, October 17, 2018

Am Dienstag traten Deutschland und Frankreich ein zweites Mal innerhalb der Nations League gegeneinander an. Doch der so wichtige Sieg Deutschlands über den Weltmeister blieb aus und die Nationalelf ging mit einer 1:2 Niederlage aus dem Spiel.

 

Gutes Spiel mit schlechtem Ergebnis

Nach dem peinlichen 0:3 gegen die Niederlande am Samstag hätte nichts erlösender sein können als ein klares Erfolgserlebnis im zweiten Nations League Spiel gegen Weltmeister Frankreich.

 

Dieses Mal stand die deutsche Nationalelf im Stade de France in Paris gegen Les Bleus auf dem Platz, und zwar tatsächlich mit einem Hauch von Umbruch. Nicht nur war die Teamleistung sichtlich besser als in Amsterdam, sondern Löw wagte in scheinbar letzter Verzweiflung auch eine ordentliche Neubesetzung in der Startaufstellung.

 

Kimpembe Handspiel

Kimpembes Handspiel verschafft Deutschland Elfmeter (Bild: ARD)

Gleich fünf junge Spieler schickte der Bundestrainer auf den Platz. Schulz (25), Kehrer (22), Gnabry (23), Süle (23) und Sané (22) sollten den Franzosen Druck machen. Diese bereits seit Langem erwartete Entscheidung begründete Löw nun damit, dass der französische Gegner zu vertraut mit der deutschen Grundaufstellung geworden sei. Man müsse daher variabler sein.

 

Zunächst schien der Plan aufzugehen und insbesondere Stürmer Sané hatte vielversprechende Torchancen. Als dann Kimpembe durch ein unglückliches Handspiel im Strafraum den Deutschen einen Elfmeter schenkte, konnte der Weltmeister von 2014 in Führung gehen.

 

Toni Kroos führte den Elfmeter in Spielminute 14 zögerlich aber mit Erfolg aus und die Erleichterung war groß. Weitere Torchancen gab es danach für Sané und Ginter, doch der eine kam nicht zum Abschluss und der zweite hatte keine Chance gegen Torward Lloris‘ Fingerspitzen.

 

Auch in der zweiten Halbzeit bewies die deutsche Offensive durchaus ihre Fähigkeiten und die Franzosen hatten Mühe, mit der Schnelligkeit und Agilität von Sané, Gnabry und Werner mitzukommen. Und dennoch wollte der Ball einfach kein zweites Mal ins französische Tor.

Ist der deutsche Abstieg besiegelt?

In Deutschlands Nations League Gruppe 1 stehen noch zwei Spiele an. Am 16.11 spielen die Niederlande gegen Frankreich und am 19.11 empfängt die deutsche Elf das Oranje-Team zum Heimspiel in Gelsenkirchen.

 

Wenn die Niederlande gegen Frankreich gewinnen, ist Deutschlands Abstieg unumgänglich. Sollte jedoch der Weltmeister siegen, besteht zumindest eine kleine Chance, den Abstieg mit einem hohen Sieg zu verhindern.

 

Derzeit besetzt Deutschland mit nur einem Punkt den letzten Platz der Tabelle. Frankreich steht mit sieben Punkten an der Spitze und die Niederlande sitzen mit drei Punkten dazwischen. Rein rechnerisch ist es für Deutschland also noch möglich, auf den zweiten Platz hochzuklettern.

Frankreich spielte währenddessen in der zweiten Hälfte mit deutlich mehr Druck und wie aus dem Nichts fiel in Spielminute 62 ein sensationelles Kopfballtor durch Antoine Griezmann (27).

 

Es folgte ein deutlich verringerter Einsatz des deutschen Teams und es schien wie manches Mal zuvor, als hätten Jogis Jungs den Mut verloren. Ein umstrittener Elfmeter für die Franzosen in Spielminute 80 besiegelte dann das Schicksal der Deutschen.

 

Als Blaise Matudi im Zweikampf mit Mats Hummels im deutschen Strafraum zu Boden ging, entschied Schiedsrichter Milorad Mažić den Elfmeter. Nicht nur Löw pikierte sich jedoch über die Entscheidung des Unparteiischen.

 

So schien es im Nachhinein klar ersichtlich zu sein, dass Matudi im Kampf um den Ball auf Hummels‘ Fuß trat und deswegen unglücklich wegrutschte. Einen Videobeweis, so Löw, hätten in dem Moment alle Beteiligten gern gehabt.

 

 

Woran lag es denn nun?

