, 15.10.2019

Heute Morgen strahlte die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Australiens ABC Videoaufnahmen aus, die einen Mann zeigen, der große Bargeldsummen in einem Raum auspackte, den der Junket Betreiber Suncity im Crown Casino in Melbourne reserviert hatte. Ein Whistleblower soll die Aufnahmen der ABC zugespielt haben.

 

Bargeldübergabe im Privatraum von Suncity

 

Das Video zeigt die Aufnahmen einer Sicherheitskamera des Crown Casinos. Hierin geht ein mit einer Trainingshose bekleideter Mann mit einer rechteckigen, blauen Kühltasche in einen privaten Raum, der von dem in Macau ansässigen Junket Operator Suncity angemietet worden sein soll.

 

Er öffnet die Tasche und enthüllt deren Inhalt: Dutzende dicker, gestapelter Bündel australischer 50- und 100 Dollar-Noten. Während der Mann sich mit den Casino-Angestellten unterhält, tauschen diese die Geldbündel nach und nach in Spielchips um. Der Inhalt der Tasche soll sich nach Angaben der Australian Broadcasting Corporation (ABC) auf Hundertausende Dollar belaufen haben.

Das Crown Casino ist verpflichtet, alle Transaktionen im Wert von über 10.000 Dollar an die Geldwäschebekämpfungsbehörde AUSTRAC [Seite auf Englisch] zu melden. Die Meldung muss innerhalb von zehn Tagen nach Erhalt der Transaktion erfolgen. Zudem muss das Casino eine Meldung bei der AUSTRAC einreichen, wenn der Verdacht besteht, eine in den Casino-Räumen verfolgte Transaktion stehe mit kriminellen Aktivitäten in Zusammenhang.

Nach Angaben der ABC soll es sich bei diesem Vorfall um keine Seltenheit handeln. Ein Whistleblower habe berichtet, ausländische High Roller würden oft in Privatjets nach Australien fliegen und so vermeiden, bei der Einreise kontrolliert zu werden. Damit sei es ihnen möglich, große Geldsummen in Casinochips umzutauschen, ohne dabei Spuren zu hinterlassen. Er soll gesagt haben:

„Ich denke, das ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was im Crown abläuft. Ich denke, das Crown handelt nach eigenem Belieben. Geld kommt illegal herein. Man weiß nicht, woher [das Geld] kommt, man weiß nicht, ob es aus dem Drogenhandel kommt, aus der Prostitution oder aus der Ausbeutung von Kindern. Man weiß es einfach nicht.“

Die australische Glücksspielbehörde, die Victorian Commission for Gambling and Liquor Regulation (VCGLR), soll schon im Jahr 2017 ernste Bedenken über in Junket-Räumen stattfindende Transaktionen geäußert haben. Diese Räume werden von Junket-Unternehmen wie Suncity gemietet, die reiche chinesische Spieler nach Australien fliegen, damit sie hier im Casino spielen können.

 

Dies ist deshalb brisant, weil das Glücksspiel in China strengstens verboten ist. Zudem stehen viele der Junket-Unternehmen in Verdacht, mit den Triaden, den Vereinigungen der chinesischen, organisierten Kriminalität, zusammenzuarbeiten.

 

Wie das Crown Casino auf Anschuldigungen reagiert

 

Nach den dort stattfindenden Transaktionen befragt, soll ein Casino-Mitarbeiter gesagt haben, diese seien eine Angelegenheit, die nur den Junket-Betreiber und seine Kunden beträfe. Ein Sprecher des Crown sagte, für Anschuldigungen gegen das Casino bestünde keine Grundlage. Das Crown unterhalte ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Geldwäsche und käme seinen aufsichtsrechtlichen Verpflichtungen nach.

 

Das Casino halte seine Meldepflichten ein und man arbeite eng mit Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden zusammen. Das Crown Casino stelle sicher, dass meldepflichtige Vorfälle rechtzeitig an die zuständige Behörde weitergeleitet würden.

 

Spielchips, Jetons

Im von Suncity angemieteten High-Roller-Raum sollen Hunderttausende Dollar in Spielchips umgetauscht worden sein. (Bild: Pixabay/Thorsten Frenzel)

Jeder, der Informationen über mutmaßliche Verstöße habe, solle sich jedoch ermutigt fühlen, Beschwerde einzulegen.

 

Es ist allerdings keineswegs das erste Mal, dass das Crown Casino wegen der Zusammenarbeit mit Junket Betreibern in die Kritik geraten ist. Erst im Juli veröffentlichten drei australische Zeitungen eine gemeinsame Reportage, die darauf hindeutet, dass das Casino mit kriminellen Vereinigungen zusammenarbeite.

 

Die Journalisten sollen E-Mails aufgespürt haben, aus denen hervorginge, dass sich die kriminelle Vereinigung „The Company“ in das Crown Casino eingeschleust habe. Auch diese Vereinigung habe High-Roller-Räume genutzt und hier Geldwäsche betrieben.

 

Aus Medienberichten geht hervor, dass die Glücksspielbehörden schon lange nach Beweisen für die Vorgänge im Crown Casino suchen. Ob die aktuellen Filmaufnahmen als eindeutige Beweislage dienen und dem Crown Casino Sanktionen drohen, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen.