, 10.12.2019

Die Geschichte um die Kriminalitäts- und Korruptionsvorwürfe gegen den australischen Glücksspielkonzern Crown ist um eine Variante reicher: Am Montag wurde bekannt, dass ein hochrangiger Funktionär der australischen Labour-Partei gemeinsam mit einem chinesischen Milliardär wiederholt ein Flugzeug des Casinobetreibers für eigene Zwecke genutzt haben soll.

 

Privatflüge mit dem Crown-Jet

Bei dem Politiker handelt es sich um Jamie Clements, einen ehemaligen Labour-Generalsekretär des Bundesstaates New South Wales (NSW). Seine zweifelhafte Verbindung zu dem Geschäftsmann Huang Xiangmo und Crown wurde während einer Anti-Korruptionsanhörung der Independent Commission Against Corruption (ICAC) in Sydney öffentlich gemacht.

 

Die ICAC untersucht derzeit die Frage, ob der Immobilienentwickler Huang Xiangmo unter Politikern illegale Spenden verteilt habe. Hintergrund: In Australien sind Parteispenden von Ausländern verboten.

 

Tim Xu, Huang Xiangmos ehemaliger Assistent, sagte am Montag vor dem Ausschuss zu Clements’ Flügen aus:

Er nutzte es wahrscheinlich für Meetings und manchmal für Entertainment, manchmal für ein Tennisspiel.

Auf die Frage, ob Clements während seiner Zeit als Generalsekretär der Labour-Partei Zugriff auf das Flugzeug gehabt habe, um es für geschäftliche und private Termine zu nutzen, antworte Tim Xu mit einem eindeutigen “ja”.

 

Der Milliardär und die Crown-Casinos

Bei dem fraglichen Flugzeug handelte es sich um einen Jet, der laut Tim Xu der Crown-Casino-Gruppe gehörte. Da Huang Xiangmo als High Roller Stammgast in dem Casino gewesen sei, habe er den Jet jederzeit nutzen dürfen.

Die Betreiber der Crown-Casinos standen bereits mehrfach im Mittelpunkt juristischer Ermittlungen. So warfen Ermittler dem Konzern im Oktober 2019 vor, an Geldwäsche und Korruption beteiligt zu sein.

 

Darüber hinaus waren im Sommer Vorwürfe laut geworden, nach denen es Verbindungen zwischen Crown und der organisierten Kriminalität gäbe. Der Glücksspielkonzern dementierte die Vorwürfe, doch der aktuelle Fall zeigt erneut, dass der Name des Unternehmens auffallend häufig in Kombination mit staatlichen Ermittlungen auftaucht.

Zudem besteht der Verdacht auf eine tiefergehende Beziehung zwischen Huang Xiangmo und dem Crown-Konzern. In der Vergangenheit hatten australische Medien wiederholt spekuliert, dass der Geschäftsmann seine guten Verbindungen in chinesischen Partei- und Regierungskreisen genutzt habe, um dem australischen Casino-Unternehmen zu helfen.

 

Dabei ging es um Unterstützung für Mitarbeiter des Unternehmens, die in China wegen der Beteiligung an verbotenem Glücksspiel inhaftiert [Seite auf Englisch] worden waren. Doch die Verbindung zwischen dem Geschäftsmann und Crown geht noch tiefer. So soll Huang Xiangmo in der fraglichen Zeit einen Mitarbeiter von Crown als persönlichen Assistenten eingestellt haben.

 

35.000 Dollar in einer Weinkiste

Die delikate Beziehung zwischen dem australischen Politiker und dem Milliardär aus China machte schon in der Vergangenheit Schlagzeilen: Jamie Clements gab während einer Anhörung im Oktober zu, von Huang Xiangmo Geld angenommen zu haben.

 

Huang Xiangmo

Geschäftsmann Huang Xiangmo (Bild: theaustralian.com.au)

Clements berichtete, dass ihm sein Bekannter in einer finanziellen Notlage ausgeholfen habe. Demnach habe ihm der schillernde Geschäftsmann 35.000 Australische Dollar in bar, verpackt in einer Weinkiste, übergeben, damit er seine Anwaltskosten bezahlen könne.

 

Grund für Clements’ juristische Schwierigkeiten war ein Prozess wegen sexueller Belästigung, der gegen den Politiker angestrengt worden war. Er wurde beschuldigt, im Jahr 2015 einer 27-jährigen Angestellten der Labour-Partei zu nahe getreten zu sein.

 

Daraufhin sei er von Huang Xiangmo in dessen Haus eingeladen worden, wo dieser ihm den Karton mit dem Bargeld überreicht habe. Doch Clements war zu dieser Zeit wohl nicht der einzige Nutznießer der Geldspenden des reichen Chinesen mit australischem Pass.

 

So untersuchen Behörden seit 2015 den Verdacht, dass der Milliardär einem Vertreter der Labour-Partei eine Plastiktüte mit weiteren 100.000 Dollar in 100 Dollar-Scheinen übergeben habe. Aufgrund dieser Affäre trat der damalige Labour-Senator Sam Dastyari im Januar 2018 von seinem Posten zurück.

 

Doch auch für Huang Xiangmo hatte der Korruptionsfall Konsequenzen, denn Australiens Behörden verweigerten ihm im Februar 2019 die australische Staatsbürgerschaft und entzogen ihm gleichzeitig das Aufenthaltsrecht. Seitdem ist dem Milliardär, der daraufhin ausgewiesen worden war, die Wiedereinreise nach Australien untersagt.

 

Währenddessen dauern die Ermittlungen der Anti Korruptions-Kommission weiter an. Es wird sich zeigen, ob dabei weitere Verbindungen zwischen Glücksspielanbietern, finanzkräftigen Geschäftsleuten und Politikern aufgedeckt werden.