, March 12, 2019

Heute Nachmittag beginnt in der englischen Grafschaft Gloucestershire das berühmte jährliche Cheltenham Festival. Fans des Pferdesportes können sich über vier Tage mit hochklassigen Rennen freuen und die Buchmacher nehmen wie in jedem Jahr viele Millionen Pfund ein. Doch viele sind auch besorgt, denn das beliebte Rennen könnte nach dem Brexit vor großen Problemen stehen.

 

Das größte Rennen Großbritanniens

Die Pferdegrippe scheint überstanden zu sein und das Cheltenham Festival kann auch im Jahr 2019 wieder wie geplant stattfinden. Vom 12.03. bis zum 15.03. werden in 28 verschiedenen Rennen die besten Pferde der westeuropäischen Pferdezucht gegeneinander antreten.

 

Die jungen Wallache, ihre Jockeys und Trainer sind bereit, den jährlichen Kampf um riesige Preisgelder anzutreten und die in diesem Jahr ausgeschriebenen Gewinnsummen brechen einige Rekorde.

 

Bei der heutigen Unibet Champion Hurdle Challenge können beispielsweise 450.000 GBP (knapp 527.000 Euro) gewonnen werden, bei dem Magners Cheltenham Gold Cup Steeple Chase am Freitag sogar 625.000 GBP (knapp 732.000 Euro).

 

Cheltenham Rennstrecke

Volle Zuschauerränge erwartet (Bild: Geograph)

Wie im Vorjahr werden trotz des aktuell schlechten Wetters auch wieder weit mehr als 200.000 Zuschauer vor Ort erwartet. Tickets für die letzten Rennen am Freitag sind schon seit längerem ausverkauft.

 

Für den britischen Pferderennsport ist das Cheltenham Festival, dessen Geschichte mehr als 200 Jahre zurückreicht, eines der wichtigsten Events des Jahres. Besonders in den letzten 30 Jahren erlebte das jährliche Festival einen massiven Boom auf allen Ebenen.

 

So sind nicht nur die Zuschauerzahlen und die ausgeschriebenen Preisgelder fast kontinuierlich gestiegen, sondern auch die Veranstalter und nicht zuletzt die Buchmacher konnten ihre Einnahmen vervielfältigen.

 

Sportwetten im Wert von 300 Mio. GBP

Für die Buchmacher ist das Cheltenham Festival jedes Jahr ein besonderer Anlass zur Freude. Denn im Versuch, aufs richtige Pferd zu setzen, investieren die Briten an den vier Eventtagen allein mehr als 300 Millionen Pfund in Sportwetten.

 

Neben den Fußballspielen der Premier League, Championship und Champions League sind die vielen Pferderennveranstaltungen des Landes mit großem Abstand die beliebtesten Gelegenheiten, beim Buchmacher Wetten zu platzieren.

 

Die Pferdewetten können nicht nur vor Ort an der Rennbahn abgegeben werden, sondern auch der Online Sportwettenmarkt boomt. Viele Online Buchmacher werben sogar mit besonderen Bonusaktionen, wenn sich Neukunden im Rahmen des Cheltenham Festivals anmelden.

Auch im diesjährigen Cheltenham Festival gibt es für einige Rennen ganz klare Favoriten. Für die Betway Queen Mother Champion Chase am Mittwoch beispielsweise setzen viele auf das Rennpferd Altion (Quoten von 4/9), für den JCB Triumph Hurdle am Freitag auf Sir Erec (Quoten von 6/5).

 

Deutlich bessere Quoten erhalten Wetter natürlich bei den Underdogs und jungen Pferden. Bei den heutigen Spielen beispielsweise sind die Wettquoten bei fast jedem Rennen und jedem Pferd sehr gut. Gerade beim Eröffnungsrennen, dem Surpreme Novices‘ Hurdle lässt sich kein Favorit festlegen. Wer hier geschickt setzt, kann dank Quoten von mindestens 9/2 und höchstens 200/1, durchaus gute Gewinne erzielen.

Könnte der Brexit das Cheltenham Festival ruinieren?

Doch abgesehen von den vielen grauen Regenwolken schwebt noch eine weitere dunkle Wolke über dem diesjährigen Festival. Sofern die Politik, wie ursprünglich vorgesehen, ihren Lauf nimmt, könnte Cheltenham 2019 das letzte seiner Art vor dem lauernden Brexit werden.

 

Die Aufsichtsbehörden des britischen irischen Pferderennsports, die British Horseracing Authority (BHA) und der Irish Horsecasing Regulatory Board (IHRB), teilen in Bezug auf den Brexit die gleichen Sorgen.

 

Brian Kavanagh, der Vorsitzende des IHRB sagte dazu:

Unsere größte Angst ist ein Austritt ohne Deal. Das hätte immense negative Folgen für unsere Industrie und ich kann nicht verstehen, warum irgendwer das wollen würde, denn im schlimmsten Fall würde die gesamte Branche zum Erliegen kommen.

Konkret gemeint ist damit vor allem der Transport der Zuchtpferde zwischen Irland und Großbritannien. Laut Kavanagh werden 60 % der in Irland gezüchteten Vollblutpferde ins europäische Ausland exportiert, 80 % davon direkt nach Großbritannien. In der Tat kämen alle der Pferde, die am diesjährigen Cheltenham Festival teilnähmen, entweder aus Irland oder aus Frankreich.

 

Wie die britische Zeitung The Guardian [Artikel auf Englisch] berichtete, arbeite die BHA seit längerem an einem Aktionsplan für das Worst-Case-Szenario, damit der Freihandel mit den Rennpferden möglichst barrierefrei fortbestehen kann.

 

Derzeit sehe es so aus, als könnten die Pferde auch nach dem Brexit ohne zusätzliche Checks zumindest importiert werden. Allerdings soll es für deren Rückkehr nach Frankreich und Irland dann entsprechende zeit- und papieraufwändige Kontrollen geben

 

Die britische Regierung hatte sich längst für den freien Warenverkehr in beide Richtungen ausgesprochen, jedoch konnte mit der EU in diesem wie in vielen weiteren Streitpunkten keine Einigung erreicht werden.

 

Angesichts der großen Ungewissheit darüber, was nach dem 29 März mit dem britischen Pferderennsport und insbesondere den ganz großen Events passieren wird, können Zuschauer und Fans jetzt nur eines tun: das Cheltenham Festival 2019 in vollen Zügen genießen.