, 30.07.2020

Rund 100 Aktivisten haben am Mittwoch auf den Straßen von Las Vegas gegen die von Gouverneur Steve Sisolak verhängte Maskenpflicht demonstriert. Während die Glücksspielmetropole unter den Auswirkungen der Pandemie ächzt, sehen sich die Demonstranten in ihren Freiheitsrechten beschnitten.

 

„Wie Deutschland 1939“

 

Wie weite Teile der USA verzeichnet auch Nevada hohe Zahlen bei Covid-19-Neuansteckungen. In ihrer jüngsten täglich erscheinenden Pressemitteilung berichtet die zuständige Gesundheitsbehörde von aktuell 45.806 Erkrankten im Bundesstaat. Dies bedeute einen Anstieg um 870 im Vergleich zum Vortag.

 

Doch nicht jeder scheint die Zahlen als alarmierend zu empfinden: Gestern trafen sich Anhänger der No Mask Nevada PAC-Bewegung, um nahe des Suncoast Hotel & Casinos gegen die in Las Vegas geltende Maskenpflicht zu demonstrieren.

 

Der Protest folgte auf ein am Dienstag von der Gruppe veröffentlichtes Statement. Das fünfseitige Schreiben wertete die Maskenpflicht als Versuch der Regierung, die absolute Kontrolle zu übernehmen und zog einen Vergleich zum Dritten Reich:

1939 bestand die deutsche Regierung darauf, dass ein Symbol einen Teil der Bevölkerung von den Übrigen trennen sollte. Der gelbe Davidstern war ein Weg, eine Bevölkerung zu entmenschlichen und sie in gewisser Weise als minderwertig gegenüber anderen zu betrachten. Der gelbe Davidstern diente als Symbol dafür, dass derjenige, der ihn trug, sich nicht anpassen konnte und deshalb verdiente, vernichtet zu werden. Heute ist die Maske ein Symbol dafür, dass jemand, der sie nicht trägt, sich nicht anpassen kann und es deshalb verdient, vernichtet zu werden.

Einen Tag zuvor hatte Gouverneur Sisolak erklärt, einige Maßnahmen in Anbetracht landesweit steigender Covid-19-Fallzahlen länger als ursprünglich erhofft aufrecht zu erhalten. Die Proteste gegen die Maskenpflicht hatte er als „lächerlich“ bezeichnet.

 

Übernachtungspreise als Gradmesser

 

Analysten gehen davon aus [Seite auf Englisch], dass das erneute Aufflammen der Pandemie die Glücksspielindustrie über 24 Milliarden US-Dollar kosten könnte. Die Resort-Betreiber in Las Vegas hätten nach Ende des Lockdowns nur kurz optimistisch in die Zukunft geblickt.

 

Dies habe sich unter anderem in einem Anstieg der Frühbucher-Preise um 13 respektive 12 % für die Monate Juli und August niedergeschlagen.

Nach Angaben der Glücksspielaufsicht Nevada Gaming Control Board sind derzeit über 300 Kontrolleure im Einsatz, um die Einhaltung der Hygieneregeln seitens der mehr als 2.400 Lizenznehmer in Nevada zu überprüfen. Insgesamt seien mehr als 10.000 Inspektionen durchgeführt worden. Derzeit gebe es 156 laufende Verfahren gegen Glücksspielbetreiber wegen wiederholter Verstöße .

Im Angesicht der anhaltenden Krise versuchten sich die Unternehmen nun jedoch in Schadensbegrenzung. So seien die durchschnittlichen Wochenendpreise des Bellagio seit Wiedereröffnung um 9 % gesunken. Unter der Woche lockten das Mandala Bay und das Park MGM sogar mit Übernachtungsangeboten, deren Preis 15 bzw. 25 % unter dem zuvor angesetzten lägen.

 

Bis Las Vegas wieder zur alten Form aufläuft, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Ob das von den Protestlern geforderte, nur optionale Tragen von Schutzmasken diesen Prozess beschleunigen würde, darf vermutlich bezweifelt werden.

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