, November 22, 2018

Leere Ränge und schlechte Stimmung unter den Fans: Die Entscheidung, die Teams der 1. Bundesliga auch montags antreten zu lassen, stieß auf wenig Gegenliebe. Nun verkündete die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Montagsspiele zur Saison 2021/22 einstellen zu wollen.

 

Stimmungsverzicht und konzertierte Aktionen: Fans gegen Montagsspiele

 

Statement der DFL zum Thema Montagsspiele

Die DFL äußerte sich via Twitter zum Thema “Montagsspiele” (Quelle:twitter.com/DFL_Official)

Mit unterschiedlichen Aktionen hatten Fußballfans ihrem Ärger über veränderte Anstoßzeiten und Partien am Montagabend in den vergangenen Monaten Luft gemacht und bereits eine Ausweitung der Proteste angekündigt:

 

Für den vom 30. November bis 03. Dezember stattfindenden 13. Spieltag setzen die teilnehmenden Fanszenen auf großflächig organisierten „Stimmungsverzicht“.

Die gesamte erste Halbzeit über soll es in allen anstehenden Partien auf den Rängen still bleiben.

 

Man richte sich hiermit gegen Anstoßzeiten unter der Woche und die, laut Enthüllungen der Football Leaks, vorangetriebene Etablierung einer Super League, hieß es in einer Erklärung.

 

Übertragungsrechte: Neuer Vertrag ohne Montagsspiele

 

Nun senden die Verantwortlichen der DFL ein erstes Zeichen in Richtung der Fans:

 

Sie bestätigten am Mittwoch einen Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa), nach dem mit Beginn des neuen Vertrages für die Übertragungsrechte der ersten Bundesliga im Jahr 2021 die Montagsspiele eingestellt würden.

 

Zum Ausgleich sollen künftig mehr Partien am Sonntag ausgetragen werden, wie die DFL in ihrer Erklärung mitteilt:

Stattdessen sind mit Blick auf die Starter in der Europa League pro Saison fünf weitere und damit insgesamt zehn Entlastungsspiele am Sonntag geplant.

Konkret geht es um fünf Begegnungen, die laut derzeit gültigem Fernsehvertrag in einer Saison am Montagabend ausgetragen und gesendet werden. In der laufenden Spielzeit betrifft diese Regelung als erstes das Aufeinandertreffen des 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen am 03. Dezember im Heimstadion der Franken.

 

Montagsspiele: Entlastung und Schutz?

 

In der Diskussion um die Montagsspiele hatten die Verantwortlichen von DFB und DFL bislang stets die gleichen Argumente ins Feld geführt: Es gehe um eine Entlastung der Vereine, die donnerstags in der Europa-League starten, und um den Schutz des Amateurfußballs.

 

Reinhard Grindel

DFB-Chef Grindel hatte die Montagsspiele bislang als sinnvoll eingestuft (Quelle:Steffen Prößdorf, licensed under CC 4.0)

Beide Erklärungen stießen auf wenig Verständnis: Zum einen lägen zwischen den Anstoßterminen der Champions League (mittwochs) und den Samstagspielen der Bundesliga ebenfalls nur zwei und nicht drei Tage, ohne dass eine mangelnde Regeneration der Spieler zu beklagen wäre.

 

Zum anderen habe der DFB dem Schutz des Amateurfußballs offensichtlich bereits vor langer Zeit abgeschworen:

 

Während der Grundlagenvertrag von 2009 den Vereinen des Amateurfußballs zusicherte, keine Partien der höchsten Spielklasse sonntags vor 15:30 Uhr austragen zu lassen, wurde die Regelung bereits im Folgejahr aufgeweicht:

 

2016 war maximal ein Sonntagsspiel vor 15:30 Uhr erlaubt. In der laufenden Saison finden sich fünf Begegnungen mit Anpfiff um 13:30 Uhr auf dem Spielplan. Kritiker sehen hierin einen Bezug zum umsatzstarken asiatischen Markt, für den diese Zeit optimal ist.

 

Montagsspiele: Keine Chance für Auswärtsfans

 

Generell bekamen viele Fans in den vergangenen Monaten den Eindruck, den Fußball durch Neuerungen an den Kommerz zu verlieren. Während die Vereine für die Übertragungsrechte Beträge in Millionenhöhe einstrichen, hatten ihre Unterstützer das Nachsehen.

 

Mit einer An- und Abreise von jeweils mehreren hundert Kilometern bedeuten Montagsspiele für berufstätige Fans der Auswärtsmannschaft ernsthafte Schwierigkeiten: Ohne Krankenschein oder eingereichten Urlaubstag ist der Besuch im Stadion für viele kaum noch zu bewerkstelligen.

Im Juni 2018 gab der DFB bekannt, auch die Spieltage in der 3. Liga künftig mit einem Montagsspiel abzuschließen.

 

Seit der Saison 2018/19 beginnen die Spieltage mit einer Partie am Freitag um 19 Uhr, es folgen sechs Spiele am Samstag um 14 Uhr und jeweils eine am Sonntag mit Anpfiff um 13 Uhr bzw. 14 Uhr. Den Abschluss bildet das Spiel am Montagabend.