Die Enttäuschung über die erneute Niederlage war sowohl unter den Spielern als auch den Trainern groß. Doch im Gegensatz zum peinlichen WM-Auftritt und dem noch blamableren Spiel gegen die Niederlande hörte man diesmal kaum Selbstvorwürfe.

 

Bundestrainer Joachim Löw hatte nach dem Spiel eher lobende Worte parat und fasste den Ausgang so zusammen:

Ich bin über das Ergebnis enttäuscht, das hätte nicht sein müssen. Wir waren absolut auf Augenhöhe mit dem Weltmeister und hätten normalerweise in der ersten Halbzeit ein zweites Tor machen müssen. Wir sind für das seht gute Spiel nicht belohnt werden. Frankreich hat individuell eine unglaubliche Klasse und nutzt jede Unachtsamkeit. Wir haben eine sehr gute Reaktion gezeigt, mutig gespielt und das Herz in die Hand genommen.

Auch Manuel Neuer zeigte sich nach dem Spiel sehr enttäuscht. Im Interview bestätigte er, dass Löw einen klaren Plan für die Mannschaft gehabt habe und dass dieser „im Prinzip auch aufgegangen“ sei. Umso trauriger, dass das Endergebnis dies nicht widerspiegle.

 

War die radikale Neuaufstellung der Startelf zu extrem? Dies ließ zumindest die FAZ in ihrer Spielanalyse verlauten. So habe mit Ausnahme von Leroy Sané noch keiner der anderen jungen Spieler in einem Nations League Spiel auf dem Platz gestanden. Entsprechend wenig hätte sich die deutsche Mannschaft daher in der neuen Aufstellung als eingespieltes Team präsentieren können.

 

Liver Bierhoff Joachim Löw

Oliver Bierhoff (links) & Joachim Löw (rechts) zur ersten Halbzeit (Bild: ARD)

Löw selbst verwies auch ein weiteres Mal auf die fehlende Erfahrung der jüngeren Spieler. Bereits bei seiner großen WM-Analyse verteidigte er seine Treue zu den älteren Stammspielern mit diesem Argument.

 

So brauche man eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten, um ein erfolgreiches Spiel zu liefern. Allein mit jüngeren Spielern könne man nicht spielen.

 

Besonders Kroos, Hummels und Neuer lobte der Bundestrainer erneut. Zwar werde der „Umbruch“ nun nach und nach kommen, doch seien gerade seine Stammspieler dabei unverzichtbar. Diese würden den jüngeren Spielern den nötigen Halt geben.

 

Löw und Bierhoff zuversichtlich

Und schon wieder steigt der Druck auf Bundestrainer Joachim Löw. Zwar schien der 58-jährige im Spiel gegen Frankreich erstmals seine großen Worte vom Neubeginn zumindest etwas in die Tat umgesetzt zu haben, doch reichte es lange nicht zum bitter nötigen Sieg.

 

Die Stimmen, die auf Rücktritt drängen, werden in der Zwischenzeit immer lauter, perlen jedoch nach wie vor spurlos am Bundestrainer ab. Der sprach nämlich nach der Niederlage von einer hoffnungsvollen Zukunft.

 

Damit ist der Trainer um ein Vielfaches positiver als die deutschen Fußball-Fans. Eine Umfrage der Fachzeitschrift „Kicker“ ergab, dass bloß 8,1 Prozent der befragten an eine erfolgreiche Kehrtwende durch Löw glaubten.

 

Doch auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff (50) zeigte sich zufrieden über den Spielverlauf im Allgemeinen:

Ich bin stolz, wie die jungen Spieler das angenommen und ein gutes Spiel gemacht haben. Wir hätten sicher zumindest ein Unentschieden verdient gehabt. Es ist ein Umbruch da. Wir müssen nur weiter Einsatz zeigen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Weg gut weitergehen werden. Wir müssen aber gewisse Fehler abstellen. Was mir Mut macht, ist, dass die Maßnahmen der Trainer von der Mannschaft umgesetzt werden.

Zwei weitere wichtige Chancen werden der Bundestrainer und die Mannschaft in diesem Jahr noch bekommen, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Derzeit scheint es, als würde Löw dafür an seiner neuen Aufstellung festhalten. Die goldene Mitte aus Erfahrung und frischem Wind hat der Bundestrainer noch nicht gefunden.

 

Konzentrieren möchte sich Löw in naher Zukunft insbesondere auf die anstehende EM-2020 Qualifikationsphase. Die Gruppenauslosung dafür findet am 02. Dezember in Dublin statt und die entscheidenden Qualifikationsspiele werden von März bis November 2019 ausgetragen.