Mittwoch, 28. September 2022

Besonderer Service: Gefälschte Coronatest-Ergebnisse im Casino?

Medizinisches Personal mit Coronatest Getestet wurde in dem Casino wohl nicht. Negative Ergebnisse gab es trotzdem. (Quelle:unsplash.com/Mufid Majnun)

Ein Casino im nordmazedonischen Dojran soll Spieler mit gefälschten Negativ-Corona-Testzertifikaten versorgt haben. Dies legen Recherchen eines griechischen Investigativ-Journalisten nahe.

Die Dokumente hätten dazu gedient, griechische Spieler über die nahegelegene Grenze zu locken und ihnen eine unkomplizierte Rückreise zu ermöglichen. Das nordmazedonische Innenministerium kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an.

Gefälschter Coronatest vom Casino?

Christos Nikolaidis, Journalist des griechischen Fernsehsenders OPEN, hatte sich mit einer versteckten Kamera [Video auf Griechisch] in das größte Casino in der nordmazedonischen Stadt Dojran begeben.

Die Aufnahmen zeigen, dass das Casino nicht nur auf die obligatorische Prüfung von Impf- bzw. Testergebnissen verzichtet.

Vielmehr werden dem Journalisten ohne Weiteres Dokumente bereitgestellt, die seine problemlose Wiedereinreise nach Griechenland ermöglichen. Darunter auch ein Zertifikat über das negative Ergebnis eines Schnelltests, den er nie gemacht hatte.

Dem Investigativ-Portal BIRN gegenüber beschrieb [Seite auf Englisch] Nikolaidis den Ablauf:

Wir gingen zu einem Schalter, wo wir bezahlten und zur Vorbereitung unserer Dokumente unsere Ausweise abgaben. Wir nahmen die Casinochips und begannen zu spielen. Nach einer Weile kam ein Angestellter und brachte uns nicht nur das negative Ergebnis des gefälschten Schnelltests, sondern auch das PLF-Formular, das wir für die Rückkehr nach Griechenland benötigen.

Die Aufnahmen belegen, wie griechische Casino-Besucher über Lautsprecher aufgefordert werden, benötigte Formulare auszufüllen. Das Geschehen erweckt den Anschein, dass die Ausgabe gefälschter Testergebnisse in dem Casino System hat.

Steigende Fallzahlen nach Casino-Besuchen?

Eigenen Angaben zufolge habe Nikolaidis die Recherchen aufgenommen, nachdem es in einem Dorf auf griechischer Seite im Grenzgebiet eine auffällige Häufung von Coronafällen gegeben habe.

Er habe den Verdacht gehegt, dass sich die Betroffenen möglicherweise bei Glücksspiel-Ausflügen ins Nachbarland angesteckt haben könnten.

Aktuell gilt, dass die Einreise nach Griechenland, unabhängig von der Nationalität, nur mit Impfbescheinigung oder Zertifikat über die Genesung erlaubt ist. Zusätzlich vorgelegt werden müssen ein maximal 72 Stunden altes negatives PCR-Testergebnis oder ein negatives Ergebnis eines Antigen-Schnelltests, der maximal 24 Stunden vor der Ankunft durchgeführt wurde.

So seien die Dutzenden Casinos der Region trotz insgesamt angespannter COVID-Situation nach wie vor für viele Griechen beliebte Ziele. Insbesondere über die Feiertage hätten die Glücksspiel-Tempel mit attraktiven Angeboten geworben.

Offenbar mit Erfolg: Dem Medienportal voria.gr zufolge sollen in den letzten Tagen des Jahres 2021 täglich rund 900 Menschen die Grenze von Griechenland nach Nordmazedonien passiert haben. Wie viele von ihnen ihre Rückreise möglicherweise mit gefälschten Testergebnissen gesichert haben könnten, ist nicht auszumachen.

Innenministerium äußert sich zu Casino-Vorwürfen

Das nordmazedonische Innenministerium teilte unterdessen mit, dass es im Jahr 2021 vier Fälle von gefälschten Impfbescheinigungen und rund 430 Fälle von gefälschten Bescheinigungen für PCR-Tests aufgedeckt habe, die zur Ausreise verwendet wurden. Das Ministerium habe 130 Strafanzeigen wegen der Fälschung von PCR-Tests gestellt.

Zu den aktuellen Berichten gaben sich die Verantwortlichen schmallippig. So lägen bislang keine stichhaltigen Belege vor, nach denen Testergebnisse in besagtem Casino gefälscht worden seien. Die Angelegenheit werde jedoch genauer geprüft.