, October 21, 2018

Die Deutsche Fußball Liga macht derzeit wieder vermehrt auf ihr Projekt „Willkommen im Fußball“ zur Unterstützung von Flüchtlingen aufmerksam. Aufgrund des großen Erfolges der Initiative hat jetzt auch England sein Interesse bekundet, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen.

 

Fußball als Integrationshilfe für Flüchtlinge

Das DFL-Projekt „Willkommen im Fußball“ wurde im Jahr 2015 ins Leben gerufen, um jungen Flüchtlingen in Deutschland die Möglichkeit zu geben, sich über den Fußball in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.

 

Mitverantwortlich für das Projekt sind neben der DFL-Stiftung auch die deutsche Kinder- und Jugendstiftung sowie Anette Widmann-Mauz, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

 

Konkret besteht die Initiative aus einer fortlaufenden Kooperation verschiedener Proficlubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga oder auch Amateurvereinen mit Flüchtingsorganisationen oder Bildungsträgern vor Ort. Dabei geht es längst nicht nur um finanzielle Unterstützung durch den DFL und die Politik, die dieses Projekt unterstützt.

 

Vielmehr sollen Flüchtlinge, die seit ihrer Ankunft in Deutschland noch keinen strukturierten Alltag, keine Arbeitsrechte und keine sozialen Kontakte haben, einen ersten Anlaufpunkt finden, um in einem freundlichen Umfeld Menschen kennenzulernen und langfristige Perspektiven zu entwickeln.

Laut dem aktuellen Monatsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gingen in der Bundesrepublik im Jahr 2018 zwischen Januar und September 124.405 Erstanträge auf Asyl ein. Die meisten Antragsteller kommen aus Syrien, Irak und Nigeria.

 

Besonders hoch waren die Zahlen 2015 und 2016, wo insgesamt jeweils 476.649 bzw. 745.545 Anträge eingingen. Die Region Nordrhein-Westfahlen hat dabei mit 29.994 Anträgen die meisten Fälle bearbeitet. Es folgen die Länder Bayern, Niedersachen und Baden-Württemberg. Mehr als ein Viertel aller Anträge bezog sich auf Kinder zwischen 0 und 4 Jahren. Insgesamt überwiegen über alle Altersgruppen verteilt mit 56,8 % die männlichen Antragsteller.

Neben den Erfahrungen auf dem Fußballplatz erhalten die Flüchtlinge im Rahmen des Projekts auch intensive sprachliche Förderung und die Möglichkeit, Qualifizierungsangebote in Anspruch zu nehmen, welche beim späteren Berufseinstieg von großem Nutzen sein können.

 

Stefan Kiefer, Vorstandsvorsitzender der Bundesliga-Stiftung, sprach seine Hoffnung aus, dass die Erfolge der Initiative auch andere gesellschaftliche Bereiche zur Flüchtlingshilfe inspirieren könnten:

Wir möchten mit “Willkommen im Fußball” durchaus auch andere gesellschaftliche Akteure für ein ähnliches Engagement begeistern. Das Programm liefert Praxisbeispiele für ein gelungenes Miteinander und eine erfolgreiche Integration durch Sport. Darüber hinaus möchten wir aber auch Signal ein an die Gesellschaft senden und möglichst viele Menschen motivieren, einen Beitrag für eine gelingende Willkommenskultur in Deutschland zu leisten.

Laut Kiefer eigne sich der Sport hervorragend als Integrationshilfe, da dieser Menschen zusammenbringe, Struktur gebe und gleiche Regeln für alle Teilnehmenden festsetze.

 

Derzeit nehmen 23 verschiedene deutsche Städte und insgesamt 3.500 Menschen an dem Projekt teil. Dabei gibt es 67 Trainingsangebote und Fußballturniere sowie 60 Kultur-, Bildungs-, Qualifizierungs-, und Vernetzungsangebote.

