, 29.07.2021

Die Berliner Polizei ist gestern mit einem Sondereinsatzkommando gegen das illegale Glücksspiel im Bezirk Moabit vorgegangen. In einer Wohnung stießen die Beamten auf einen Spielautomaten und fünf Verdächtige. Ebenfalls am Mittwochmorgen hatte ein Großaufgebot berlinweit Razzien in Dutzenden privaten Corona-Testzentren durchgeführt. Unter anderem sollen sich kriminelle Mitglieder von Großfamilien durch Abrechnungsbetrug bereichert haben.

 

SEK stürmt Privatwohnung

 

Wie die Berliner Polizei heute per Pressemeldung bekanntgab, hatten Spezialeinsatzkräfte am Mittwochmorgen auf richterlichen Beschluss eine Wohnung in Moabit gestürmt. Anlass für den massiven Einsatz in dem Mehrfamilienhaus seien Informationen eines anonymen Anrufers gewesen:

Gegen 6.20 Uhr alarmierte ein bislang unbekannter Anrufer die Polizei zur Beusselstraße. Dort sollen sich in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses mehrere Personen zum illegalen Glücksspiel zusammengefunden haben. Zudem sollen die Personen bewaffnet sein.

Vor Ort seien die Beamten auf zwei Männer und drei Frauen gestoßen. Bei einer der weiblichen Anwesenden habe es sich um eine Minderjährige gehandelt. Der Verdacht des illegalen Glücksspiels habe sich insofern erhärtet, dass die Polizei einen Spielautomaten in der Privatwohnung vorgefunden habe. Von den behaupteten Waffen habe es jedoch keine Spur gegeben.

 

Allerdings habe sich bei der Feststellung der Personalien eines der Anwesenden herausgestellt, dass dieser per Haftbefehl gesucht worden sei. Entsprechend sei der Mann dem Landeskriminalamt überstellt worden. Seine Bekannten befänden sich wieder auf freiem Fuß, die Ermittlungen dauerten jedoch an.

 

„Goldgräberstimmung im Milieu“

 

Ungefähr zeitgleich waren laut Berliner Polizei über 200 Beamte bei weiteren Razzien im Einsatz. Insgesamt seien berlinweit über 150 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt worden. Der Verdacht richte sich gegen mehr als 50 Personen.

 

Das Landeskriminalamt und die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hätten Hinweise darauf gehabt, dass Betrüger seit Monaten mit Corona-Teststellen den großen Reibach machten.

Im Rahmen der Maßnahmen waren auch in Berlin bestimmte Aktivitäten nur unter Vorlage eines negativen Corona-Testergebnisses möglich. In der Stadt entstanden in Kürze rund 1.600 privat betriebener Teststellen. Die Kosten der Tests trägt das Bundesamt für Soziale Sicherung. Die Betreiber, so Medienangaben, hätten zunächst pauschal pro Test 18 Euro über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen können. Eine Überprüfung der tatsächlich geleisteten Tests habe es nicht gegeben.

So seien die Beamten bereits bei früheren Durchsuchungen auf auffällige Abrechnungen gestoßen, die den Verdacht nahegelegt hätten, dass „kriminelle Clanstrukturen“ in den Betrieb der Teststellen involviert seien.

 

Ein Beamter habe dem Tagesspiegel gegenüber angegeben, die Möglichkeiten der Corona-Teststellen hätten für „Goldgräberstimmung“ im Milieu gesorgt. So verfügten die Akteure über eine Vielzahl von Lokalen, die sich als angebliche Testzentren angeboten hätten.

 

Unter anderem ist bekannt, dass die einschlägigen kriminellen Strukturen auch Wettbüros und Spielhallen betreiben, um illegal erworbene Gelder zu waschen. Es ist möglich, dass im Zuge des Lockdowns zwangsweise geschlossenen Glücksspiel-Stätten als Adresse von vermeintlichen Testzentren genutzt worden sein könnten.

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