Sonntag, 02. Oktober 2022

Geldwäsche-Verdacht: Casinoangestellte erhält Abfindung von Casino

Britische Pfund 20 Pfund Geldscheine

Casinos in Großbritannien sind per Gesetz dazu verpflichtet, potenzieller Geldwäsche vorzubeugen. Eine Angestellte des Casino 36 im englischen Wolverhampton versuchte 2017, dies im Rahmen ihrer Arbeit zu tun. Kurz darauf verlor sie ihren Job.

Wie die englische Lokalzeitung Express & Star heute berichtet [Seite auf Englisch], habe Jayne Bailey zu jener Zeit als Compliance-Beauftragte des Casinos gearbeitet.

Zu ihren Hauptaufgaben habe es gezählt, auffällige Zahlungsmuster von Kunden zu identifizieren und zu melden, da diese auf kriminelle Aktivitäten hindeuten könnten.

Warnungen vom Chef ignoriert

Bei der Überprüfung von Zahlungen sei sie auf mehrere Kunden gestoßen, die innerhalb kurzer Zeit große Geldsummen verspielt hätten. Ein Kunde habe innerhalb von 12 Monaten insgesamt 77.000 GBP (umgerechnet 86.276 Euro) im Casino verloren.

Ein weiterer Kunde habe in einem Zeitraum von drei Monaten 10.800 GBP (umgerechnet 12.101 Euro) für sein Glücksspiel ausgegeben.

Darüber hinaus sei ihr aufgefallen, dass mehrere Spieler mit ungewöhnlich großen Summen Münzgeld im Casino gespielt hätten, was ebenfalls ein Warnsignal für mögliche Geldwäsche sei.

Um eine Glücksspiellizenz von der britischen Glücksspielaufsicht (UKGC) zu erhalten, müssen Casino-Betreiber verschiedene Maßnahmen zur Geldwäscheprävention und -bekämpfung einhalten. Die Behörde beruft sich dabei unter anderem auf das Gesetz über Erträge aus Straftaten von 2002. Dieses verlangt, dass jeder Verdacht auf Geldwäsche-Aktivitäten bei der United Kingdom Financial Intelligence Unit (UKFIU) gemeldet werden muss.

Bailey habe daher ihren Arbeitgeber darauf hingewiesen, dass die betroffenen Kunden befragt und um Nachweise über die Herkunft der Gelder gebeten werden müssten.

Der Leiter des Casinos habe diese Warnungen jedoch mit dem Hinweis abgetan, dass es sich bei den Einsätzen um zuvor im Casino gewonnene Gelder handle.

Job verloren und vor Gericht gezogen

Ihr Arbeitgeber habe ihr daraufhin „dringend geraten“, eine andere Aufgabe innerhalb des Casinos zu übernehmen.

Er habe ihre Arbeit als Compliance-Beauftragte als „inakzeptabel“ bezeichnet und sie darauf hingewiesen, dass sie sich noch immer in Probezeit befunden habe. Statt eine andere Rolle anzunehmen, habe sie das Casino verlassen.

Anschließend habe sie vor einem Arbeitsgericht geklagt, um eine Abfindungszahlung des Casinos einzufordern und Recht bekommen. Während seiner Urteilsverkündung, habe der zuständige Richter gesagt:

Es ist offensichtlich, dass die Klägerin ein klares Verständnis darüber zeigt, was im Interesse der Öffentlichkeit ist, nämlich die Verringerung und Vorbeugung von Verbrechen und der Schutz von Menschen, die anfällig für Glücksspielsucht sind.

Die Höhe der Abfindung, die die ehemalige Casinoangestellte erhalten soll, ist öffentlich nicht bekannt.