 

Spannende Einzelschicksale belegen den Erfolg

Am Donnerstag veröffentlichte die DFL auf Ihrer Website vier Kurzfilme, in denen die Geschichten von vier jungen Männern erzählt werden, die nach ihrer Flucht aus verschiedenen Krisengebieten über das Projekt „Willkommen im Fußball“ in Deutschland schnell Fuß fassen konnten.

 

Einer der vorgestellten Männer ist der Syrer Yazan Hoshmi, der seit 2015 in Freiburg lebt. Als politischer Flüchtling kam der ehemalige Journalist nach Deutschland, weil die Al-Assad Armee gezielt regimefeindliche Journalisten verfolgte und tötete.

 

Yazan Hoschmi Freiburg

Der Syrer Yazan Hoschmi mit seinen Fußballfreunden (Bild: youtube)

Über die Veranstaltung „Freunde statt Fremde“, welche ein freies Trainingsangebot des FC Freiburgs ist, kam der Syrer mit dem Projekt in Kontakt. Dort fand er schnell Anschluss und gute Freunde und entwickelte eine Leidenschaft für den Sport. Derzeit studiert Yazan auf Lehramt und strebt danach, als Grundschullehrer zu arbeiteten und in seiner Freizeit Kinder und Jugendliche im Fußball zu trainieren.

 

Ein weiteres Musterbeispiel für den Erfolg des Projektes ist der 21-jährige Äthiopier Ibsa Hussen, dem in seinem Heimatland das Gefängnis drohte, da er an einer Demonstration teilnahm.

 

Jetzt arbeitet Ibsa als E-Jugend-Trainer in Nürnberg, macht gleichzeitig eine Ausbildung zum C-Trainer und spielt selbst mit großer Begeisterung beim ASN-Pfeil Phönix. Wie andere Flüchtlinge auch darf Ibsa trotz seiner guten Deutschkenntnisse nicht arbeiten und eigenes Geld verdienen. Er hofft, irgendwann in Deutschland als Automechaniker arbeiten zu können.

 

DFL soll Starthilfe in England geben

Das Projekt erhielt auch international große Aufmerksamkeit und wurde 2015 in London sogar mit dem „Beyond Sport Award“ aus der Kategorie „Humanitarian in Sport“ ausgezeichnet. 2017 hingegen wurde sie als Stiftung des Jahres bei den „Peace and Sport Awards“ in Monaco nominiert.

 

Großen Zuspruch erhält das Projekt auch auf EU-Ebene. Neben einer Auszeichnung mit dem „BeInclusive EU Sport Award“ zeigte sich die EU-Kommission bisher auch durch Fördermittel aus dem Programm „Erasmus+“ erkenntlich.

 

DFL-Stiftung

Die DFL-Stiftung als Inspiration für andere Länder (Bild: Wikipedia)

Derzeit schaut man aus England mit besonderem Interesse auf „Willkommen im Fußball“. Am Donnerstag besuchte die Amnesty International zusammen mit den Vertretern verschiedener englischer Profifußballclubs die DFL Stiftung in Frankfurt.

 

Darunter waren die drei Premier League Teams, Chelsea, Fulham und Leicester City, sowie die Championship Vereine Aston Villa und Middlesbrough FC. Die Clubs sind daran interessiert, ein ähnliches Projekt in Großbritannien zu schaffen.

 

Kerry Moscogiury, die Leiterin der Abteilung für Hilfskampagnen und Kommunikation bei Amnesty International UK, sagte, dass man durch den Besuch die nötigen Erkenntnisse gewinnen wollte, um „das Programm auch im Vereinigten Königreich etablieren zu können“.

 

Sollten die britischen Fußballclubs wirklich in Kürze eine ähnliche Initiative starten, wäre dies ein weiterer großer Erfolg für die DFL. Am meisten profitieren aber die Betroffenen selbst, die Flüchtlinge, denen durch den Fußball die Türen zu einem neuen und besseren Leben geöffnet werden können.