, 15.10.2018

Nach der klaren 0:3 Niederlage gegen die Niederlande droht der deutschen Nationalmannschaft beim nächsten sieglosen Spiel in der Nations League der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Ungewiss ist, ob Joachim Löw in diesem Fall Trainer des Teams bleiben wird.

 

Die Zeit des Wegschauens ist vorbei

 

Eigentlich könnte man Jogi Löw als Glückspilz bezeichnen. Nicht jeder Trainer hätte nach einem Debakel wie dem frühzeitigen Ausscheiden nach der WM-Vorrundenphase seinen Job behalten.

 

Löws Glück war das Pech Mesut Özils. So manche Kommentatoren sahen den Grund für das

Joachim Löw

Joachim Löw hat keinen Grund zu lachen. (Quelle: Wiki Commons)

Ausscheiden der deutschen Mannschaft nicht im taktischen Spiel und der Positionsbesetzung, sondern im medialen Wirrwarr um Özils Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dieses habe die Mannschaft verunsichert und unnötige Nebenkriegsschauplätze geschaffen.

 

Doch spätestens nach dem Abgang Özils und den fortwährend mangelhaften Leistungen der Mannschaft muss man die Frage stellen, ob nicht auch die Leistung des Bundestrainers für das schlechte Abschneiden des Teams verantwortlich gewesen sein könnte.

 

Die Kritiker verstummen nicht

 

Erst letzte Woche hatte der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack Löws Trainerleistung während der WM scharf kritisiert. In einem Interview mit der Deutschen Welle sagte Ballack:

Löw hätte gehen müssen.

Ballack bemängelte vor dem Spiel gegen die Niederlande insbesondere die Ideenlosigkeit der Elf. Eine Kritik, die den Kern des Problems traf. Es fehlte dem deutschen Team gegen die Niederlande tatsächlich an kreativen Impulsen und einem Rezept gegen konterstarke Mannschaften.

 

Die Mannschaft stellt sich vor den Trainer

 

Nach der Ballack-Kritik hatte erstmals Toni Kroos den Bundestrainer in Schutz genommen und dessen fußballerischen Innovationsgeist gepriesen.

 

Im Anschluss an die 0:3-Klatsche gegen die Niederlande übernahm Mats Hummels diese Aufgabe. Der Verteidiger des FC Bayern kritisierte Medien und Fans.

 

Man werde dargestellt wie die letzten Vollamateure, wobei man absolute Topspieler in der Mannschaft habe. In der Vergangenheit habe man gezeigt, welche Leistungen das Team abrufen könne. Schuld an der verlorenen Partei sei letztlich die mangelnde Chancenverwertung gewesen.

Es war eine Frage der fehlenden Chancenverwertung. Wir verlieren 0:3 in einem Spiel, was wir eigentlich gewinnen müssen. Vor dem gegnerischen Tor hatten wir mal Pech, mal Unvermögen. Mein Kopfball wird von der Linie geklärt. Der Gegner macht aus der ersten Chance das Tor. Wir bekommen jetzt wieder auf die Fresse, aber so viel können wir uns heute nicht vorwerfen.

Kapitän Manuel Neuer sagte, es helfe nichts, im Negativen rumzudümpeln. Man müsse nach vorne schauen und versuchen, das Beste zu geben.

 

Ob es auf Dauer die Aufgabe des Teams sein kann, einen Trainer vor der Kritik von Medien und Fans zu schützen, ist fraglich. Sollte es doch eigentlich in den Aufgabenbereich des Trainers fallen, Verantwortung für Aufstellung, Taktik und Fitness der Spieler zu übernehmen.

 

Die Gegentore in der Johan-Cruyff-Arena zeigten, dass die deutsche Mannschaft auf das schnelle Umschaltspiel der Niederländer unvorbereitet war. Die Niederlage war also nicht allein einer schlechten Chancenverwertung zuzuschreiben, sondern spielerischer Ratlosigkeit geschuldet.

 

Das sagte Löw nach der Pleite

 

Im Anschluss an das Spiel gegen die Niederlande stellte sich Joachim Löw den Fragen der mitgereisten Journalisten.

 

Löw machte nicht nur die mangelnde Chancenverwertung für das verlorene Spiel verantwortlich. Letztlich habe es an Selbstvertrauen im Team gefehlt, an der Einigkeit.

 

Wer ist Joachim Löw?

Joachim Löw wurde am 03.02.1960 in Schönau im Schwarzwald geboren. In seiner Spielerkarriere kickte er für den FC Freiburg und andere süddeutsche Vereine. Seine Trainerkarriere begann Löw in der Schweiz. Nach Stationen in der Türkei, Österreich und Deutschland wurde Löw Co-Trainer von Jürgen Klinsmann. 2006 übernahm er das Amt des Bundestrainers. Sein größter Erfolg als Trainer war der Gewinn der WM in Brasilien 2014.

 

Löw ging auch auf die Diskussion um seine Zukunft ein. Auf die Frage zu seinem Job als Bundestrainer, sagte Löw, er verstehe die Diskussion, wolle sich davon aber nicht irritieren lassen.

 

Das sagt der DFB zu Löws Zukunft

Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel will sich nicht offen äußern. (Quelle: Wikipedia)

 

Beim DFB scheint man aus den letzten Monaten gelernt zu haben. Unglückliche und zuweilen

unbedachte Äußerungen zur Zukunft von Spielern wie Mesut Özil hatten erst kürzlich Team-Manager Oliver Bierhoff in Bedrängnis gebracht.

 

Bierhoff hatte nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft angemerkt, man hätte bei der WM 2018 besser auf die Nominierung Mesut Özils verzichten sollen. Damit schob, so die Ansicht vieler, der DFB Özil den schwarzen Peter für die Leistung der Elf zu.

 

Einen ähnlichen Fehler will man im Fall Löw wohl vermeiden. So äußerte sich DFB-Präsident Reinhard Grindel auf Anfrage des Focus äußerst vermeidend zur Zukunft des Bundestraineramtes:

Dass der Weg unserer Mannschaft nach der WM auch Rückschläge mit sich bringen kann, war uns allen klar. Umso wichtiger ist es, jetzt gemeinsam auf und neben dem Platz als ein Team zusammenzustehen.

Ob solche Worthülsen tatsächlich reichen, um den deutschen Fußball aus seiner Talfahrt zu befreien, kann bezweifelt werden. Weltmeister Frankreich empfängt das Deutsche Team am 16.10.2018 in Paris. Sollte es auch dann eine Niederlage setzen, könnte es einsam um Jogi Löw werden.