen Fußballbundes.

 

In dieser Rolle arbeitet er auf verschiedenen Ebenen vorwiegend mit Amateurvereinen an diversen Projekten, welche auf eine erleichterte Integration von Einwanderern und Flüchtlingen ausgerichtet sind. Eines der größten Projekte für Flüchtlinge ist seit einigen Jahren die Aktion „Willkommen im Fußball“.

Der DFB legt seit Jahren einen großen Schwerpunkt auf effiziente Integrationsarbeit. Die Rolle des Integrationsbeauftragten ist dabei nicht der einzige Ansatzpunkt. Bereits seit 2007 verleiht der DFB einen 150.000 Euro „DFB und Mercedes-Benz Integrationspreis“ an diejenige Instanz, die sich im jeweiligen Jahr als erfolgreichste erwiesen hat.

 

2009 fand darüber hinaus der erste Integrations-Aktionstag statt, welcher an 650 Standorten Deutschlands abgehalten wurde. 2011 hingegen wurden 100.000 Exemplare des „Praxishandbuch Integration“ an die Vereine verteilt. Darin enthalten sind 200 konkrete Praxistipps, um Integration effizienter zu gestalten.

Im aktuellen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach er in dem Zusammenhang insbesondere von der Wichtigkeit der deutschen Nationalhymne im Fußball.

 

Das Singen der Hymne ist seit je her ein fester Bestandteil großer internationaler Begegnungen, doch nicht jeder Spieler legt den gleichen Wert darauf oder verbindet die gleichen Emotionen mit dem symbolischen Gesang.

 

Cacau bemühte sich, dies möglichst vorsichtig zu kritisieren, denn für ihn selbst sei das Mitsingen unerlässlich. So solle man schon bei Jugendlichen Spielern ansetzen und diese für das Thema „sensibilisieren“, damit für diese das Singen der Hymne zu einer Selbstverständlichkeit werde.

 

Des Weiteren appellierte der 37-Jährige an den DFB und Deutschland im Allgemeinen, offener und klarer zu formulieren, was genau unter Integration zu verstehen sei und welche Erwartungen man dabei an Einwanderer habe. Eine Art „Kodex oder Leitvorstellungen“ für den deutschen Fußball seien eine Möglichkeit, gewisse Grundsätze schriftlich festzuhalten.

 

SkySport hakt bei Cacau bezüglich Özil nach

Nach seinem Interview mit der FAZ ließ es sich der TV-Sender SkySport nicht nehmen, an diversen Punkten noch einmal anzusetzen. Im Telefoninterview stellte sich Cacau den Fragen des Reporters zum altbekannten Fall Özil und seiner damit verbundenen medialen Abwesenheit.

 

Cacau hatte sich in der gesamten Diskussion nicht öffentlich zu Wort gemeldet, was von vielen Seiten kritisiert wurde. So sei er sogar bei einem Termin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von einer nicht namentlich genannten Person diesbezüglich indirekt beleidigt worden.

 

Der Ex-Stürmer zitierte die Worte des Unbekannten zensiert mit „Wo ist dieser…, [dann folgte ein Schimpfwort], … Integrationsbeauftrage des DFB?“. Danach habe er mit dem Mann gesprochen und ihm seine Rolle als Integrationsbeauftragter genau erklärt.

 

Hintergrund des Vorfalls war die verbreitete Erwartungshaltung, dass gerade Cacau zum Thema Özil hätte Stellung nehmen sollen. Warum er aber genau dies nicht getan hatte, erklärte er nun ausführlich im SkySport Interview. Auf den Punkt gebracht, hätte ihn der DFB schlichtweg nicht hinzugezogen. Cacau selbst sagte dazu:

Es war von Anfang an sehr verfahren, eine schwierige Situation, eine wahrscheinlich einmalige Situation für den DFB. Im Nachhinein muss man dann schon sagen, wenn man schon jemanden im Hause hat, der da Erfahrung hat, dann [wäre] es auch gut, sich mit [dieser Person] in Verbindung zu setzen und Fragen zu stellen, aber ich bin mir sicher, dass man eine Lehre aus dieser ganzen Geschichte gezogen hat oder ziehen wird.

