, 19.04.2020

Im Dezember wurde in Liechtenstein das vierte Casino eröffnet. Das Glücksspiel brachte viel Geld in das kleine Land, zumindest bis zum 17. März 2020, denn an diesem Tag veranlasste die Regierung im Rahmen der Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus die Schließung aller Spielstätten.

 

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden bemessen ist, lassen die Zahlen aus dem Jahre 2019 vermuten. Rund 80 Mio. CHF (ca. 76 Mio. Euro) wurden generiert. Davon flossen etwa 30 Mio. CHF in die Staatskassen. Im Vergleich zu 2018, als 19 Mio. CHF Geldspielabgabe an Liechtenstein gezahlt wurden, lässt sich eine enorme Umsatzsteigerung erkennen.

 

Hohe Verluste durch das Coronavirus

Im „Las Vegas Europas“, wie Liechtenstein häufig genannt wurde, löschte der Lockdown die Lichter der Spielstätten und hinterließ verwaiste Spieltische. Auch im Liechtensteiner Casino Schaanwald, wo sich im Schnitt täglich 360 Gäste tummelten, bleiben die Pforten geschlossen.

 

Rund 80 % der Besucher kommen aus den benachbarten Ländern zum Spielen nach Liechtenstein. Aufgrund der Grenzschließungen können sie die Casinos nicht besuchen.

 

Martin Frommelt, Sprecher der Casinobetreiberin Casinos Austria (Liechtenstein) AG, erklärte dem Wirtschaftsmagazin Handelsblatt gegenüber:

„Wir haben 2019 pro Tag einen Bruttospielertrag von 60.000 Schweizer Franken erzielt, der nun natürlich fehlt.“

Liechtenstein setzt auch künftig auf das Casino-Geschäft

Für das Fürstentum Liechtenstein sind die Casinos normalerweise ein lukratives Geschäft. Gegen Jahresende sollen trotz vehementer Widerstände neben den bereits bestehenden Casinos in Schaanwald, in Ruggell, in Triesen und in Bendern zwei weitere Glücksspielstätten ihren Betrieb aufnehmen.

Vom Steuerparadies zum Glücksspiel-Zentrum

 

Liechtenstein war einst eine beliebte Oase für Steuerflüchtlinge, bis im Jahre 2008 durch gestohlene Datensätze aufgedeckt wurde, dass Tausende reiche Deutsche rund 3,4 Milliarden Euro an den deutschen Finanzbehörden vorbei nach Liechtenstein geschleust hatten.

 

In den Skandal soll unter anderem die LGT-Bank des Liechtensteinischen Fürstenhauses verwickelt gewesen sein. Der Vorfall wird auch heute noch als „die größte Steuerfahndung, die Deutschland je gesehen hat” beschrieben.

 

2009 wurde das Glücksspielverbot aufgehoben, um neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen. Den Ansturm auf Liechtensteiner Glücksspiel-Konzessionen erfolgte schließlich 2016, nachdem auch ausländische Investoren die Genehmigung erhalten hatten, in die Casinos zu investieren.

Devisen kämen vor allem aus den Nachbarländern, erklärte Frommelt weiter. Im Vierländereck gebe es eine sehr hohe Kaufkraft. Darauf beruhe das neue Geschäftsmodell des Fürstentums. Aus diesem Grunde werde sich auch an den geplanten Neueröffnungen nichts ändern.