, 27.11.2017

Bert Rürup vom Handelsblatt Research Institute bei einer Präsentation

Bert Rürup und sein Handelsblatt Reserach Institute haben eine neue Studie zum Online Glücksspiel herausgegeben. (Bild: research.handelsblatt.com)

Eine neue Studie des renommierten Handelsblatt Research Institutes (HRI) hat sich jetzt mit den Auswirkungen und Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung des Glücksspielmarktes beschäftigt. Im Auftrag von WestLotto und Löwen Entertainment, einer Novomatic-Tochter, haben Wissenschaftler, Marktforscher und Glücksspielexperten auf 140 Seiten ihre Ergebnisse zum Titel „Die Digitalisierung des Glücksspiels“ zusammengetragen. Zentrale Punkte sind die steigende Nachfrage nach Online Glücksspiel in Deutschland und der daraus resultierende Regulierungsbedarf. Die komplette Studie können Sie hier aufrufen.

 

Der weltweite Markt für Online Glücksspiel hat sich seit 2007 fast verdreifacht. Neben klassischen Spielformen wie Lotto, Wetten und Casinospielen etablieren sich zunehmend auch jüngere Trends wie eSports, DFS und Social Casinos. Davon abgesehen, befindet sich auch der landbasierte Glücksspielmarkt nach wie vor im Aufschwung. Angesichts der steigenden Nachfrage öffnen immer mehr Länder ihre Märkte. Deutschland gehört bislang nicht dazu. Trotz immer lauter werdender Rufe nach einer Regulierung und Liberalisierung des Online Glücksspielmarktes lässt sich die Politik nur langsam auf das digitale Zeitalter ein.

 

Leiter der Forschungsstelle ist der Wirtschaftswissenschaftler, Rentenberater und ehemalige SPD-Politiker Bert Rürup. Erst diesen April hat das Handelsblatt Research Institute eine ähnliche Studie mit dem Titel „Der Glücksspielmarkt in Deutschland“ veröffentlicht.

 

Wachstum bei Online Glücksspiel ungebrochen

Studie zur Digitalisierung des Glücksspiels

Studiendesign (Bild: research.handelsblatt.com)

Ausgangslage der Studie ist die Tatsache, dass alle bekannten Glücksspielarten mittlerweile auch in ihrer digitalen Form angeboten werden. Dieser Markt ist zudem hochdynamisch und weist ein großes Wachstum auf. Diesen Trend bestätigen die Zahlen der letzten zehn Jahre: Der weltweite Markt für Online Glücksspiel ist von 15 auf 40 Milliarden Euro angewachsen, was einem jährlichen Wachstum von über 10 % entspricht. Gut 50 % des internationalen Marktes entfallen auf Europa, dabei besonders auf stark liberalisierte Märkte wie Dänemark und Großbritannien. Gemessen am Gesamtmarkt für Glücksspiel macht das Online Segment mittlerweile durchschnittlich 10,6 % aus, in Deutschland sogar 16 %.

 

Umfrage bestätigt Trend in allen Altersgruppen

Eine repräsentative Umfrage des Handelsblatt Research Institutes legt nahe, dass die Begeisterung für Online Glücksspiel durch alle Altersgruppen hinweg gegeben ist. Die Nachfrage ist unabhängig vom Alter des Spielers konstant hoch. Die jüngere Generation spielt im Vergleich sogar weniger häufig, dafür jedoch intensiver. Insgesamt 35 % der deutschen Bevölkerung gaben an, schon einmal an einem Online Glücksspiel teilgenommen zu haben.

