, 23.09.2020

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (45), hält die Entscheidung der Länder, eine Übergangsfrist bis zur Erlaubnis des Online-Glücksspiels einzurichten, für „sehr schwierig“. Dies betonte die CSU-Politikerin gestern bei einer Veranstaltung des Münchner PresseClubs. Die im Vergleich zum landbasierten Glücksspiel schwachen Anforderungen an Betreiber von Internet-Casinos, so Ludwig, bereiteten ihr Bauchschmerzen.

 

Mangelnder Spielerschutz im Netz?

 

Im Gespräch mit der Vizevorsitzenden des PresseClub München e.V., Kerstin Tschuck, erklärte Ludwig gestern zu bedauern, dass die Ausgestaltung der Glücksspielregulierung in die Kompetenz der Länder falle. Sie wünsche sich, hier selbst federführend zu sein:

Warum sage ich jetzt „bedauerlicherweise“? Ganz einfach: Wir haben ja schon einen neuen Glücksspielstaatsvertrag, der ausverhandelt wurde und 2021 in Kraft treten soll. Und jetzt gibt es in dieser Nachfolgeregelung sozusagen die Zulassung von Online-Casinos und Online-Pokern. Das finde ich ausgesprochen schwierig, ehrlicherweise. Denn das können Sie einfach nicht kontrollieren und da ist es natürlich auch mit dem Spielerschutz nicht allzu weit her.

Die politisch Verantwortlichen, so Ludwig, bemühten sich aktuell, sich „mit den Anbietern, die online da unterwegs sind“, auf Rahmenbedingungen zu einigen. Dies betreffe unter anderem Fragen zu Einsatz- und Zeitlimits sowie Zugangsbarrieren im Sinne des Jugendschutzes.

 

Wer das Internet jedoch kenne, wisse, dass entsprechende Regulation und Kontrolle “ eine Mammutaufgabe“ darstellten. Es bereite ihr erhebliche Bauchschmerzen, wie leicht es sei, im Internet zu spielen und zu wetten.

 

In-App-Käufe verbieten

 

Auf Nachfrage erklärte die Bundesdrogenbeauftragte, dass es während des Corona-bedingten Lockdowns einen Anstieg der Nutzung von Online-Glücksspiel-Angeboten gegeben habe. Problematisch sei hier neben dem Spielverhalten Erwachsener auch der erhöhte Konsum von Spielen mit In-Game-Käufen durch Jugendliche.

Daniela Ludwig ist seit September 2019 Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Im Juli 2020 hatte sie mit der Aussage „Auch wenn Alkohol gefährlich ist – unbestritten -, ist Cannabis kein Brokkoli“ für Schlagzeilen und Häme im Netz gesorgt. Der Reporter Thilo Jung hatte Ludwig bei einer Pressekonferenz gefragt, ob sie Alkohol für gefährlicher als Cannabis halte.

Ihr Ziel sei es, so stellte Ludwig im PresseClub München-Gespräch heraus, In-App-Käufe gänzlich zu verbieten. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sie von Automatenaufstellern und Casinos relativ viel in Bezug auf Spieler- und Jugendschutz verlange, müssten hier weitere Gespräche stattfinden.

 

Sobald das Ganze im Netz stattfinde, werde es leichter, „sich da durchzuschummeln“, was sie ablehne. Unterstützung, so die Politikerin, erfahre sie in Gesprächen mit Kinderärzten, die bestätigten, dass das „Gambling“ in ihren Praxen regelmäßig zum Thema würde.