, September 14, 2019

In der vergangenen Woche gab die Australian Federal Police (AFP) bekannt, ihre jahrelangen Ermittlungen gegen das Unternehmen Tabcorp einzustellen. Der größte Glücksspielkonzern Australiens war verdächtigt worden, beim Versuch, sich Sportwettenlizenzen zu sichern, illegale Zahlungen an die Regierung Kambodschas geleistet zu haben.

 

Tabcorp: Keine Beweise für Fehlverhalten

 

Wie die Bundespolizei AFP bestätigte, sehe sie keinen stichhaltigen Beweis dafür, dass der Glücksspielkonzern Tabcorp versucht habe, vor rund zehn Jahren illegal an eine kambodschanische Online Glücksspiellizenz zu gelangen.

 

Deswegen stelle man die bereits im Jahr 2012 begonnen Ermittlungen gegen das Unternehmen nun ein, erklärte ein Sprecher der Behörde in dieser Woche australischen Medien gegenüber:

Im Jahr 2019 führte die AFP eine Überprüfung dieser langen und gründlichen Untersuchung durch und stellte fest, dass es nicht möglich ist, die für die Unterstützung einer strafrechtlichen Verfolgung erforderlichen Beweise zu erhalten. Die AFP betrachtet diese Angelegenheit nun als abgeschlossen.

Die Ermittlungen waren eingeleitet worden, weil man Tabcorp verdächtigte, sich mittels Bestechung auf dem kambodschanischen Online Markt für Sportwetten positionieren zu wollen.

 

200.000 Dollar für Premierminister?

 

Insgesamt 200.000 AUD (umgerechnet rund 124.000 EUR) sollten in den Jahren 2009 und 2010 von dem Konzern an ein dem kambodschanischen Premierminister Hun Sen nahestehendes Unternehmen geflossen sein. Die im Fokus stehende Firma soll sich im Besitz einer Schwester des Politikers befinden.

 

Das australische Recht verbietet Zahlungen an ausländische Politiker und Regulierungsbehörden insbesondere dann, wenn hierdurch geschäftliche Vorteile oder eine Erleichterung des Angebots von Dienstleistungen zu erwarten sind.

Die Tabcorp Holdings Limited ist der größte Glücksspielkonzern Australiens. Die auf einen jährlichen Umsatz von umgerechnet ca. 1,4 Milliarden EUR geschätzte Aktiengesellschaft beschäftigt derzeit rund 3.000 Angestellte.

 

Das Unternehmen betätigt sich unter anderem als Anbieter von Sportwetten und betreibt knapp 3.000 Wettbüros in Australien. Weiterhin bietet es seine Produkte auch im Internet an und betreibt den hauseigenen Fernsehsender Sky Racing. Zudem ist der Konzern in den Bereichen „Gaming Services“ und „Keno“ aktiv.

 

Die Kasinos der Tabcorp wurden 2011 in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert.

Rücktritte und Dementi

 

Tabcorp selbst hatte die Vorwürfe stets bestritten. Als die Ermittlungen der AFP im Jahr 2016 öffentlich wurden, erklärte das Unternehmen, im betreffenden Zeitraum lediglich seine Möglichkeiten im asiatischen Raum ausgelotet zu haben.

 

Zu dieser Zeit, so der Konzern, habe sich auch der Glücksspielmarkt Kambodschas im Wandel befunden, weswegen eine Expansion angedacht worden sei. Zu einem Abschluss sei es aber nicht gekommen.

 

Nichtsdestotrotz trat der im fraglichen Zeitraum amtierende CEO Tabcorps, Elmer Funke Kupper, 2011 von seinem Posten zurück. Binnen einer Woche nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2016 legte Funke Kupper sein Amt als Chef der Australischen Wertpapierbörse ASX nieder.

 

Damals erklärte der Manager seinen Schritt damit, sich einer medialen Hetzkampagne ausgesetzt zu sehen:

Es ist nicht richtig, es ist unfair, es ist ein Prozess durch die Medien, aber es ist auch Teil der Verantwortung, eine der angesehensten Institutionen des Landes zu leiten. Aber jetzt werde ich darüber hinauswachsen. Es zerstört mein Leben, aber das bedeutet für mich, dass ich darüber hinauswachse.

Kambodscha: Angst um den Ruf von Hun Sen

 

Premierminister von Kambodscha Hun Sen

Der kambodschanische Premier Hun Sen soll um sein Ansehen gefürchtet haben (Quelle:kremlin.ru, licensed under CC BY-SA 4.0)

Auch die kambodschanische Regierung reagierte 2016 auf die Vorwürfe. Ein Regierungssprecher betonte damals, der Premierminister habe keinerlei Zahlungen erhalten, die mit dem Fall in Verbindung stünden.

 

Man habe Sorge, dass das Ansehen Hun Sens unter den Anschuldigungen leiden könne und verwies darauf, dass es in der Vergangenheit etliche Fälle gegeben habe, in denen Menschen, die den Namen des Politikers missbraucht hätten, zu Gefängnisstrafen verurteilt worden seien.

 

Nach der Erklärung der AFP, die Ermittlungen gegen Tabcorp nicht fortzuführen, gab sich das Unternehmen erleichtert, aber auch schmallippig. Man sei informiert worden und begrüße die Entscheidung der Behörde, erklärte der Konzern in einer kurzen Pressemitteilung. Während der gesamten Ermittlungen habe man mit den Fahndern kooperiert.

 

Auch Ex-CEO Funke Kupper äußerte sich nicht zu Details. Er ließ Medienvertreter lediglich wissen, dass er sich über die Klärung der Angelegenheit freue. Zudem sehe er optimistisch in eine Zukunft, in der er sich gegebenenfalls wieder in seinem alten Geschäftsfeld bewegen werde.