 

Ein Grund für die Änderungen war laut zuständigem DFB-Vizepräsidenten Peter Freymuth der neue Vertrag für die Übertragungsrechte:

 

„Zur von allen Seiten gewünschten Erhöhung der Erlöse ist es nötig, den TV-Partnern interessante Pakete anzubieten und ihnen – unter anderem durch zwei zusätzliche Anstoßzeiten pro Spieltag – zu ermöglichen, die 3. Liga bestmöglich zu präsentieren“

Die Spiele im Fernsehen zu verfolgen sei keine Alternative zum Live-Erlebnis, stellte Jürgen Girtler, Sprecher einer Mainzer Fan-Initiative, im April dieses Jahres klar:

Lebendigkeit und Atmosphäre gibt es nur im Stadion und nicht in der Glotze. Die DFL unterwirft sich aber immer mehr dem TV-Markt und immer mehr der Profitmaximierung. Wir müssen wieder zu familien- und fanfreundlichen Anstoßzeiten zurückkommen.

Gegen den Vorwurf der Gewinnmaximierung durch die Ansetzung der Partien hatte sich die DFL stets gewehrt und darauf verwiesen, dass auf die fünf Montagsbegegnungen weniger als ein Prozent der Medienerlöse entfielen.

 

Timo Deschkowski, Sprecher des übertragenden Senders Eurosport, hatte sich hingegen hochzufrieden mit den Auswirkungen der Montagsspiele gezeigt. Ohne auf die konkreten Zahlen eingehen zu wollen, könne man die Ansetzungen am Montagabend als Erfolg bewerten, man erziele „Top-Abrufzahlen“.

 

Aus für Montagsspiele: Überraschung hält sich Grenzen

 

Nun steht also in drei Jahren ein Ende der Montagsspiele an. Was auf den ersten Blick wie ein Sieg der Fans über die „Bosse“ wirkt, wurde bereits im Februar 2018 nach großen Stadionprotesten von DFB-Chef Reinhard Grindel und DFL-Geschäftsführer Christian Seibert in den Raum gestellt.

 

Der Anpfiff am Wochenbeginn sei nicht in Stein gemeißelt, ein vorzeitiges Ende der bis 2021 festgeschriebenen Partien aber nicht realistisch, ließen die Funktionäre damals wissen.

 

Fans Eintracht Frankfurt

Insbesondere Frankfurter Fans hatten den Protest gegen die Montagsspiele vorangetrieben (Quelle:Siegfried Wessler, licensed under CC 3.0)

Nun haben sich die 18 Vereine der ersten Fußball- Bundesliga einstimmig darauf verständigt, mit dem Ende des bis zum 30. Juni 2021 gültigen Fernsehvertrag auf die Spiele am Montagabend zu verzichten.

 

Die Entscheidung zu diesem Schritt sei bereits Ende September beim letzten Treffen der Klubs gefallen, ließ die DFL in ihrer Mitteilung verlauten.

 

Tatsächlich hatten sich einige Vereine bereits in den vergangenen Monaten dementsprechend positioniert und sich hinter ihre Fans gestellt.

So hatte der Vorstand der Frankfurter Eintracht friedliche Proteste unterstützt und im Februar Hunderte Fans, die den Anpfiff verzögerten, im Innenraum geduldet.

 

Entspannung der Lage nicht in Sicht

 

Die Begeisterung der Fans hielt sich dennoch in Grenzen. Schließlich hatten die Vereine den Montagsspielen, die Teil der 4,64 Milliarden Euro-Vereinbarung zu den Übertragungsrechten bis zur Saison 2021/22 sind, geschlossen zugestimmt.

 

Was die angekündigte Rolle rückwärts der Vereine und Funktionäre für die Fans und die Stimmung in den Stadien bedeutet, wird sich zeigen. Während bei den einen Erleichterung über das Ende der Montagsspiele vorherrscht, äußern andere den Verdacht, die DFL wolle durch die Hintertür nicht weniger fan-unfreundliche Sonntagsspiele mit Anpfiff um 20:30 Uhr einführen.

 

Stadion Nürnberg

Geht es nach den Fans bleibt es am 13. Spieltag erstmal still in Nürnberg

Dass der für die kommenden Spiele angekündigte Protest trotz der Erklärung der DFL stattfinden wird, stellte die aktive Fanszene des 1. FC Nürnberg schon mal klar:

 

Der Stimmungsbereich in der Nordkurve des Max-Merlock-Stadions in Nürnberg bliebe in der ersten Halbzeit der Partie gegen die Leverkusener leer, zu Beginn der zweiten Halbzeit folge eine Protestaktion, bevor die Unterstützung des eigenen Vereins aufgenommen werde.

 

Die Erklärung von DFL & Co. Sei nichts weiter als „ein Happen“, der den Fans hingeworfen würde, denn weder gäbe es mehr als Lippenbekenntnisse, noch stünden die wöchentlich ausgetragenen Montagsspiele der zweiten und dritten Bundesliga  für die Verantwortlichen auf dem Prüfstand.

 

Ob es sich bei dem geplanten Aus für die Montagsspiele in der 1. Bundesliga um echtes Entgegenkommen handelt, Angst vor Auswirkungen des Boykotts oder andere rein wirtschaftliche Interessen, sei dahingestellt.

 

Eine Aussöhnung der Fans mit den Entscheidungsträgern bedeutet es jedenfalls nicht.