, 29.03.2021

Der österreichische Glücksspielkonzern Casinos Austria AG (CASAG) muss nach einem neuen CEO Ausschau halten. Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner wolle ihren im April 2022 auslaufenden Vertrag nicht verlängern, berichtet heute Morgen die österreichische Zeitung Kurier.

 

Die Information über die Entscheidung der 59-jährigen Managerin stamme aus Aufsichtsratskreisen. Warum Glatz-Kremsner ihre Führungsposition verlassen wolle, sei bislang Spekulation. Weder sie selbst noch Konzern-Sprecher Patrick Minar seien für einen Kommentar bislang erreichbar gewesen.

 

Ein offizielles Statement ihrerseits sei indes am morgigen Dienstag im Rahmen der Aufsichtsratssitzung des Konzerns zu erwarten. Sicher sei bisher lediglich, dass die Chefin „aus freien Stücken“ gehe. Sowohl die tschechische SAZKA-Group, mit 53,2 % Mehrheitseignerin der CASAG, als auch die Staatsholding ÖBAG, die 33,2 % der Anteile hält, seien mit ihrer bisherigen „Performance hoch zufrieden“.

In der Presse stand Bettina Glatz-Kremsner in den letzten anderthalb Jahren jedoch nicht nur gut dar. So untersucht der parlamentarische Ibiza-U-Ausschuss seit Januar 2020 unter anderem, inwieweit Glatz-Kremsner 2019 an der umstrittenen Bestellung Peter Sidlos in den CASAG-Finanzvorstand beteiligt gewesen sein könnte. Bei ihrer Befragung im September vergangenen Jahres beteuerte sie, in keiner Weise involviert gewesen zu sein. Im Oktober berichtete dann die Zeitung Standard, dass die CASAG-Chefin bei genannter Befragung insgesamt sechs Falschaussagen gemacht haben soll.

Ihre Karriere im Glücksspiel-Sektor startete Glatz-Kremsner 1990 bei der CASAG-Tochter Österreichische Lotterien. Von 1991 bis 1997 war sie Geschäftsführerin der damaligen ungarischen Tochterfirma Lotto Union. Ein Jahr später wurde sie Assistentin des CASAG-Vorstandes.

 

Seit mehr als zehn Jahren im Vorstand

Sie selbst schaffte es schließlich 2010 in den Vorstand des Konzerns, 2013 dann auch in den Aufsichtsrat der Casinos Austria International Holding GmbH. Im Mai 2019 wurde sie zur Vorstandsvorsitzenden der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien gewählt.

 

Von den rund 3.000 inländischen Mitarbeitern des Konzerns sei sie dabei stets geschätzt worden, schreibt der Kurier. Sie habe „dringend notwendige Stabilität in die Firma“ gebracht.

 

Auch das Krisenjahr 2020 habe Glatz-Kremsner als CEO des Konzerns gut gemeistert. Die aufgrund der Corona-Krise erlittenen Verluste der Casinos Austria AG hätten vor allem durch das von ihr initiierte ReFIT-Sanierungsprogramm abgefedert werden können.

Im Rahmen des Programms hatte der Konzern im Sommer letzten Jahres insgesamt 500 Mitarbeiter entlassen. Durch diese und weitere Maßnahmen, darunter Gehaltskürzungen auf allen Konzern-Ebenen, sollten 50 Mio. Euro jährlich eingespart werden. Eines der Hauptziele war es, alle zwölf Casinos-Standorte im Inland erhalten zu können.

Wer übernimmt den Posten als CEO?

Wer ab April nächsten Jahres den Posten Glatz-Kremsners übernehmen könnte, sei ungewiss. Zuständig für die Nominierung sei die ÖBAG. Deren „Wunschkandidat“ sei ein österreichischer Glücksspielmanager. Da ein solcher jedoch nahezu unmöglich zu finden sei, könnte der oder die künftige CEO auch aus einer anderen Branche an Bord geholt werden.

 

Glatz-Kremsners Vorstandskollege Martin Škopek werde voraussichtlich in seiner derzeitigen Rolle als Vorstandsdirektor der Casinos Austria AG und der Österreichischen Lotterien GmbH bleiben.

 

Angesichts der noch ungeklärten Vorwürfe der Postenschacherei dürfte bei der Nominierung des oder der neuen CEO jedoch insgesamt Vorsicht geboten sein, um etwaige politische Verflechtungen auszuschließen.