, 29.12.2020

In diesem Jahr ist der Glücksspielmarkt in Lateinamerika immer wieder in den Fokus der Branchenmedien gerückt. Vor allem das Online-Glücksspiel hat angesichts der weltweiten Corona-Restriktionen in der Region an Bedeutung gewonnen. Zudem haben Gesetzesänderungen in einigen lateinamerikanischen Ländern dazu geführt, dass diese verstärkt das Interesse internationaler Glücksspiel-Anbieter erregt haben.

 

Kolumbien meldet rasanten Anstieg des Online-Glücksspiels

 

Kolumbien gilt als Pionier hinsichtlich des Online-Glücksspiels. Als erstes lateinamerikanisches Land regulierte es das Online-Glücksspiel im Jahr 2016.

 

Innerhalb der vergangenen vier Jahre habe der Glücksspielsektor ein Einnahmenplus von 76 % erzielt, erklärte der ehemalige Präsident der Glücksspielbehörde Coljuegos, Juan B. Pérez, in diesem November:

Dies stellt einen sehr wichtigen Teil der Wirtschaft des Landes dar und zeigt, dass sich der Sektor im Wachstum befindet.

Um gegenüber dem europäischen Online-Glücksspiel-Markt konkurrenzfähig zu bleiben, änderte Coljuegos in diesem Jahr die geltenden Glücksspielvorschriften. Eine Änderung der geltenden Bestimmungen [Seite auf Spanisch] erlaubt es in Kolumbien lizenzierten Anbietern nun, auch „neuartige“ Glücksspiele anzubieten, sofern diese von Coljuegos zugelassen seien.

 

Dazu zählten alle Online-Glücksspielprodukte, die nicht mit der traditionellen Lotterie oder klassischen Wettscheinen gleichzusetzen seien, also Angebote wie Sofortlotterien und „alle über das Internet angebotenen Spiele“.

Steuererhöhung statt Gesetzesänderung

In Argentinien sind die Glücksspielgesetze nicht geändert worden, aber angesichts der durch die Corona-Krise schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Situation wurde im November nahezu über Nacht die Glücksspielsteuer geändert. Die Abgeordnetenkammer verabschiedete eine Steuererhöhung von ehemals 2 % auf nun 5 %.

 

Kritiker argumentierten, diese Steuererhöhung schade der Wirtschaft, da die in den einzelnen Provinzen lizenzierten Anbieter nun weniger freiwillige Abgaben an soziale Organisationen leisten würden.

Brasilien: Nach Sportwettenreform nun Legalisierung der Casinos?

 

Auch in Brasilien könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise in diesem Jahr für künftige Änderungen der Glücksspielgesetze sorgen. Bereits seit dem Jahr 2018 sind Sportwetten in Brasilien legal. In diesem Jahr beschloss Präsident Jair Bolsonaro die Privatisierung des Sportwettensektors.

 

Das Ministerium für Tourismus schloss sich kurz darauf der Forderung der Wirtschaft an, auch Casinos zu legalisieren. Angesichts des Branchenevents BgC Digital Experience Anfang Dezember erklärte der Direktor des organisierenden Unternehmens Clarion Gaming:

Wir waren im Kontakt mit Ausstattern, Anbietern und anderen Fachleuten, die versuchen, in diesem Markt zu operieren und es besteht eine große Nachfrage nach Updates hinsichtlich der Regulierung.

Derzeit arbeite Álvaro Antônio, Minister für Tourismus, einen Plan zur Liberalisierung des Casino-Marktes aus, der für das Glücksspiel in Brasilien im kommenden Jahr für entscheidende Änderungen sorgen könnte.

 

Mexiko: Online-Glücksspiel bislang außen vor

 

In Mexiko galt lange das Glücksspielgesetz aus dem Jahr 1947, das das Glücksspiel im gesamten Land verbot. Erst im Jahr 2004 entschied sich die Regierung für einen Neuregulierung und legalisierte das Glücksspiel. Dabei ließ sie allerdings das Online-Glücksspiel außen vor.

 

Wie der Anwalt Alfredo Lazcano erklärt, könnte eine Gesetzesänderung aus diesem Jahr internationalen Online-Glücksspielern jedoch den Schritt aus der Grauzone ermöglichen. Am 1. Juni 2020 sei eine Reform des mexikanischen Mehrwertsteuergesetzes in Kraft getreten. Diese enthalte einen Abschnitt, der ausländischen Anbietern die Erbringung digitaler Dienste in Mexiko ermögliche. Dazu gehöre:

…der Download oder Zugriff auf Spiele, einschließlich Glücksspiele, sowie anderer Multimedia-Inhalte und Multiplayer- Umgebungen.

Dadurch könnten laut Lazcano ausländische Online-Glücksspielanbieter auch ohne nationale Glücksspiellizenz in den mexikanischen Markt eintreten, sofern sie sich hier an die Regelungen des Mehrwertsteuergesetzes hielten.

 

Keine Fortschritte habe dagegen Chile in der Regulierung des Online-Glücksspiels gemacht. Obwohl bereits im Jahr 2013 ein entsprechender Gesetzesentwurf eingereicht worden sei, der das bestehende Casino-Gesetzes ändern sollte, sei bislang noch keine Umsetzung der Vorschriften erfolgt.

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