, 22.05.2021

Die Zukunft von Europas größtem Casino bleibt ungewiss. Vor vier Jahren hatte das italienische Casinò di Campione Insolvenz anmelden und schließen müssen. Im April berichteten italienische Medien, dass es Pläne gebe, die prunkvolle Spielbank bereits im September dieses Jahres wieder zum Leben zu erwecken. Dafür bedürfe es jedoch der Zustimmung des zuständigen Gerichtes von Como.

 

Wie die Zeitung Il Giorno Como diese Woche berichtet hat, arbeiteten die Betreiber des Casinos unabhängig von der Entscheidung des Gerichtes bereits an einem grundlegend neuen Firmenkonzept. Das Casinò di Campione solle der erste Spielbetrieb Italiens werden, der als sogenannte „Società Benefit“ operieren solle.

Die Unternehmensart „Società Benefit“ (zu Deutsch: Wohltätigkeits-Gesellschaft) ist im Januar 2016 in Italien erstmals eingeführt worden. In Europa existiert das Konzept in seiner genauen Form in keinem anderen Staat. In den USA ähnelt es den sogenannten „Benefit Corporations“.

 

Bei einer Società Benefit sollen die erzielten Profite nicht allein dem jeweiligen Unternehmen nutzen, sondern auch in transparenter und verantwortungsvoller Weise positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und das direkte Umfeld haben. Das jeweilige Unternehmen verpflichtet sich, durch Änderung der offiziellen Unternehmenssatzung langfristig konkrete Projekte zu finanzieren.

Allerdings müsse das Casinò di Campione seine Finanzen in Zukunft mit besonderer Achtsamkeit organisieren. Um ein erneutes Scheitern zu verhindern, müsse ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen dem notwendigen Gewinn zum Erhalt der Spielbank und den Pflichtabgaben an die Kommune gefunden werden.

 

Hinzukämen dann langfristig die neuen Abgaben, die im Rahmen der Unternehmensumwandlung in eine Società Benefit entstünden. Weitere Schulden dürften unter keinen Umständen gemacht werden. Die bereits existierenden Schulden in Höhe von 130 Mio. Euro sollten nach und nach durch den eigenen Geschäftserfolg abgebaut werden.

 

Richterschaft noch unschlüssig

Doch kann das neue Sozial- und Unternehmenskonzept der Casino-Betreiber auch das Gericht überzeugen? Wie die Zeitung Il Corriere di Como berichtet [Seite auf Italienisch], sei im Rahmen der jüngsten Anhörungen in diesem Monat viel Kritik geäußert worden. Erst am Montag habe die Staatsanwaltschaft von Como Zweifel am Finanzkonzept des Casinos geäußert.

 

Eine Wiedereröffnung im September sei keinesfalls realistisch. Wenn überhaupt, müsse man mit dem Jahresende rechnen, heißt es. Die Entscheidung obliege nun der Richterschaft, bestehend aus dem Gerichtspräsidenten Ambrogio Ceron, dem Richter Marco Mancini und der Richterin Annamaria Gigli. Bislang hätten diese sich in ihren Äußerungen eher zurückhaltend präsentiert. Wann diese ihre endgültige Entscheidung mitteilen werden, sei noch ungewiss.