Cacau stellte dennoch klar, dass er als Integrationsbeauftragter eher im Amateurbereich engagiert sei, und sich eben nicht mit den großen Profiverbänden auseinandersetzen würde. Zwar hätte er in der gesamten Diskussion seine Erfahrung und Meinung einbringen können, jedoch sei dies nicht Teil seines designierten Aufgabenbereiches.

 

Klare Antworten auf prekäre Fragen

Cacau wurde des Weiteren im Interview gefragt, wie er dazu stünde, dass Özil insbesondere von Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel zum „Sündenbock“ für das Ausscheiden des Teams gemacht worden sei.

 

In dieser spezifischen Sache verteidigte er den ehemaligen türkischstämmigen Nationalspieler. So sei zwar das Bild mit Erdoğan falsch gewesen, doch sei es ebenso falsch, deswegen einen einzelnen Spieler für das Ausscheiden aus der WM verantwortlich zu machen. Sportlich sei Özil nicht schlechter gewesen als die anderen Spieler.

 

Mesut Özil

Auch Cacau konnte keinen Kontakt zu Özil herstellen (Bild: Wikipedia)

Die darauffolgenden Reaktionen Özils könne Cacau jedoch keinesfalls nachvollziehen. Insbesondere der Vorwurf des Rassismus sei haltlos und „komplett daneben“ gewesen.

 

Er selbst habe jedoch ebenso wie Joachim Löw keinen Kontakt zu Mesut Özil herstellen können. Diesem jetzt weiter „hinterherzulaufen“ sei nicht der richtige Weg. Vielmehr solle man Özils Entscheidung akzeptieren und eine Lehre aus der gesamten Angelegenheit ziehen.

 

Die letzte Frage des Reporters zielte auf die aktuellen politischen Veränderungen in Brasilien, dem Heimatland Cacaus, ab. So fragte er den Ex-Spieler, ob man den neuen Präsidenten des Landes mit Erdoğan Vergleichen könne und ob ein ähnliches Foto zwischen Nationalspielern Brasiliens und dem Präsidenten für einen ähnlichen medialen Aufruhr sorgen würde.

 

Gewohnt diplomatisch antwortete der brasilienstämmige Deutsche, dass dies von den Werten des Brasilianischen Fußballverbandes (CBF) und dem Volk abhinge und man daher keinen direkten Vergleich ziehen könne.

 

Die perfekte Besetzung für den Posten

Dass der DFB Cacau vor gut zwei Jahren zum offiziellen Integrationsbeauftragten machte, verwundert beim Blick auf dessen persönliche Geschichte wenig. Cacao wurde 1981 in Santo André, Brasilien geboren und sah seinen persönlichen Weg schon in früher Jugend im Profifußball.

 

Nachdem sein Traum vom Fußball in Brasilien ins Stocken geriet, beschloss der damals 18-jährige, nach Deutschland zu gehen, um dort der Fußballwelt sein Talent zu beweisen. In München angekommen, spielte er 1999 beim bayrischen Landesligisten Türk Gücü München.

 

Cacau beim VfB Stuttgart

Cacau spielte erfolgreich beim VfB Stuttgart (Bild: Wikipedia)

Die türkischen Ansprachen des Trainers seien dabei eine besondere Herausforderung gewesen, insbesondere im Hinblick auf die beabsichtigte Integration in die deutsche Gesellschaft. Cacau selbst bezeichnet die gesamte Erfahrung jedoch als positiv und sprach von immenser Unterstützung und Herzlichkeit.

 

Seine Fußballerkarriere ging schnell steil nach oben, als ihn 2001 der 1. FC Nürnberg entdeckte und nur zwei Jahre später der VfB Stuttgart für sich gewinnen wollte. Nach seiner Einbürgerung im Jahr 2008 spielte er dann von 2009 bis 2012 für die deutsche Nationalmannschaft und hinterließ insbesondere bei der WM in Südafrika beeindruckende Spuren.

 

Aktuell arbeitet Cacau an verschiedenen Projekten mit Amateurvereinen, um dank seiner Expertise im Fußball und seiner persönlichen Einwanderungs-Erfahrungen anderen ausländischen Spielern bei der Integration in die deutsche Gesellschaft helfen zu können. Damit leistet der 37-jährige auch nach seiner Fußballerkarriere beim DFB wichtige Beiträge.