, 14.05.2020

Die dänische Glücksspielaufsicht Spillemyndigheden hat Mitte dieser Woche die jüngsten Zahlen über die Glücksspielbeteiligung der Dänen seit Beginn der Corona-Pandemie präsentiert. Demnach sei in Dänemark im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kein signifikanter Anstieg des Online-Glücksspiels verzeichnet worden.

 

Nachdem die dänische Regierung am 11. März einen partiellen landesweiten Lockdown angeordnet hatte, hatten Glücksspiel- und Spielsucht-Experten zunächst Gegenteiliges befürchtet.

 

Wie Spillemyndigheden erläutert [Seite auf Englisch], sei der dänische Online-Glücksspielmarkt, gemessen an den Einzahlungen der Spieler, zwischen Mitte März und Anfang Mai im Vergleich zum Vorjahr um lediglich 2 % gewachsen.

 

Obwohl es sich somit grundsätzlich um einen Zuwachs handle, müsse dieser im Kontext der gewöhnlichen Marktentwicklung gesehen werden. So habe es beispielsweise von 2018 auf 2019 einen Gesamtanstieg von 8 % gegeben.

Im Jahr 2019 generierte der regulierte dänische Glücksspielmarkt insgesamt 9,8 Mrd. DKK (umgerechnet 1,31 Mrd. Euro). Die Lotterien hatten mit 33 % den größten Anteil daran, gefolgt von Sportwetten mit 26 % und Online-Casinos mit 24 %. Dänemarks landbasierte Casinos hingegen machten nur 3 % des Gesamtumsatzes aus.

Der üblicherweise starke Sportwettensektor sei seit Beginn der Corona-Krise um insgesamt 60 % eingebrochen. Der dagegen nur leichte Anstieg des Online-Glücksspiels zeige eindeutig, dass ein Großteil der Glücksspieler nicht per se auf andere Formen des Glücksspiels ausweiche, sobald ein Sektor wegbreche.

 

Wie entwickelt sich der Schwarzmarkt?

Die Erkenntnisse der dänischen Glücksspielaufsicht ähneln den Analysen der britischen Glücksspielaufsicht (UKGC), der lettischen Glücksspielbehörde (IAUI) und des Fachverbandes europäischer Glücksspiel- und Sportwettenanbieter (EGBA).

 

Allerdings basieren die Berechnungen dieser Institutionen allein auf den Geschäftszahlen der regulierten Lizenznehmer bzw. Mitglieder.

 

Länder wie Schweden, Italien, Portugal oder Israel berichteten jüngst, unter Einschluss des illegalen Glücksspielsektors, von einem zum Teil „dramatischen“ Anstieg des Online-Glücksspiels.

 

Ähnlicher Ansicht sind auch deutsche Glücksspielverbände und Experten. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte Tilmann Becker, Glücksspielforscher an der Universität Hohenheim:

Es ist zu vermuten, dass die derzeitige sehr gute Gelegenheit, neue Kunden zu gewinnen, von den Anbietern illegaler Glücksspiele genutzt wird, um mehr Werbung zu schalten. Spielhallen und Gaststätten sind geschlossen und die Menschen verbringen viel Zeit zu Hause.

Auch der Bundesverband der deutschen Glücksspielunternehmen (BDGU) und die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW) kamen zu diesem Schluss.

 

Die in Deutschland derzeit nicht lizenzierten, aber durchaus bekannten Online-Casinos, hätten während der Pandemie aus zwei Hauptgründen Kundschaft gewonnen:

 

Zum einen verbrächten die Menschen deutlich mehr Zeit zu Hause vor dem Computer, zum anderen schalteten die Anbieter weiterhin aggressive Werbung.