, 19.09.2020

Der „Nebenjob“ des englischen Parlamentarier Rob Butler hat für Schlagzeilen gesorgt. Wie die britische Tageszeitung Mirror am Donnerstag berichtet hat [Seite auf Englisch], habe der aktuelle Betreiber der britischen Nationallotterie, Camelot, den Politiker beauftragt, ein „Medien-Training“ mit dem Unternehmen durchzuführen.

 

Zwar unterstütze Butler das Unternehmen in ähnlichen Bereichen bereits seit dem Jahr 2005, doch sei er erst seit 2019 Mitglied des britischen Parlaments. Andere Parlamentarier hätten daher nun Zweifel geäußert, ob seine Arbeit für Camelot unter diesen Umständen angemessen sei.

 

So solle er seine Rolle bis mindestens März 2022 fortführen. Insgesamt erhalte er für diesen Zeitraum 130.000 GBP (umgerechnet 142.348 Euro), was bei 14 Arbeitsstunden pro Monat einen Stundenlohn von mehr als 400 GBP ergebe.

 

Nach der Aussage Camelots bestehe Butlers Hauptaufgabe darin, den Ruf des Unternehmens aufzubessern. Laut Camelots PR-Chefin Miranda Pugh stelle er eine „Reihe außerordentlicher Dienstleistungen“ zur Verfügung.

Er wird dem Geschäft als erstklassiger Medientrainer nicht nur eine beeindruckende Erfolgsgeschichte verschaffen, sondern auch weiterhin eine unbezahlbare Rolle dabei spielen, unser Team für Unternehmensangelegenheiten in Sachen Entwicklung der Kernbotschaft und Krisenmanagement zu beraten.

Gegenüber dem Mirror präzisierte Butler selbst, dass seine Aufgabe darin bestehe, die Angestellten von Camelot auf Interviews in Zeitungen, Radio und TV vorzubereiten. Er berate sie in Sachen Inhalt und Performance.

 

Ein offensichtlicher Interessenskonflikt?

Besonders brisant an der Sache sei jedoch der Umstand, dass Camelots Lizenz für den Betrieb der Nationallotterie im Jahr 2023 auslaufen werde. Das Unternehmen habe vor einiger Zeit bekannt gegeben, dem Konkurrenzkampf um die nächste Lottolizenz erneut beitreten zu wollen.

 

Die plötzliche Verbindung in die Politik werfe daher Fragen auf. Die Parlamentarierin Christine Jardine spricht daher von möglichen Interessenskonflikten.

Wenn ein Lizenzvertrag für den Betrieb der Lotterie mit im Spiel ist, dann verdient die Öffentlichkeit die Gewissheit, dass die Parlamentarier im öffentlichen Interesse handeln und nicht in den Taschen der Lobbyisten sitzen. Einen derartigen Interessenskonflikt zuzulassen, wäre ein absoluter Skandal.

Laut Butler gebe es keinen Anlass zu dieser Sorge. Camelot habe ihn nie gebeten, auf Basis seiner Funktion im Parlament als Lobbyist zu agieren. Seine Aufgaben seien gänzlich transparent.

 

Auch den Vorwurf, dass das Geld, das Camelot ihm zahle, vom verfügbaren Budget für wohltätige Zwecke abgezogen werde, habe Butler bestritten. Zwar sei Camelot gestattet worden, einen Teil der Gelder für wohltätige Zwecke stattdessen in den Bereich Marketing zu investieren, doch betreffe dies nicht Butlers „Gehalt“.