 

Darauf achten Spieler

In der Umfrage wurden auch Kriterien erfragt, auf deren Grundlage Spieler sich für ein Online Angebot entscheiden. Die Ergebnisse zeigen eine klare Tendenz zum Thema Sicherheit:

  • Sicherheit von Auszahlungen: 43 %
  • Legalität: 35 %
  • Hohe Gewinnchancen: 32 %
  • Fairness des Spiels: 32 %
  • Möglichkeit des Zuhausespielens: 30 %
  • Zeitlich unabhängige Verfügbarkeit: 19 %

Besonders wichtig ist Spielern insgesamt das Vertrauen in einen Anbieter. Dieser muss sich mit zuverlässigen Auszahlungen, fairen Spielabläufen und verantwortungsvoller Betreuung das Vertrauen der Spieler erarbeiten. Grund dafür ist die immer noch bei vielen verankerte Skepsis gegenüber digitalen Technologien.

 

Gesetzgeber will Spieler vor Gefahren im Netz schützen

Der deutsche Markt für Online Glücksspiel besteht zu 87 % aus nicht-regulierten Anbietern. Damit sind Anbieter mit einer Lizenz aus einem anderen EU-Land gemeint, die in Deutschland aktiv sind. Per Gesetz handelt es sich dabei um illegale Aktivitäten, da Online Glücksspiel in der Bundesrepublik eigentlich, mit Ausnahmen, verboten ist. Grund dafür ist die Angst vor negativen Auswirkungen wie Spielsucht und anderen Abhängigkeiten, deren Entwicklungsrisiko durch die Anonymität im Netz und die permanente Verfügbarkeit der Spiele höher ist als in landbasierten Spielhallen und Casinos.

 

Um sowohl voll- als auch unerlaubt spielende minderjährige Casinonutzer im Internet effektiv zu schützen, gibt es jedoch zahlreiche neue Möglichkeiten. Neben digitalen Identifikationsprogrammen gibt es zudem Mechanismen, die auffälliges Spielverhalten in Form von beispielsweise konstant hohen Einsätzen erkennen können.

 

Regulierung unerlässlich für Eindämmung des Schwarzmarktes

Um effizienten Spielerschutz zu gewährleisten, ist laut der Studie eine umfangreiche Regulierung des Online Marktes notwendig. Andere europäische Länder wie Großbritannien haben es bereits vorgemacht und mit der ausnahmslosen Lizenzierung aller Anbieter fast den gesamten Markt in geordnete Bahnen gelenkt. Nur auf diese Weise können der illegale Schwarzmarkt ausgemerzt und Spieler vor nicht vertrauenswürdigen Anbietern geschützt werden. Auch Auftraggeber Löwen Entertainment erklärte über einen Sprecher, dass die Ergebnisse der Studie ein klares Zeichen an den Gesetzgeber seien:

„Die Arbeit des HRI macht deutlich, dass wir auch im Bereich des Online-Glücksspiels einen klar regulierten Markt benötigen. Dieser muss ein qualitativ hochwertiges Angebot, das sich an den Maßgaben des Jugend- und Spielerschutzes ausrichtet, zur Maxime haben.“

Social Gaming, Blockchain und Co. auf dem Vormarsch

Phänomene, die im Zuge der Digitalisierung ebenfalls an Bedeutung am Markt für Online Glücksspiel gewinnen sind außerdem sogenanntes Social Gaming in den sozialen Medien mit Spielgeld, Sportmanager-Wettkämpfe in Form von Daily Fantasy Sports (DFS) über Anbieter wie DraftKings und FanDuel sowie die rasant wachsende eSports-Branche, die sich auch bei Wettern immer größerer Beliebtheit erfreut. Virtual Reality Elemente erweitern das Spielerlebnis zusätzlich. Hinzu kommen virtuelle Währungen wie Bitcoin oder Ethereum, die mit ihrer Blockchain-Technologie auch den Markt für Zahlungsmöglichkeiten revolutionieren.

 

Insgesamt kann eine Verschmelzung von Gambling (Glücksspiel) und Gaming (Videospielen) beobachtet werden. Die genannten Spielformen sind jedoch vorwiegend bei jüngeren Spielern verbreitet und spielen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu klassischen Kategorien wie Lotto, Sportwetten und Spielautomaten.

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